Review
von Leimbacher-Mario
Der dümmste gemeinsame Nenner
Bevor Adam McKay mit "The Big Short" der Welt seine ernstere, wenn auch nicht minder unterhaltsame Seite gezeigt hat und dabei sogar einen Oscar abräumen durfte, machte er Komödien, der amerikanischsten und flachsten Sorte - nur in verdammt gut! In "Step Brothers", dem man bei seinem zehnjährigen Jubiläum sogar eine kleine Kultgemeinschaft attestieren darf, treffen zwei recht ähnliche 40-jährige Kindsmänner aufeinander und dürfen sich plötzlich Stiefbrüder nennen - da sich ihre Eltern Hals über Kopf ineinander verliebt haben und heiraten. Übersteht die Patchworkfamilie die zwei unselbstständigen und egoistischen Chaoten? Kommen diese irgendwann miteinander aus? Und lernen sie, was es heißt erwachsen zu sein?
"Stiefbrüder" ist ein Film über Familie, Erwachsenwerden und Kindbleiben. Schwere Themen. Doch derart leicht und positiv behämmert verpackt, dass man sie glatt übersehen könnte. Über Humor lässt sich (nicht) streiten - und McKays Abstrusität von Komödie beweist das einmal mehr. Kein Vorwurf an diejenigen, die ihn kaum zum lachen finden. Doch bei mir wollte das dämliche Grinsen eigentlich gar nicht mehr von den Backen verschwinden. John C. Reilly und Will Ferrell sind voll in ihrem Element und von allen Bremsen befreit. Man spürt förmlich, was für eine lässige Chemie und gute Laune am Set geherrscht haben muss. Sie spielen die zwei ähnlichen Spätzünder als wären es die Rollen ihres Lebens. Unterstützung erfahren sie von versierten Nebendarstellern, die immer wieder Szenen stehlen und laute Lacher provozieren. Von Adam Scott als hassenswerten jüngeren Bruder bis zur dauergeilen Kathryn Hahn. Vielleicht ist der Klamauk thematisch etwas ausrechenbar und ein paar Minuten zu lang, doch insgesamt hebt er die Laune unerbittlich an. Wiederspielwert würde ich ebenfalls attestieren. Nicht ganz in der "Anchorman"- oder "Dumm und Dümmer"-Liga, aber zurecht ein Publikumsliebling.
Fazit: super stupide und super witzig - "Step Brothers" muss man nicht verstehen, nur fühlen. Und dabei den Stock im Hintern lockern und das Kind im Manne wecken. Blödelei richtig gemacht. Lustig!