Review

kurz angerissen*

Edel ausgestattet geht Clint Eastwood den „Mystic River“ weiter entlang und landet in den 20er Jahren, wo er sein Korn für puristisches Drama mit ebenso viel Ertrag pflanzt wie in der Gegenwart. „Der fremde Sohn“ befeuert gezielt den Gerechtigkeitssinn des Zuschauers, indem er himmelschreiendes Unrecht zeigt, das so offensichtlich nur sein kann, weil es in organisierter Form stattfindet, ausgerechnet durch die Polizei, einer Institution, die als beschützend wahrgenommen wird, verborgen vor der Öffentlichkeit in Eastwoods Film jedoch eiskalte Selbstjustiz vornimmt – nicht einmal, um eigene Überzeugungen durchzusetzen, sondern einfach nur, um Unbequemlichkeiten loszuwerden.

Angelina Jolie wird so als verzweifelter Mutter eines verschwundenen Kindes, das – so die spannende Prämisse – nur vermeintlich später zurückkehrt, aller Raum zum Brillieren gegeben. Die Handlung fordert das Zentrum für negative Emotionen geradezu heraus, Hass, Rache und Verzweiflung verbünden sich zu einer Explosion, die das zweischneidige Bedürfnis nach „wahrer“ Gerechtigkeit herausfordern. Allerdings gleitet Eastwood damit deutlich von der nüchternen Feststellung des Leids ab, das er eben unter anderem in „Mystic River“ so trefflich heraushob. Die Polizei, das sind wahrhaftig die Bösen, ganz im Sinne eines Filmschemas, während der Einzeltäter nur Opfer seiner Triebe zu sein scheint, ein psychologisches Enigma, das zu entschlüsseln sich nicht lohnt.

All das macht den „fremden Sohn“ zu einem packenden, erzählerisch komplexen und verschachtelten Drama, das allerdings auch durchaus ungewohnt manipulative Mittel anwendet, um zu seinem Ziel zu gelangen.

*weitere Informationen: siehe Profil

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