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Gute 180 Millionen Dollar ließ man sich "The Dark Knight" kosten, um damit locker alle anderen Comicverfilmungen in den Schatten zu stellen. Ich denke Batmanerfinder Bob Kane hätte es sich damals nicht erträumen lassen, dass sein Held einmal Rekordabräumer an den Kinokassen wird. Und was Christopher Nolan, sein Bruder Nathan und David S. Goyer hier auf den Zuschauer loslassen, unterscheidet sich meilenweit vom Einheitsbrei der letzten Jahre. Es ist nicht nur der triviale Kampf Gut gegen Böse, sondern Batman hat hier wirklich einen Gegner gefunden, gegen den er eigentlich nicht gewinnen kann. Einmal den Joker und zweitens sein Gewissen. Leider lässt Nolan dem Charakter Bruce Wayne sehr wenig Screentime. Er darf stets mit einer hübschen Frau im Arm auf ein paar Partys erscheinen, sich ein wenig Gedanken über seine beste Freundin Rachel Dawes machen, das war es dann auch schon.
Der herrlich fiese Joker hat hier die Hauptrolle. In kürzester Zeit schafft er es Gotham City ins Chaos zu stürzen und benutzt dabei die großen Gangster Gothams nur als Marionetten. Als Zuschauer ist es schon brillant mitzuerleben mit welchen Mitteln er sich in der Unterwelt durchsetzt. Ob mit brutalen Morden oder einfachen Banküberfällen, um dann die geklaute Beute mit Gelächter wieder abzufackeln. Um es kurz zu fassen, wir haben hier einen der genialsten Fieslinge der letzten Jahrzehnte und Heath Ledger ist dafür genau der richtige Mann. Nur sein Selbstmord warf einerseits einen Schatten auf den Film, machte im andererseits aber auch Publicity. Auf jeden Fall geht Ledger mit einem Knall, einer Rolle mit der er wohl Jedem in Erinnerung bleiben wird und die meiner Meinung nach wirklich oscarreif ist. Dagegen kann auch ein Christian Bale nichts ausrichten, selbst die grandios agierenden Altstars Morgen Freeman und Michael Caine können solch eine Leistung nicht toppen. Dabei ist "The Dark Knight" bis in die Nebenrollen brillant besetzt. Hier tummeln sich allerhand Stars, die alle auf höchstem Niveau agieren. Aaron Eckart weiss sowohl als "Weisser Ritter" Gothams, sowie auch als Two Face zu überzeugen. Seine Figur wird jedoch wesentlich einfacher gehalten als der Joker. Er entscheidet über das Leben eines Menschen durch einen Münzenwurf. Maggie Gyllenhaal löst Katie Holmes als Rachel Dawes ab und kann ihre Vorgängerin mit ziemlicher Leichtigkeit toppen, weil sie einfach ein natürlicheres Auftreten besitzt. Sympathieträger Gary Oldman ist natürlich wieder als James Gordon zugegen. Cillan Murphy als Scarecrow, Eric Roberts als Savatore Maroni und Michael Jai White als Gambol haben eine Nebenrolle.
Wie schon der Vorgänger, so fällt auch "The Dark Knight" sehr düster aus. Großteile des Films spielen bei Nacht und meist ist Gotham in Nebel gehüllt. Auch ein kleiner Nachteil, denn einige von Batmans Kämpfen finden im Dunkeln statt und sind obendrein recht schnell geschnitten, so dass man nicht wirklich alles erkennen kann. Das ist aber auch das einzige Manko an der Action. Für das große Budget darf natürlich so Einiges zu Bruch gehen und ganz besonders die Zerstörung des Krankenhauses ist ein echter Eyecatcher. Ansonsten muss Batman Dutzende von Jokers Anhängern verprügeln, sogar im Ausland muss er in Aktion treten, sein Einsatz dort erinnert ein wenig an "Mission Impossible". Die lange Verfolgungsjagd durch die Stadt ist ebenfalls bestens gelungen und im Finale bricht wirklich das totale Chaos in der Stadt aus. Auch schön zu sehen, dass auf Computeranimationen so gut wie ganz verzichtet wird, oder sie sind auf so hochwertigem Niveau, dass man es nicht sehen kann. Die Actionszenen sind gut im Film verteilt, aber Batman könnte gerade in der ersten Halbzeit öfter in Aktion treten. Doch trotz der hohen Lauflänge von circa 150 Minuten, inszeniert Nolan ohne Durchhänger. Trotz das sich Nolan hier um massig Charaktere kümmern muss, ist die Story stets fesselnd und punktet mit einigen fiesen Wendungen.

Mein bisheriger Höhepunkt im Kinojahr 2008, der eigentlich nur noch von "Quantum of Solace" getoppt werden kann. "The Dark Knight" ist eine ebenso geniale, wie düstere Comicverfilmung mit brillanten Darstellern. Es gibt wirklich nur kleinere Mankos, zum Beispiel geht man zu wenig auf Bruce Wayne ein und ein paar Fights sind zu unerkenntlich gestaltet, aber ansonsten hat Nolan alles richtig gemacht. Krachige Action, wendungsreiche Story mit einer gewissen Doppeldeutigkeit was den Begriff "Held" angeht. Man hätte es besser nicht machen können.

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