Review

Kurzes Quiz zur Einleitung: Woran erkennt man die jüngsten sonntäglichen "Event-Movies" von RTL ? Vielleicht an den verzweifelten Versuchen einiger Amateur-Dan-Browns, mittels Griff in die Mottenkiste obskurer Verschwörungen und den Versatzstücken Hollywoodscher Gruselthriller die jugendliche Zielgruppe vom Tatort-Sehen abzuhalten. Oder an eher schwach motivierten deutschen Mimen, die bei ihren Auftritten ständig wahlweise an ihren Paycheck oder an die zu erwartenden negativen Kritiken zu denken scheinen. Vielleicht aber auch am insgesamt mäßigen Quotenerfolg, da macht auch dieses jüngste Produkt offenbar keine Ausnahme. Eigentlich erstaunlich, immerhin beruht das ganze diesmal auf einem Roman des aktuell ziemlich angesagten Frank Schätzing, da konnte man schon einiges erwarten. Mein Vorab-Fazit für Langreviewverweigerer: Ein kleiner Aufwärtstrend, sicher keine weitere Lachnummer wie "Heiner und der Papst", aber dank zu vieler Marotten von Flopgarant Peter Keglevic ("Blackout") auch kein wirklicher Knaller.

Nach einem kurzen und zu diesem Zeitpunkt eher rätselhaften Schnipsel Irak-Krieg kullert uns schon die erste, im FSK-12-Rahmen recht unappetitliche Leiche vor die Füße. Parallel sehen wir die schlagkräftige Ex-Polizistin Vera Gemini (!) (Melika Foroutan), die von einem mysteriösen Auftraggeber auf die Suche nach einem angeblich toten Ex-Söldner geschickt wird. Und klar, alles hängt mal wieder zusammen, das muss auch Polizist Menemci (Hilmi Sözer) schnell erkennen.

Mutig war das ja, für diese erste von mehreren Verfilmungen von Werken des Kölner Bestsellerautors schon wieder das Duo Keglevic / Maticevic zu engagieren, das vor gar nicht langer Zeit die Ausschaltquote für den Konkurrenzsender SAT1 in gigantische Höhen getrieben hat. Vielleicht hat man den Regisseur diesmal vorab rechtsverbindlich unterschreiben lassen, dass er die übelsten Publikumsvertreiber im Giftschrank lässt, als da sind: Miese Bullen und überhaupt die Abwesenheit jeglicher Sympathieträger, unerotische Sex-Szenen samt einschlägiger Sprache sowie konfuse Handlungen, die frühestens 10 Minuten vor Ende der üppigen Laufzeit so etwas wie Spannung entfalten. Dennoch: Einen ganz normalen, gradlinigen Krimi/Thriller wird der Mann in diesem Leben wohl nicht mehr abliefern. So wird eine an sich doch relativ simple Story mit einer äußerst überschaubaren Zahl von Verdächtigen mal wieder zu einem trendigen Etwas aufgeblasen, samt grobkörniger Bilder, Wackelkamera und einigen bösen Schienbeintritten gegen die Leute, die Frau Furtwängler für so etwas wie die wiedergeborene Miss Marple des deutschen Krimi-Wesens halten. Dabei entpuppen sich gerade die unnötigerweise halbdutzendfach eingeschnittenen und fast immergleichen "Irak"-Szenen als erster massiver Schwachpunkt - in einem rotgefilterten Steinbruch (realiter vermutlich irgendwo in der Westeifel gelegen) machen ein paar südländisch aussehende Statisten und die auch nicht gerade dem Söldnerhandbuch entsprungenen Hauptakteure eher vergeblich auf Wüstenkrieg, da helfen auch die grobkörnig gefilmten Dreckspritzer a la "Over There" nicht..

Der deutschlandbasierende Teil des Spektakels kann dank ordentlicher Grundkonstruktion da ein paar Pluspunkte mehr sammeln; notorische Tatort-nach-15-Minuten-Durchschauer werden aber auch hier heftig unterfordert. Vor allem der einschlägige Hinweis auf die Lösung wird dem Zuschauer so deutlich unter die Nase gerieben, dass man sich schon fragt, warum die als Clevergirlie angelegte Hauptfigur den so einfach übersehen kann. Über die letztlich durchschaubare Handlung können die Thrillerelemente dann auch nur ansatzweise hinwegtrösten. Unsere Little-Miss-Boxhandschuh (natürlich mit Vergangenheitstrauma - wann endlich macht jemand mal ein "Phrasenschwein" für dieses immergleiche Klischee auf ?) darf zwar einige ordentliche Action-Ansätze zeigen, wenn sie nicht gerade mit Morgenmantel herumlaufen muss, der ganze Rest ist aber weniger überzeugend. Für eine gescheite Autoverfolgung fehlte offenbar das Geld - also muss die Kamera wieder wackeln und Dynamik vortäuschen, und die Häuserexplosion mittendrin sieht irgendwie aus wie in der Stuntschau im Movie-Park Bottrop. Immerhin dürfen sich Fräulein Saturn und ihr Teilzeitlover ein paar Mal recht dekorativ vertrimmen, das macht auch deshalb ganz gut Laune, weil nicht der Eindruck erweckt wird, eine Freizeitboxerin könnte es mit einem ausgebildeten Berufsoldaten aufnehmen. Und im Vergleich zu den gespielten Blondinenwitzen in den Hauptrollen der unmittelbaren Event-Vorgänger ist die Raketenlady schauspielerisch fast schon eine Offenbarung, ein Energiebündel in einem Fall mit leider allenfalls 110 Volt.

Unter dem Strich bleibt ein passabler, diesmal sogar fast trashfreier Pantoffelkinoreißer mit wenig Überraschungen und einer ansehnlich dynamischen Hauptfigur. Schwachpunkt ist dabei die bemüht neumodische Inszenierung samt vergurkter Kriegseinlage, Pseudo-Wackelaction und etwas Emanzen-Kung-Fu. Merke: Wer so etwas wie einen bundesdeutschen Bourne will, muss bei der Budget-Planung das Komma um mindestens eine Stelle nach rechts verschieben.

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