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Perfektion! Das war das erste Wort, dass mir durch den Kopf ging, als ich diesen Film, damals im Kino, das erste mal gesehen habe. Am 22.Januar 2008 (1 Tag vor meinem Geburtstag) wurde Hollywood mit einer traurigen Nachricht überschattet. Der hoch begabte Jungschauspieler Heath Ledger starb überraschend an einem Medikamenten Cocktail und viele Kollegen und Fans waren sehr erschüttert. Die Rolle des Jokers sollte seine letzte große Rolle in einem Film sein und schon bei der USA-Premiere überschlugen sich die positiven Kritiken von Ledgers Leistung. Auch der Film selber wurde einer der erfolgreichsten Filme aller Zeiten und war sogar kurzzeitig die neue Nummer 1 bei imdb. Jetzt gibt es natürlich viele Unkenrufe, die der festen Überzeugung sind, dass dieser Film nur so gut weg gekommen ist, weil Heath Ledger gestorben ist. Aus meiner Sicht ist das absoluter Blödsinn. Das der Film an den Kinokassen viele Rekorde brach, kann man sicherlich dem traurigen Schicksalsschlag zuschreiben, aber dass der Film letztendlich das absolute Nonplusultra der Kinoneuzeit ist, hat nun wirklich nichts mit Heath Ledgers Tod zu tun, denn auch wenn er noch leben würde, wäre der Film eingeschlagen wie eine Bombe. Der Film ist nicht nur wegen der unvergesslichen Leistung von Heath Ledger so überragend, sondern wegen der unfassbar gut durchdachten Story und einem weiteren Charakter, der hier die Rolle seines Lebens spielt.

Wie schon am Ende von "Batman Begins" angedeutet, bekommt es Batman hier diesmal mit dem Joker zu tun, der die größte Bedrohung darstellt, die je über Gotham City kam. Keiner kann das Spiel vom Joker durchschauen und Niemand weiß so richtig einen Weg, ihn das Handwerk zu legen. Dabei ging es mit Gotham doch gerade so schön aufwärts. Ein erfolgreicher Staatsanwalt namens Harvey Dent schafft es, viele kriminelle Bosse hinter Schloss und Riegel zu bringen und wird von der Allgemeinheit als große Hoffnung für Gotham angesehen, weswegen er auch den Titel "weißer Ritter" trägt. Doch durch den Joker gerät diese Hoffnung sehr ins Wanken, denn Batman gelingt es einfach nicht, das perfide Spiel des Psychopathen zu durchschauen. Als der Joker fordert, dass Batman sich in der Öffentlichkeit enttarnen soll, da sonst viele Menschenleben geopfert werden, sieht Batman keinen anderen Ausweg mehr : Er muss sich zu erkennen geben. In Harvey Dent sieht er zudem noch den wahren Helden von Gotham, der sein Gesicht nicht hinter einer Maske verstecken muss und er zudem den Held verkörpert, der Batman niemals sein kann. Doch als alles bereit für die Enttarnung ist, passiert etwas Unerwartetes, was für viele der Beteiligten im späteren Verlauf noch dramatische Konsequenzen hat.

