Nach wie vor säubert der Milliardär Bruce Wayne, alias Batman, gespielt von Christian Bale, die Straßen Gothams von Verbrechen und Korruption, wobei er von dem Lieutanent James Gordon, gespielt von Gary Oldman, und dem neuen Staatsanwalt Harvey Dent, gespielt von Aaron Eckhart, unterstützt wird. Schließlich fassen die Großverbrecher Gothams den Entschluss, den Joker, gespielt von Heath Ledger, anzuheuern, um den Flattermann zu töten, wissen jedoch nicht, dass dieser Gotham lediglich in Gewalt und Anarchie stützen will. Für Wayne beginnt der schwerste Kampf seines Lebens, in den schließlich auch seine Jugendfreundin Rachel Dawes, gespielt von Maggie Gyllenhaal, hineingezogen wird.
Der Hype um "Dark Knight" war groß und wurde schließlich durch den Tod von Heath Ledger noch weiter angestachelt, der uns hier zweifelsohne die beste Leistung seiner Karriere hinterlässt. Was man dabei jedoch nicht vergessen sollte ist, dass sich der wahre Star des Films hinter der Kamera und nicht davor befindet: nämlich Christopher Nolan.
Nach der eher unbeachteten Verfilmung des Stoffs von 1966 "Batman hält die Welt in Atem", folgte Burtons Interpretation des Comics "Batman" und "Batmans Rückkehr", wobei ich mit Burtons skurriler und schrillen Art nie etwas anfangen konnte, wobei natürlich auch Burton durchaus fähige Ideen hatte, die Nolan teilweise aufgreift. Es folgten "Batman und Robin" sowie "Batman Forever", zwei bonbonbunte und vollkommen sinnfreie Effektgewitter unter der Regie von Joel Schumacher, der die Batman-Reihe in eine Lage manövrierte, aus der man kaum neue Filme hätte machen können, zumal die Einspielergebnisse immer weiter zurückgingen. Erst als andere Comic-Verfilmungen unglaublich hohe Einspielergebnisse erzielten, beschloss man, das ehemals erfolgreiche Zugpferd wieder ins Rennen zu schicken und einen Neuanfang zu starten. Man verpflichtete Christopher Nolan, der mit der Low-Budget-Produktion "Memento" bereits großes Aufsehen erregt hatte und einen der besten Thriller aller Zeiten inszeniert hatte und auch mit "Insomnia" seinen guten Eindruck bestätigen konnte.
Und Nolans Neuinterpretation des Stoffs "Batman Begins" schlug ein wie eine Bombe und wurde von vielen Kritikern als bester Film der Reihe gefeiert. Als Thriller angelegt beeindruckte die düstere Comic-Verfilmung durch atemlose Hochspannung und eine dichte Atmosphäre. Kleine Kritikpunkte blieben dabei, dass Nolan erst einmal viel Zeit benötigte, um die Geburt seines Helden zu zeigen und bei den Action-Szenen teilweise die Übersicht verlor, so wirkte "Batman Begins" stellenweise nur wie der Auftakt zu etwas Größerem ,aber das perfektioniert Nolan und legt so mit "Dark Knight", nachdem er zuletzt mit "Prestige" erneut sein Talent beweisen konnte, noch einmal zu und liefert so die beste Comic-Verfilmung aller Zeiten ab, die ihresgleichen sucht.
Zusammen mit David S. Goyer und seinem Bruder Jonathan schrieb Nolan das Drehbuch und wie schon bei "Batman Begins" legt er die Handlung dabei als Thriller an. Nolan verknüpft dutzende Figuren und mehrere Handlungsstränge miteinander und baut so ein komplexes Handlungskonstrukt, das die Laufzeit von rund 150 Minuten locker ausfüllt und den Zuschauer gleich mehrfach überraschen kann, wobei Nolan glücklicherweise weit außerhalb der Stereotypen Hollywoods bleibt. Die Charakterkonstruktion ist überragend geworden. Nolan knüpft hier an die Vision die Burton damals hatte an und stellt Bruce Wayne nicht als Universal-Helden wie "Spider Man" dar, sondern zählt ihn mit zu den Monstern in Gotham, die nach ihrer Identität und nach ihrer Bestimmung suchen. Dazu passt auch, dass der Joker Batman des Öfteren auf deren Gemeinsamkeiten hinweist "Für die bist du nur ein Freak, genau wie ich". Aber auch bei seinen Nebenfiguren, besonders bei Harvey Dent gibt sich Nolan alle Mühe, emotionale Tiefe zu entwickeln und das gelingt ihm auch. Die Dialoge sind vielschichtig und treiben die Handlung zu jedem Zeitpunkt voran, genauso wie die Nebenhandlungen, von denen keine einzige überflüssig geworden ist. Jeder noch so kleine Teil von Nolans Konstrukt bringt den Film ein Stück weiter, die Struktur erinnert dabei stellenweise an Michael Manns Epos "Heat". Zudem wimmelt es im Film förmlich vor grandiosen Einfällen, wie zum Beispiel die Experimente des Jokers, bei denen er tief in die menschliche Seele blickt, oder vor Symbolen, wie zum Beispiel der Tatsache, dass ausgerechnet der Staatsanwalt, also die Justiz schließlich zum unberechenbaren, lediglich auf den Zufall kalkulierenden Two-Face wird.
