"Manche Menschen wollen die Welt einfach brennen sehen."
Um es vorweg zu nehmen: Der hoch gehypte "The Dark Knight" erweist sich tatsächlich als DAS Filmereignis, wohl auch unter dem Umstand, dass sich in diesem Jahre 2008 keine Filmattraktion damit vergleichen lässt oder annähernd dessen Größe und Flexibilität erreicht.
Gotham City wird nach wie vor von Verbrechern und Korruption überschlagen, auch als Dr. Jonathan Crane (Cillian Murphy), besser bekannt als Scarecrow, von Batman / Bruce Wayne hinter Schloss und Riegel gebracht wird. Diverse Mafiaverbände knechten nach wie vor die rechtschaffene Bürgerschaft und klinken sich auch innerhalb der Polizei ein. Staatsanwalt Harvey Dent (Aaron Eckhart) kämpft unermüdlich gegen dieses organisierte Verbrechen und bekommt immer mehr Zustimmung und Wohlwollen des Volkes. Bruce Wayne wird auf diesen Staatsanwalt aufmerksam, unter anderem da Dent an seine Jugendliebe Rachel Dawes (Maggie Gyllenhaal) anzubandeln scheint. Zwischen Harvey Dent, Lt. James Gordon (Gary Oldman) und Batman entsteht ein Bündnis, denn ein weiterer Superschurke betritt bereits das Feld. Der Joker (Heath Ledger) stürzt Gotham immer mehr in ein anarchisches Chaos und ist an Genialität kaum zu übertreffen.
Bombastkino! Dieses Wort muss man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen. Mit "Batman Begins" hat Christopher Nolan ("Memento", "Prestige") bereits das Batman Franchise wieder aufleben lassen und, nach einem schwachen sowie knallbunten "Batman Forever" und "Batman & Robin", durch einen realistischeren Look völlig neu interpretiert. Dies wird in "The Dark Knight" konsequent fortgeführt.
Die Fortsetzung des "Batman Neustarts" setzt relativ kurz nach der Handlung von "Batman Begins" an. Zu Beginn werden die noch offenen Handlungsstränge um Scarecrow geschlossen und parallel bereits den neuen Charakteren dir Türen geöffnet. Am Anfangs lässt sich noch keinerlei Trugschluss auf die noch kommenden Highlights schliessen, dafür präsentiert sich die Einführung zu standardisiert.
Nolan legt ein hohes Tempo mit schnellen Schnitten und plötzlichen Schauplatzwechseln vor, was zu Beginn noch zu Verwirrung führen mag, sich im weiteren Verlauf aber weitgehend schlichtet. Dann, wenn der Joker zum ersten mal in seiner ganzen Pracht auf der Leinwand erscheint, ist abzusehen, dass sich der Spielraum der Handlung um ein großes Maß ausweiten mag.
Der Handlungsspielraum ist breit gefächert und findet trotzdem noch Zeit seine Charaktere in allen Facetten zu durchleuchten. Nicht nur der Joker tritt heraus, auch den anderen Figuren wird sehr viel Zeit gewidmet um sich vollends entfalten zu können, und sind hervorragend ausgearbeitet. Teilweise mag die Figur des Batman selbst ein wenig zu kurz kommen, was am Ende durch einen pompösen Abgang wieder gerade gestreckt wird.
Es ist erstaunlich wieviel Flexibilität die durchdachte Erzählstruktur bietet. Neben dem Handlungsrahmen und der eindringlichen Präsentation der Charaktere ist immer noch Zeit, für viele Wendungen und Überaschungen zu sorgen, und den Plot plötzlich auf einem völlig anderem Weg weiter zu führen. Selbst für die Akquirierung und Einbindung eines weiteren Superschurken findet Nolan noch Platz.
