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Batman ist endgültig zurück. "The Dark Knight" sprengt alle Erwartungen und emanzipiert gleichzeitig den Comicfilm als eigenständiges, ernst zu nehmendes Genre. In Anlehnung an Frank Millers "Year One" kehrte Christopher Nolan schon in "Batman Begins" zu den Wurzeln des Dunklen Ritters zurück und erzählt die Biographie des DC-Helden gänzlich neu. An diesen Ansatz knüpft auch die animierte Kurzfilmsammlung "Batman: Gotham Knight" an - der Film reiht sechs Episoden aus den frühen Tagen Batmans aneinander, verfolgt dabei keinen festen Stil und erweist sich allenfalls als Lückenfüller für die beiden Nolan-Kinofilme. Wie schon "Animatrix" entstand der Film als japanisch-amerikanische Co-Produktion und ist daher vor allem visuell sehr dem Anime verpflichtet. Da es sich bei Batman um eine äußerst komplexe Figur handelt und es in den Comicvorlagen etliche reizvolle Storylines gibt, erscheint eine Ergänzung wie im hier vorliegenden Fall sehr sinnvoll. Leider schaffen es die einzelnen Episoden nicht, einander zu ergänzen und zu einem stimmigen Gesamtwerk zusammen zu wachsen und bleiben zu oberflächlich um den Kinofilmen unter die Arme greifen zu können.

Die erste Episode widmet sich dem kindlichen Blick auf den Mythos Batman: Im Skate-Park treffen sich eine Handvoll Jugendlicher und erzählen von ihren jüngsten Erlebnissen. In jeder Geschichte spielt eine Begegnung mit Batman eine Rolle, doch in der subjektiven Erzählung jedes Einzelnen nimmt der Dunkle Ritter ein jeweils völlig anderes Gesicht an. Dabei greift greift der Kurzfilm geschickt auf Variationen des Charakterdesigns aus verschiedenen Comics zurück, unter anderem auf einen vampirischen Batman und den düsteren, fliegenden Man-Bat. Obwohl sich die Episoden stilistisch teilweise recht stark voneinander unterscheiden wird schon in "Have I Got a Story for You" angedeutet, wo der Film seine Stärken zu verbuchen hat: In der Gestaltung der Kulissen, die Metropole Gotham wird in vielen detailreichen Impressionen sehr atmosphärisch eingefangen und macht einen wesentlich besseren Eindruck als das schlichte Figurendesign mit wenig facettenreicher Mimik. Ohnehin dominiert hier eindeutig die Action, das Staunen aus den Augen von faszinierten JugendlichenDie außen stehende Perspektive bietet einen Reiz, der nicht voll ausgeschöpft werden kann, besonders weil der schmale Plot ziemlich lieblos zu Ende gebracht wird und keinen bleibenden Eindruck hinterlassen wird. Nicht mehr als eine visuell attraktive Spielerei ohne die erhoffte Vertiefung des Themas.

In "Crossfire" wird die zwielichtige Frage zur Moralität in Batmans Taten gestellt, der interessante Ansatz geht aber baden in der versöhnlichen Anbiederung am Schluss. Wieder aus einer fremden Perspektive erzählt, kommt Batman selbst hier nur wenig im Vordergrund. Sehr stimmige Eindrücke vom Arkham Asylum können den banalen Eindruck nicht verwehren, den die bereits hinlänglich bekannte Selbstjustizfrage und vor allem deren Beschließung unweigerlich machen. Der Zweifler und Gegner Batmans gerät selbst in eine lebensgefährliche Situation und wird von dem vermeintlichen 'Vigilante' gerettet. Zwar wird die Aussöhnung des Skeptikers nur angedeutet, so ist doch die Stoßrichtung am Ende klar. So disqualifiziert sich der Plot selbst - schade, obwohl Autor Greg Rucka mittlerweile ein erfahrener Comic-Veteran mit Marvel- und DC-Erfahrung ist, versteht er es nicht, seiner optisch starken Episode den gewissen Schliff zu verleihen.

"Field Test" lässt seine Vorgänger dann hinter sich und erzählt von der Beziehung zwischen Bruce Wayne und Kreativkopf Lucius Fox. Auch hier schippert die Handlung nur langsam vor sich hin, immerhin wird aber ein nicht ganz so distanzierter Blick auf die Figuren geworfen und Batman tritt erstmals in diesem Film als Bruce Wayne auf. War er zuvor nur stark überstilisiert zu betrachten, so bekommt der Zuschauer hier einen Einblick in das Privatleben der beiden Figuren. Wesentlich konventioneller inszeniert als die ersten beiden experimentellen Episoden, kommt der Film hier der Erfüllung seiner Ambitionen näher als es zuvor den Anschein machte. Dennoch ziehen die behäbig geschriebenen Dialoge den Gesamteindruck runter, auch wenn das Voice Acting zweifellos gelungen ist. Außerdem endet der Plot nicht ziellos sondern kommt zu einem runden, wenn auch arg einfachen, moralischen Schlusspunkt.

