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Los Angeles, im März 1928: Christine Collins ist eine alleinerziehende Mutter und arbeitet als Supervisorin in einer Telefonzentrale. Als sie eines Tages von der Arbeit heimkehrt, ist ihr Sohn Walter spurlos verschwunden. Verzweifelt alarmiert sie die Polizei. Fünf Monate später meldet sich diese bei ihr: Sie habe ihren Sohn aufgespürt, er sei von einem Landstreicher entführt und mitten in der Pampa von diesem zurückgelassen worden. Christine ist überglücklich.

Mit der fremde Sohn packt Clint Eastwood gleich mehrere heiße Eisen im Amerika Ende der 20er Jahre an und droht sich sogar gelegentlich mit der Masse an Handlungssträngen zu verzetteln. Die erste Stunde verbringen wir dabei noch mit einer verzweifelten Mutter, deren Sohn verschwunden ist und nach fünf Monaten von der Polizei durch einen anderen Jungen ersetzt wurde, was der armen Mama aber kaum jemand glauben will, was einen aussichtslosen Kampf gegen Obrigkeit und Behörden zur Folge hat. 
Nebenher wird noch Kritik an den korrupten Cops geübt, ein Prediger hat auch einen Zorn und schließt sich am Protest an, dazu gibts noch einen Serien Kindermörder und in der Psychiatrie wird generell nochmal die gesellschaftliche Rolle der Frauen in jenen Tagen angeprangert. Da kommt ganz schön was zusammen, da hätte sich Senor Eastwood gerne mehr auf das eigentliche Thema beschränken dürfen, denn dies hat genügend Power an sich, auch ohne die ganzen Subplots.
Das Drama an sich wiederum hat Eastwood sehr gut im Griff. Er drückt nicht übertrieben auf die Tränendrüse, sondern schildert den auf wahren Ereignissen basierenden Fall sehr ruhig, aber auch fesselnd. Hinzu kommt das Angelina Jolie eine sehr gute Leistung abruft und sowohl als zerbrechliche Mutter, aber auch als engagierte Kämpferin eine gute Figur abgibt. Der Zuschauer leidet mit ihr mit und wundert sich gleichzeitig, wie eingeschränkt die Gleichberechtigung damals doch war.
Brisante Themen unterhaltend zu verpacken scheint sich zur Spezialität Eastwoods zu entwickeln. Seine Art Dramen zu verfilmen ist sehr geschickt, nicht zu trocken und nicht zu melodramatisch, eine gute Mischung machts. Den Serienkiller Plot hätte man aber gerne weglassen können, da er genau genommen nichts zur Handlung beiträgt und mühelos rausgeschrieben werden könnte. Dennoch, guter Film.
7/10

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