Bei der Inszenierung behält Nolan die Übersicht über seine komplexe Handlung und behält die ganze Zeit über den roten Faden. Nolan lässt sich die nötige Zeit, um Spannung aufzubauen und lässt keinen Ansatz von erzählerischer Ungeduld aufkommen, platziert die Wendungen wie immer genau zum richtigen Zeitpunkt und verirrt sich nicht auf überflüssigen Nebenschauplätzen, in dem er seinen Film kontinuierlich vorantreibt. Dabei baut er konstant Dramatik und Spannung auf. Von der ersten Szene an, in der er den ersten, brutalen Überfall des Jokers zeigt, zündet der Film voll und ganz und lässt sich von da an durch nichts mehr stoppen. Darüber hinaus spielt er die Vorzüge seines sensationellen Casts aus und leistet auch hier hervorragende Arbeit.
Nolan verliert bei den Action-Szenen diesmal zu keinem Zeitpunkt den Überblick und zeigt ein hervorragendes Auge für beeindruckende Bilder und kommt von der Qualität, wenn auch nicht von der Quantität durchaus auf das Niveau von Michael Bays Materialschlacht "Transformers" oder Peter Jacksons "Herr der Ringe". Nolan hat also endgültig den Sprung vom Low-Budget-Regisseur zum Fachmann für Blockbuster geschafft. Was mit Tim Burtons düsterer Kulisse in "Batman" begann und mit Robert Rodriguez` künstlicher Kulisse in "Sin City" weiterging, Perfektioniert Nolan in "Dark Knight". Die, am Computer entstandene Kulisse von Gotham setzt er brilliant in Szene und sorgt mit einer hervorragenden Kameraführung für einen unglaublich hohen Schauwert und eine berauschende Optik, die durch die hervorragende Maske, die futuristische Ausstattung und die Action-Szenen noch weiter verstärkt wird. Sogar bei Dialogszenen sorgt die schwenkende Kamera immer für eine gespannte Dynamik, so sind allein die Bildsprache und der Schauwert sind den Kinobesuch schon wert.
Durch diese beeindruckende Kulisse und die düstere Action baut Christopher Nolan mit Leichtigkeit eine gespannte Atmosphäre auf. Er stellt die Stadt der Verbrechen, bei der hinter jeder Ecke Tod und Gefahr lauern erneut perfekt dar und bringt dieses düstere Bild von Gotham so überzeugend auf die Leinwand, dass man den Dreck und die Gefahr förmlich spüren kann. Mit dieser dichten Atmosphäre erreicht Nolan einen enorm großen Spannungsbogen. Immer, wenn man als Zuschauer meint, dass es nicht mehr schneller und spannender werden kann, beschleunigt Nolan weiter, wobei ihm der geniale Score von Oscar-Preisträger Hans Zimmer "Fluch der Karibik" und James Newton Howard "The Sixth Sense" durchaus hilft. Nolan baut den Score immer zum richtigen Zeitpunkt ein und gönnt dem Zuschauer keine einzige Verschnaufpause. Trotz der düsteren Atmosphäre und dem scheinbar unmöglich zu gewinnenden Kampf gegen das Verbrechen, hält Nolan dabei immer einen Funken Hoffnung aufrecht und vermittelt vor allem am Ende ein sehr positives Menschenbild und liefert anschließend ein verstörendes Ende, dass lang im Gedächtnis bleibt. Kurz und Knapp: Die Inszenierung ist perfekt und Christopher Nolan die größte Regie-Neuentdeckung seit der Jahrtausendwende.
