Review

Halten wir es gleich zu Beginn fest: mit der supermodernen Technik ist die neue 3D-Welle in den Kinos dieses Planeten (die dritte große) das topaktuelle Ding, auf das alle Studios fliegen.
Heißt soviel wie, wenn wir schon das Geschichtenerzählen auf ein Minimum reduzieren, um stattdessen alte Themen neu zu verbraten, müssen wir sie der Jugend wenigstens aufregend schmackhaft machen. Und so forstet man mittels der 3D-Technik ein paar Spektakel optisch zusätzlich auf.

Gänzlich für die Welle zu produzieren, heißt aber klotzen statt kleckern und das hat man bei der momentanen Neuverwurstung von Jules Vernes „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ nun wirklich ausnehmend getan.
Die Story wurde nicht um 3D-Effekte ergänzt, man pappte sie um die vielen kleinen und großen optischen Ideen einfach mal an die Technik dran. Das kann nicht gut gehen – und tut es auch nicht.

Was dabei herauskommt, ist eine Art eingedampftes Verne-Best-of, sozusagen die visuell interessantesten Ideen in pc-überarbeiteter Neuauflage, bei der die Charaktere die literarische Vorlage die ganze Zeit mit sich im Rucksack rumtragen, wie um den Zuschauern zu zeigen, hier, haben wir uns nicht aus der Nase gezogen.
Ist das schon peinlich genug, hat man daraus ein schön hysterisches Teenagerfilmchen gezaubert, die Story von dem verpeilten Wissenschaftler mit Kindsgesicht (Abo: Brendan Fraser), der mit seinem Neffen auf die Suche nach seinem Bruder geht, der auf Island damals verschollen gegangen ist und der die Vernsche Reise für Realität hielt. Vor Ort greift man sich noch ne knackige Bergführerin ab, die fehlerfrei amerikanisch parliert und ab geht die Luzi.
Das bedeutet dann: Felssturz, gefangen im Berg, Jagd durch eine Mine, Fall in den Schacht und rin in die unterirdische Höhlenwelt, in der uns im Fünf-Minuten-Takt irgendwelches Viehzeug oder sonstige monumentale Schauwerte erwarten. Zwischendurch herrschen Nichtigkeiten an Dialog, kleine Spitzen und Blödeleien für die Zielgruppe und wenn gar nichts los ist, wird einfach das erwähnt, was sowieso gerade im Bild zu sehen ist („Heh, da ist ein Durchgang!“ – „Gehen wir doch durch!“).

Und während Fraser mit stets und ständig mit dem Klassiker als Taschenbuch winkt, reißt die Strähne an Actionsequenzen nicht ab, die meistens so eben nicht im Buch stehen, sondern mal einfach aus anderen Blockbustern entliehen sind und sich als Themepark-Ride im nächsten Magic Mountain bestimmt super machen und viel Kohle bringen. Fängt an bei der Lorenfahrt, die man aus „Tempel des Todes“ gemopst hat und gipfelt in zahlreichen „Jurassic Park“-Anleihen wie einer ausgedehnten T-Rex-Jagd, die Verne nun wirklich nicht auf der Pfanne hatte.

Man könnte sich ja ärgern, würde nicht ständig dem geneigten Zuschauer etwas um die Ohren pfeifen, erst sinds Bälle und eine Runde Zahnputzwasser in die Kamera gerotzt, später sinds Felsen und Edelsteine, Explosionen, luminiszierende Vögelein, fleischfressende Pflanzen, geblähte Segel, fliegende Urzeitpiranhas und weiß Gott noch was. Für die 3D-Kinos sicher ein gut sortiertes Füllhorn, machen die restlichen 92 Prozent aller Weltkinos daraus eine 2D-Angelegenheit, die dennoch halbwegs funktioniert, aber leider sonst auf ganzer Linie versagt.

Der Plot ist dabei dermaßen dumpf, daß sogar der mumienerprobte Fraser die meiste Zeit zwischen überwältigt-debil und stinkgelangweilt hin- und herschwankt. Und ganz besonders beknackt ist auch diesmal der Umgang mit dem Wissen um die wahre Physik unseres Planeten, denn so kreuzdoof wie man hier manchmal mit Fachvokabular herumwirft, ist der Zuschauer eigentlich nicht. Ergo salbadert Fraser nach einem Sturz, man wäre ja Tausende von Meilen tief in der Erde (klar, einmal durch den Erdkern bei den Dimensionen) und die Strecke Island – Vesus (noch eine Anleihe) vollbringen unsere Helden in vier bis fünf Tagen, anstatt in mehreren Monaten wie weilend James Mason anno 1959.
Echt knorke ist auch die Urzeithabitattheorie als von Magma umschlossene Luftblase, die sich bei tektonischer Aktivität (also so ca. alle paar Jahrzehnte) auf 200 Grad Fahrenheit aufheizt, was die Vegetation und die Dinos aber offenbar immer problemlos überstanden haben, genauso wie Ausrüstung, Tagebücher oder das in der Tiefe entdeckte Lager des Vermißten.
Aber egal, die achtjährigen Pökse und ihre Erzeuger werden es schon schlucken, wir müssen alles nur schnell und hektisch hintereinanderschneiden, durchsetzt nur von zahlreichen PC-Schöpfungen der Unterwelt, die zwar ganz dolle aussehen, für die aber zum Staunen keine Zeit bleibt. Von dem relativ grob generierten T-Rex und den albernen Venusfallen (die offenbar sehen können, ihren Reaktionen zufolge, Donnerwetter!) mal abgesehen.

Ergo ein buntes Tralala für die moderne PSP3-Kinderstunde bei gleichzeitigem Ritalinmangel, nicht allzu nervig, aber nicht charmant und lebendig genug, um irgendwie satt zu machen. Insofern wünsche ich mir bei den vielen feinen visuellen Ideen vielleicht mal einen Drehbuchautoren, der seine Storygrundlage nicht nur dauermißbraucht. (4/10)

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