Ein idyllisches Fischerdorf, ein skrupelloser Unternehmer, Giftmüllfässer, ein dynamischer Fischer mitsamt Familie, eine Frau von der Umweltbehörde und… na ja, ein paar Haie.
Das soll eine Mischung für gnadenlose 173 Minuten ergeben?
Der Stoff hätte allenfalls für die Hälfte der Laufzeit ausgereicht, so dass diese TV-Produktion nicht selten wie eine überlange, oft zähe Erzählung anmutet, von der man bei jedem Ereignis weiß, wie der Plot weitergehen wird.
Im Mittelpunkt steht der Fischer Dan Wilder (John Schneider), der mit Frau (Daryl Hannah) und Tochter in Full Moon Bay lebt und bis vor kurzem noch ganz gut vom Fischfang leben konnte. Doch seit einiger Zeit kehrt er regelmäßig ohne Beute nach Hause, ein Zustand, den er Geschäftsmann Lux (Armand Assante) anlastet, der den Einwohnern ihre Wohnungen abkauft, um in dem Gebiet Luxuswohnungen zu errichten.
Als Nebenwirkung des zurückgehenden Fischbestandes resultieren mutierte Haie, die sich zu Schwärmen zusammenrotten und arglose Einwohner attackieren.
Auch nicht so eingefleischten Tierhorrorfreunden dürften diverse schematische Abläufe äußerst vertraut vorkommen und tatsächlich wird nicht ein Klischee ausgelassen.
Ein Heldenpaar, das sich standhaft allen verlockenden Angeboten des Geschäftsmannes entgegenstellt und dessen Pläne als einziges durchschaut, während alle restlichen Einwohner glauben, das Geschäft ihres Lebens gemacht zu haben.
Dazu ein korrupter Sheriff, diverse bewaffnete Schergen des Fiesemöps, die Tochter des Helden lernt einen adretten Surfer kennen, der Bruder des Helden (Meeresbiologe) bekommt es (auch beziehungstechnisch) mit der Frau vom Umweltamt zu tun und bei alledem sind die Grenzen zwischen Gut und Böse klar definiert, was das Geschehen ansatzweise sogar sympathisch erscheinen lässt.
Zu der überaus lieblos und routiniert erdachten Geschichte gesellt sich eine absolut unauffällige Form der Inszenierung. Der Fischerort mit seinen hübsch dekorierten Häuschen ist zwar nett anzusehen und ein wenig „Jaws“ – Feeling kommt am Strand auch auf, doch hier wird fast drei Stunden Spannungserzeugung auf Sparflamme betrieben und Überraschungen sucht man folglich vergebens.
Denn zwischendurch werden immer mal wieder namenlose Figuren aus dem Bild gezogen, wie Fischer, Taucher oder Schwimmlehrerin, doch mitreißend gestalten sich solche Übergriffe in keiner Weise.
Zu selten tauchen Hai und Mensch gemeinsam im Bild auf, auch wenn die CGI solide arbeiten und die Montage der echten Haie ins Geschehen okay aussieht, doch Bisse sind nicht ein einziges Mal zu verzeichnen. Es läuft eher so ab, dass jemand gerade noch im Paddelboot sitzt, schwuppdiwupp unter Wasser gezerrt wird, selten Zeit hat zu schreien und dann färbt sich der Umkreis blutrot. Unspektakulär und unblutig muss man sagen.
Das größte Manko bleibt jedoch die enorme Länge der Laufzeit, denn wo durchschnittliche Vertreter ein, zwei Szenen zur Figurenkonstellation verwenden, ist es hier oft eine halbe Stunde am Stück, ohne dass ein Hai ins Geschehen eingreift.
Dadurch entstehen nicht selten Längen, die auch die vielen bekannten Gesichter (Daryl Hannah wirkt aufgedunsen, F. Murray Abraham in einer Nebenrolle verheizt und Armand Assante maßlos unterfordert) nicht auffangen können, zumal viele Nebenhandlungsstränge einfach nicht genug Interesse erwecken können, da sie nur bekannte Muster seelenlos abspulen.
Mit Weichspüler-Dramaturgie kommt man also nicht weit, auch wenn es gegen Ende noch einmal furioser zur Sache geht, das Heldenpaar in Käfigen den Haien ausgesetzt werden soll und anderweitig gleich drei Schauplätze vor großen Übergriffen geschützt werden müssen.
Im Gesamtbild geschieht hier jedoch nichts anderes als in zahlreichen Plagiaten zu „Jaws“, nur eben etwas ausgedehnter, weniger blutig und kaum nervenaufreibend.
Selbst für eingefleischte Tierhorror-Fans, die kaum einen Beitrag auslassen, dürften diese drei Stunden TV-Film eine Frage der Geduld darstellen, die vom Zeitaufwand her eben zu wenig erhalten.
3,5 von 10