Ja, das Kinoplakat macht wirklicht Lust auf mehr. Da hängt Brendan Fraser mit einem Ups-Ich-hab-einen-fahren-lassen Gesichtsausdruck an einer Klippe, hinter ihm ein Jüngling, der sich bierernst an einem Seil festhält und als Sahnehäubchen ganz hinten im Bild die blonde Weggefährtin, die sich an einem herunterfallenden Steinbrocken festhält, aber smart in die Kamera guckt. Das nenn ich doch mal aus dem Leben gegriffen!
Aber man soll ja nun einen Film nicht nach seinem Cover bewerten, vielleicht macht der Inhalt ja ein bisschen mehr her. Leider entpuppt sich die Neuverfilmung von Jules Vernes Klassiker allerdings schon in der ersten Szene als das erwartete Popcorn-Filmchen, das es im Prinzip wohl auch nur sein will. So rennt eine bis dato undefinierbare Rahmenfigur vor einem brüllenden Dinosaurier weg und landet direkt in der Lava - dann wacht Fraser auf, atmet hektisch und geht optisch sehr ansprechend Zähneputzen und sich... die Zunge mit der Zahnbürste säubern? Oh mein Gott!
Wir finden also heraus, dass Fraser ein Professor ist - ich weiß, ganz schlechter Witz, die Pointe sucht man vergeblich. Dementsprechend nimmt man ihm den ehrzeizigen Wissenschaftler auch nie wirklich ab, dazu ist der Hundeblick einfach zu allgegenwärtig. Wenig später lernen wir auch seinen Neffen kennen, den Teenager Sean, welcher von Josh Hutcherson schön klischeehaft runtergespielt wird. Das reicht vom dauernden "Ach leck mich doch" bis zum "Lass mich in Ruhe!" Sobalds aber spannend wird, entwickelt sich der Jüngling zum abenteuerlustigen Gör, was auch sonst.
Für die weiblichen (und sabbernden männlichen) Quoten soll wohl nebenher Anita Briem als Hannah sorgen, die in der Einöde in einer Hütte lebt, aber trotzdem wunderschön ist und rein zufällig auch noch Bergführerin ist, weswegen es Fraser und sein Neffe gar nicht erst schwer haben, den besagten Mittelpunkt der Erde hinunterzusteigen. Da unten wirds dann auch kunterbunt, wie in einem Micky Maus Heft. Das reicht von mörderischen Fleischfressenden Pflanzen bis zum vermeintlichen T-Rex, der anscheinend alleine da unten lebt und sich bestimmt von Sand ernährt, eine andere Nahrungsquelle hab ich als Zuschauer da unten jedenfalls nicht erspähen können.
Optisch macht der Film ganz schön viel her, aber eben wohl nur, wenn man auch die 3D-Brille auf der Nase hat. Das Abeneuter ohne diesen gewünschten Effekt stellt sich leider als computertechnisch leicht überfällig heraus. Der Dinosaurier sieht ein bisschen schlicht aus, und selbst die schon weitaus ältere Variante aus dem "Jurassic Park" machte deutlich mehr her. Auch eigentlich ganz normale Sachen sehen unfreiwillig blöd aus, das geht bei der Lava los und hört bei Szenen auf, in denen die Schauspieler von Klippen stürzen, was man denen aber nicht abnehmen will. Den Kindern wirds aber bestimmt gefallen.
Furchtbar sind aber die Charaktere, vor allem unsere drei Hauptprotagonisten, die schablonenhafter kaum sein könnten. Fraser stellt einmal mehr den naiven Abenteurer da, der zur Abwechslung allerdings mal mit Fachausdrücken um sich wirft, wo wir wieder bei der Glaubhaftigkeit wären. Auch Teenie Sean könnte nicht flacher sein. Am Anfang spielt er mit einer PSP und öffnet dann wie ein Neandertaler, der Feuer macht, faziniert die Augen, als Fraser ihm ein Jojo vorführt. Hannah ist dann einfach nur noch der weibliche Zusatz, der blöde Sprüche raushaut und in hautengen Hosen rumläuft.
Mit der Logik scheint man es auch nicht so zu haben. Das tut vor allem weh in der Szene, in der Fraser und seine Kumpanen in einer Achterbahn-ähnlichen Szene eine Mine hinabsausen. Ja, es ist ein Plagiat, und dazu auch noch ein unsinnig stümperhaftes. Die fahren da also mit gefühlten 90km/h steile Klippen hinunter, und Hannah (Die nicht sitzt, sondern steht!!!) tut geradeso, als würde ihr die Schnelligkeit und die Schwerkraft gar nichts ausmachen. Ja, sie steht sogar freihändig auf ihrem Wägelchen, um auf Frasers Untersatz zu springen! Den Vogel abschießen tut aber Seth - lachend kommt er unten an und haut sowas raus wie: "Cool, nochmal!" ... Aber das Highlight ist die Szene, in der alle drei mindestens fünf Minuten lang einfach nur fallen und sich dabei ungezwungen unterhalten - erst schreien sie wie am Spieß, dann erklärt Fraser ein bisschen, was ihnen gleich für Todesarten bevorstehen könnten.
Dem Ende ist schlichtweg nichts mehr hinzuzufügen, denn Hannah und Bubigesicht Fraser küssen sich und sind plötzlich ein Paar, lang lebe das gefühlsduselige Happy End. Man bekommt mit dieser x-ten Verfilmung einfach nichts halbes und nichts ganzes. Ja gut, die Effekte sind mit Brille bestimmt super und der Film war wirklich kurzweilig, Hänger gab es beispielsweise überhaupt nicht. Aber was nützt einem das, wenn man die vielen Logikbrüche kaum nur an zwei Händen abzählen kann? "Die Reise..." ist für Kinder und Jugendliche sicher ein buntes Abenteuer, für alle über 18 tun sich aber im wahrsten Sinne des Wortes Abgründe auf.
Fazit
Zwar unterhaltsame, aber fast völlig labile Effekthascherei, die zu jeder Zeit mit unsinnigen Dialogen, hauchdünnen Figuren und aufgesetzten Action-Szenen aufwartet. Einige gewollte Gags sind zwar ganz lustig, aber überwiegend fragt man sich leider, ob der Regisseur einen ernstzunehmenden Vertreter der Verne-Verfilmungen zaubern wollte, oder einen hyperaktiven Teenie-Sommer-Film.
4,5/10