Anthony Perkins schockte in Alfred Hitchcocks "Psycho" Millionen von Menschen, später lieferte Anthony Hopkins in "Das Schweigen der Lämmer" ein perfektes Feindbild ab und Heath Ledgers diabolische und abgrundtief böse Darbietung des Jokers lässt sich durchaus mit den erwähnten Leistungen auf eine Stufe stellen. Auch ohne das Gefühl, dass es sich bei Ledgers Schminke im Prinzip um seine Totenmaske handelt, ist seine Leistung absolut furchteinflössend. Er stellt seine Figur mit all ihren Fassetten mit absoluter Hingabe dar und überzeugt dabei sowohl als Freak, als auch als kalkulierendes verbrecherisches Genie. Dabei entwickelt Ledger eine Leinwandpräsenz, die man eigentlich nur von Jack Nicholson kannte: In dem Moment, in dem Ledger die Szenerie betritt, gehört ihm die Leinwand und Darbietungen von Oscar-Preisträgern wie Michael Caine und Morgan Freeman werden sofort zu Randerscheinungen abgewertet, wobei es auch hier natürlich wieder Nolan ist, der genau weiß, wie er seine Figur in Szene zu setzen hat. Hinzu kommt noch sein bizarrer und rabenschwarzer Humor, mit dem er einige Lacher erzeugt, ohne dem Film den nötigen Ernst zu rauben, womit er die Darstellung des Jokers durch Jack Nicholson ganz schnell vergessen macht und sogar überbietet. Der Hype um Ledgers Darstellung ist also durchaus gerechtfertigt, dennoch ist es bedauerlich, dass man in Hollywood erst sterben muss, um die Beachtung der breiten Masse zu bekommen.
Der restliche Cast kann sich natürlich ebenfalls sehen lassen und enthält ausschließlich gute Darstellungen. Christian Bale bietet mit seiner zurückhaltenden Art einen angenehmen Gegenpol zum hektischen Ledger, geht aber in dessen Leinwandpräsenz unter und ist mit der Batman-Rolle immer noch nicht wo verwachsen, wie Ledger schon in seinem ersten Auftritt. Bei diesem Hype um "Dark Knight" und der kommenden Hauptrolle in "Terminator" 4-6 wird er wohl endgültig in die Riege der bekanntesten Darsteller der Welt aufsteigen. Oscar-Preisträger Michael Caine überzeugt als Butler mit seiner britischen und liebenswerten Art voll und ganz, genauso wie Routinier Morgen Freeman, der gewohnt stark aufspielt. Gary Oldman überzeugt wie schon im ersten Teil als Cop voll und ganz, womit er nach seiner Rolle als Vampir in "Bram Stokers Dracula" und seiner Rolle als Harry Potter-Pate in "Der Gefangene von Askaban" erneut seine Vielseitigkeit unter Beweis stellen kann. Maggie Gyllenhaal löst die Rolle der Rachel Dawes, die Katie Holmes in "Batman Begins" spielte, besser als ihre Vorgängerin und zieht die Sympathie des Zuschauers geschickt auf sich. Mit Aaron Eckhart hat sich Nolan neben Ledger einen weiteren Glücksgriff mit ins Boot geholt, der sowohl als idealistischer, beinahe heroischer Staatsanwalt, als auch als unberechenbarer Two-Face voll und ganz überzeugen kann. Nach "Thank you for Smoking" und "Black Dahlia" stellt Eckhart damit erneut sein Talent unter Beweis und tritt in die Fußstapfen von Tommy Lee Jones, der die Rolle in "Batman Forever" spielte. Auch der restliche Cast, in dem unter Anderem Cillian Murphy als Vogelscheuche Scarecrow und Eric Roberts als Bürgermeister Gothams überzeugen können, ist überragend.
Fazit:
Im Prinzip erreicht Christopher Nolan mit "The Dark Knight" die Perfektion und liefert die beste Comic-Verfilmung aller Zeiten ab. Mit einem perfekten Schauwert, mit einer gewaltigen Kulisse und perfekten Action-Sequenzen, einer düsteren Atmosphäre und überragenden Kamerafahrten liefert Nolan eine perfekte Inszenierung ab. Aber auch beim Drehbuch leistete die neue Regie-Entdeckung perfekte Arbeit und beeindruckt durch eine vielschichtige Charakterkonstruktion und durch die unvorhersehbare Handlung und behält die ganze Zeit über den Überblick bei seinem großen und gewaltigen Handlungskonstrukt. Durch den überragenden Cast, in dem vor allem Heath Ledger, der uns hier seine beste Leistung hinterlassen hat brillieren kann, wird das Meisterwerk abgerundet, das man sich unter keinen Umständen entgehen lassen sollte.
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