Diesmal müssen wir keine Stunde warten, bis der maskierte Rächer in Aktion tritt, denn gleich zu Beginn tritt ein alter Bekannter auf den Plan, der aber schnell von Batman bezwungen wird. Christopher Nolan hat den ohnehin schon unfassbar starken "Batman Begins" getoppt und liefert uns mit "The Dark Knight" einen der besten Filme der Filmgeschichte ab. Der Film ist tiefgründiger als jede bisher Dagewesene Comicverfilmung und hat eine Vielfalt an Charaktertiefe auf Lager, die diesmal nicht nur bei Bruce Wayne alleine vorhanden ist. Es ist einfach nur der pure Wahnsinn mit anzusehen, wie Batman keinerlei Mittel gegen den Joker findet und immer mehr an sich und seiner "Arbeit" zweifelt. Was mir schon beim Vorgänger sehr gefallen hat war, dass hier keine klischeehafte Liebesgeschichte rein gezwängt wird. Trotzdem wird die allseits beliebte These bestätigt, dass der Held immer die Frau bekommt und auch hier ist das wieder der Fall. Kurios ist nur, dass Batman hier eigentlich gar nicht der Held ist. Auch wenn "The Dark Knight" wieder eher nur ein Story-Film ist, muss man hier nicht auf spektakuläre Action verzichten und meine Güte, was waren diese Szenen gut gemacht. Wieder verzichtet Nolan weitestgehend auf unschöne CGI Effekte und liefert uns mit der Verfolgungsjagd auf Harvey Dent eine der bombastischsten Actionszenen aller Zeiten. Das Besondere an dieser gesamten Hetzjagd war, dass wir keine Musik zu hören bekommen, sondern nur die oscarprämierte Soundkulisse in den Vordergrund gerückt wird. Getoppt wird das Ganze dann nur noch, wenn Batman sein Motorrad "zum Vorschein bringt", was wirklich schon einen fast künstlerischen Stil hat. Wer bekam bei der Szene eigentlich noch Gänsehaut? Aber auch außerhalb der Actionszenen fesselt der Film permanent und so viel Dramatik und vor allem Tragik, gab es bisher in keinem anderen Batman Film zu sehen. Ab der der Mitte des Films nimmt der ganze Storyverlauf eine hochdramatische und eigentlich nicht allzu vorhersehbare Wendung und spätestens dann, ist es mit dem "ruhig sitzen" vorbei. Nolan typisch ist auch hier mal wieder das Ende, dass man im Vorfeld sicherlich nicht so erwartet hätte. Der beste Regisseur der heutigen Zeit bringt dem Zuschauer genau das, was er letztlich nicht erwartet und er beweist mit diesem Finale, dass es nicht immer nur Action und Explosionen sein müssen, um ein Filmhöhepunkt dramatisch zu inszenieren. Alles in Allem hat "The Dark Knight" eine extrem vielschichtige Story, bei der so viele Thesen angekratzt werden, dass man Diese hier gar nicht alle aufzählen könnte.