Episode 4 wartet mit dem bekanntesten Autoren auf: David Goyer, unter anderem maßgeblich beteiligt am Drehbuch zu "Batman Begins". Wie es schon seine früheren Arbeiten vermuten lassen ist Goyers Episode eine laute und schnelle Angelegenheit, was dem Tempo allerdings sehr gut tut. Goyer erzählt eine flotte Story, in der endlich eindrucksvollere Gegner für Batman auftauchen als austauschbare Mafia-Gangster. Mit Scarecrow und Killer Croc ist ein Höchstmaß an Action und Unterhaltung angesagt - gut so, denn in der knapp bemessenen Laufzeit kann man keine komplexen Geschichten erzählen sondern sollte es bei kleinen Anekdoten voll von markiger Action belassen. Genau das scheint Goyer anzustreben und widmet sich ganz der schräg-düsteren Atmosphäre, den wunderbar illustrierten Schauplätzen in der Kanalisation und natürlich handfesten Auseinandersetzungen. "In Darkness Dwells" macht als Kurzfilm Spaß weil er sich seiner Grenzen bewusst ist und endlich Leben in den bisher recht steifen Film bringt.

"Working Through Pain" dagegen ist wieder von den orientalischen Leitmotiven Frank Millers geprägt und erzählt aus der Vergangenheit Batmans während dieser sich eine schwere Verwundung zugetragen hat. War schon in "Field Test" das Interesse am Menschen Bruce Wayne nicht zu übersehen, so wird er hier auch als Batman verwundbar gezeigt. Überladen von offensichtlicher Symbolik und pseudo-philosophischem Geschwafel wird die innere Spannung der Episode aber erstickt, bis hin zu einer lächerlichen Kampfszene, in der Wayne plötzlich wieder an Superman erinnert.

"Deadshot" präsentiert den gleichnamigen Scharfschützen als Schurken, der im Auftrag der Mafia als Polizistenmörder fungiert und mit eiskalter Präzision tötet. In letzter Sekunde schafft es Batman hier beispielsweise eine Kugel aus ihrer Bahn zu schlagen - in der überladenen Action gibt sich die finale Episode leider der Lächerlichkeit preis, was auch für die Darstellung des Hauptcharakters gilt. Da nur wenig Ironie zu spüren ist nimmt sich das hohle Spektakel erschreckend ernst, ohne auch nur einen Augenblick nachdenklich zu wirken. Hier erscheint der gesamte Plot als wenig motivierte Hinletung zum Showdown auf einer fahrenden U-Bahn. Funktionierte die reine Spekulation auf Unterhaltung bei Goyer noch in ausreichender Weise, so kann "Deadshot" einfach nicht überraschen und verschießt sein Pulver viel zu früh.

Letztendlich ist nur wenig zu sehen von Batman und wenn er auftritt, dann verwandelt sich die Szenerie zumeist in ein unüberschaubares, ideenlos inszeniertes Spektakel, das sich aufgrund recht hoher brutalität eher an ein erwachsenes Publikum richtet. Dem hätte man aber mehr zutrauen können als die hier vorliegenden, allesamt recht lauen Geschichten ohne jegliche Tragweite für das Batman-Universum. Statt sich, dem Vorbild Nolans folgend, der Zerrissenheit der Hauptfigur zu widmen und ihre Ikonisierung zu durchleuchten, bestätigt der Film sehr klar die gängigen Oberflächen-Klischees, über die hochwertige Comics schon lange hinweg sind.

Fazit: Für eingeschworene Fans ganz sicher einen Blick wert, nicht nur aufgrund der vielen subtilen Anspielungen an verschiedene Comics um den Dunklen Ritter. Der Entschluss, alle sechs Episoden unabhängig voneinander zu inszenieren, erweist sich als großes Problem für den Film als Gesamtwerk zu überzeugen. Hat man sich in Stil und Inhalt der Episoden, deren Qualität ohnehin schon stark schwankt, eingefunden, so kommen sie auch schon zum Ende und machen Platz für die nächste. Einheitlicher und erzählerisch konzentrierter, wäre "Batman: Gotham Knight" ganz sicher ein guter Animationsfilm zum Thema geworden. So bleibt unterm Strich aber ein wenig individueller Film, der immerhin mit einem guten Score und einer teilweise faszinierenden Optik punkten kann.

04 / 10

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