Die Highlights finden sich bereits im zweiten Drittel und beginnenden letzten Drittel, wo Batman und der Joker erstmalig aufeinandertreffen, sich ein Wortgefecht bieten, viele plötzliche Wendungen übereinander platziert sind und mit Effekten nur so um sich gefeuert wird. Eine Steigerung im Finale gibt es nicht mehr, ein leichtes abflachen des Tempos ist gar zu verzeichnen.
Wer viel Action in überdimensionierten Stil erwartet, wird ein wenig enttäuscht werden. Action gibt es jede Menge, wohl portioniert, in Form von wilden Verfolgungsjagden durch Gotham City, Schießereien, brachialen Faustkämpfen und spektakulären Stunts sowie detailreichen Explosionen. Statt aber mit Masse zu blenden, glänzen die Actionszenen durch Liebe zum Detail. Die Verspieltheit ist spätestens bei einer Sprengung eines Krankenhauses im späteren Verlauf der Handlung zu sehen, welches sich beinahe klötzchenweise zerlegt.
Untermalt werden solche Szenen durch fette, krachende Soundeffekte, die den Eindruck vermitteln, man stehe nebendran.
Auch der bombastische, orchestrale Soundtrack, erneut von Hans Zimmer, unterstreicht die düstere, effektreiche Grundstimmung.
Ein besonderes Lob gebührt den Special-Effects Machern. Viele Teile der Effekte und Stunts sind von Hand und ohne zutun künstlicher Effekte erarbeitet. Die darüber gelegten, computergenerierten Effekte fügen sich nahtlos ein, was man besonders bei dem zweiten Superschurken zu erkennen vermag.
"The Dark Knight" ist zudem der bisher kompromissloseste und härteste Batman, auch wenn viele Gewaltakte im Off geschehen und auf Blut völligst verzichtet wird.
Zu "The Dark Knight" gehört mittlerweile der, durch eine Überdosis Medikamente, auf tragische Weise verstorbene Heath Ledger, welcher im Gegensatz zu Jack Nicholson einen wesentlichen wahnsinnigeren, heruntergekommeneren und kaum noch seriösen Joker verkörpert. Das große Geschreie von wegen einer Meisterleistung und einer möglichen Oscarverleihung kann ich nur bedingt teilen, die Darstellung ist wirklich herausragend, aber der Leistung des durch Jack Nicholson seriöseren Jokers gleichzustellen. Bestenfalls gibt es den Oscar durch minderwertige Konkurrenz.
Neben dem gehypten Heath Ledger hat sich fast die gesamte Crew des Vorgängers erneut zusammen gefunden. Christian Bale mimt den dunklen Rächer mit Bravour, zu seiner Seite stehen der ruhig agierende Michael Caine als Butler Alfred Pennyworth, Gary Oldman spielt den engagierten Commissioner Gordon und der allseits beliebte Morgan Freeman Lucius Fox, welcher Batman erneut mit allerlei Gadgets ausstattet. Kurzauftritte von Cillian Murphy ("28 Days Later", "Sunshine") und William Fichtner ("Equilibrium", " Pearl Harbor", "Black Hawk Down") bieten Edelsupport.
Neu hinzu gesellt sich Aaron Eckhart ("Thank You for Smoking") als aufsteigender Staatsanwalt in einer recht flexiblen Rolle.
Aufgrund von Termin-Überschneidungen eines anderen Films hat Katie Holmes einen erneuten Auftritt als Rachel Dawes leider abgelehnt. Ihre Rolle wurde von der etwas älter wirkenden Maggie Gyllenhaal übernommen.
Nur noch ein Überaschungshit kann einen so starken Batman von meinem persönlichen "Filme 2008" Thron stoßen. Die konsequente Fortsetzung der wiederbelebten Batman Reihe erfreut den Film- und Comicliebhaber durch einen prägnanten Plot, eine starke Charakterstudie der Figuren, detaillierte Schauplätze und Effekte sowie eine bombastische Präsentation.
10 / 10