Christian Bale schlüpft zum zweiten mal in das Batman Kostüm und liefert auch hier wieder einen überragenden Job. Allerdings, und so ehrlich muss ich auch als Bale-Fan sein, wird er hier von 2 Schauspielern an die Wand gespielt und ganz offen gesagt, wirkt Batman hier nicht wie der Hauptcharakter. Aber genau das fand ich so genial, Nolan hat auch das bewusst in Szene gesetzt und den Film nicht grundlos nur "The Dark Knight" genannt, ohne den Namen Batman drin zu haben. Über das Getrolle über Batmans Stimme habe ich mich ja schon letzte mal ausgekotzt, deswegen bleibe ich hier einfach in Kurzform bei dem, was ich schon vorher gesagt habe : Bale macht sowohl schauspielerisch, als auch akustisch alles richtig und bleibt der absolut beste Batman-Darsteller. Doch kommen wir nun zu Heath Ledger und meine Güte was ist hier nur passiert? Ich konnte es damals wirklich nicht fassen, was ich da zu sehen bekam und auch Tage danach fehlten mir noch die Worte. Ich habe noch nie einen Bösewicht gesehen, der mit einer solch chaotischen Raffinesse agiert und mit so einer angst einflößenden Aura ausgestattet ist. Heath Ledgers Performance lässt Jack Nicholsons Joker komplett alt aussehen und beweist uns hier, was man alles aus dieser legendären Figur raus holen kann. Während Nicholsons Joker eher die Aura eines verrückten Clowns hatte, wirkt Ledgers Joker wie der ultimative Psychopath auf zwei Beinen und es ist einfach nur unglaublich, wie Heath Ledger diesen Joker spielt. Jede Gestik, jede Mimik und jeder "Spruch" hat eine solch angst einflößende Wirkung in sich, dass für mich dieser Joker der beste und vor allem böseste Filmbösewicht aller Zeiten darstellt. Völlig zurecht ging der Oscar an Heath Ledger, den er zu 100% verdient hat und es macht mich wirklich wütend wenn behauptet wird, dass er den Oscar nicht bekommen hätte, wenn er noch leben würde. Heath Ledger hat sich mit dieser Rolle unsterblich gemacht und hat sich zudem für immer in die Köpfe der Filmfans eingraviert. Dennoch gibt es hier noch Jemanden, der für mich eine oscarreife Darstellung abliefert : Aaron Eckhart als Harvey Dent. Für mich ist er der eigentliche Hauptdarsteller des Films, denn letztlich dreht sich Alles um ihn. Er überzeugt auf ganzer Linie als "weißer Ritter" und hat mit weitem Abstand die ereignisreichste Charakterentwicklung von allen Figuren. Auch Gary Oldman als Gordon ist wieder mit von der Partie und bekommt diesmal noch mehr zu tun und liefert erneut eine überragende Leistung ab. Ich hab es schon mal gesagt, nur die ganz großen Schauspielgötter überzeugen sowohl als Psychopath (Leon der Profi), als auch als echte Sympathiebolzen, wie das hier der Fall ist. Michael Cain verkörpert wieder Butler Alfred und sorgt für sehr intensive Dialoge mit Bruce Wayne. Auch sein Handeln (Beispiel Brief) ist nicht unbedingt das, was man im Vorfeld von ihm erwartet hätte. Ebenfalls eine großartige Leistung liefert Maggie Gyllenhal ab, die hier all das in ihre Rolle als Rachel packt, was Katie Holmes nicht zu Stande gebracht hat : Mut, Entschlossenheit, überzeugende Gesichtszüge und eine perfekte Chemie zwischen ihr, Christian Bale und Aaron Eckhart. Zu guter Letzt haben wir noch Morgan Freeman, der hier deutlich mehr zu tun bekommt, als im Vorgänger. Lucius Fox ist ein ganz großer Sympathiebolzen, den scheinbar so schnell gar nichts schocken kann. Morgan Freeman holt das beste heraus, was man ihm vorlegt und ich hoffe, dass wir in "The Dark Knight Rises" noch mehr von ihm zu sehen bekommen. Insgesamt hat Nolan also auch hier wieder perfekte Arbeit für die Wahl der Darsteller geleistet und hat es tatsächlich zu Stande gebracht, aus einem Comic (!!) und aus einer einst ulkigen Serie (!!!!), einen Film zu schaffen, der in Sachen Charaktertiefe seines Gleichen sucht.

Es könnte sein, dass "The Dark Knight" meine persönliche Nr.1 unter allen Filmen ist. Deswegen steht es völlig außer Frage, dass man diesen Film aus meiner Sicht gesehen haben MUSS. Wer sehen will, wie ein aus meiner Sicht absolut perfekter Film aussieht, sollte sich "The Dark Knight" unbedingt ansehen, nachdem man sich erst mal selbst geohrfeigt hat, weil man diesen Film zuvor noch nicht gesehen hat. Egal ob Comic, Cartoon, Burton oder allgemeiner Filmfan. Dieser Film gehört zur Pflichtlektüre und hat für mich den gleichen Stellenwert wie "Der Pate", "Die Verurteilten" oder "Pulp Ficton".



Fazit : Nicht nur der beste Batman-Film, nicht nur der beste Superheldenfilm, nicht nur die beste Comicverfilmung, sondern auch einer der besten Filme aller Zeiten. Ein tiefgründiges und überragendes Meisterwerk, das meiner Meinung nach eigentlich nicht mehr getoppt werden kann.


10/10

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