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"Eine Katze als Bus!"

Professor Kusakabe zieht mit seinen beiden Töchtern, der 8-jährigen Satsuki und noch jüngeren Mei, auf das Land um in der Nähe seiner Frau sein zu können, die sich in einem naheliegenden Krankenhaus befindet. Ihr neues Heim ist ein heruntergekommenes Haus, in dem sich bereits Rußmännchen eingenistet haben. Diese Wesen sind nicht bösartig und bewohnen nur Häuser, die verlassen und abgedunkelt sind. Somit verlassen sie auch während des Einzugs der Neuankömmlinge zügig das Haus. Ebenso wie zwei weitere, pelzige Wesen, die Mei entdeckt. Sie folgt ihnen in den Wald, wo eine noch größere Ausgabe lebt. Dieses Totoro gennante Wesen kann nur von Kindern gesehen werden. Satsuki und Mei freunden sich schnell mit ihm an und erleben abenteuerliche Dinge.

Die Silhouette des geheimnisvollen Waldwesens Totoro ist mittlerweile das Markenzeichen des japanischen Animationsstudios Ghibli. 1988 bekam dieser mit "Mein Nachbar Totoro" einen eigenen Film, der zuvor Befürchtungen auf einen finanziellen Misserfolg verursachte. Aber das pelzige Wesen hatte Charme und gewann schnell die Zustimmung des Publikums, obwohl er im Film nicht sonderlich häufig auftritt.

Regisseur Hayao Miyazaki ("Das Schloss im Himmel", "Nausicaä aus dem Tal der Winde") setzt hier, wie bei vielen anderen seiner Zeichentrickfilme, Kinder in die Hauptrolle. Während "Die letzten Glühwürmchen" einen ungeheuren Anspruch und eine traurige Stimmung innehatten, ist "Mein Nachbar Totoro" das genaue Gegenteil. Der Zeichentrickfilm offenbart fast durchgehend eine fröhliche Stimmung und einen erzählerisch sehr offenen Rahmen.
Während Kinder dabei genüßlich mit den Figuren mitfiebern, wird sich ein erwachsenes Publikum eher langweilen. Die mangelnde Dramaturgie und die kindlichen Charaktere erschaffen keinerlei Spannung und Identifikation für ein älteres Publikum. Dies ist geradezu fatal, fallen auch der Humor und die moralischen Bezüge zum einheitlichen Leben mit der Natur eher sehr gering aus.
Erst ganz zum Schluss wird ein Konflikt herbeigeführt, dessen Auflösung aber kurzerhand folgt und damit auch das plötzliche Ende des Films.

Man merkt "Mein Nachbar Totoro" sein Alter an. Manche Zeichnungen sind detailarm, die Animation teils eher hakelig. Dennoch überzeugen einige Bilder von ruhigen Gewässern, weichen Wiesen und weiten Wäldern. Die bunten, teils sehr weitsichtigen Landschaften haben eine ganz eigene bezaubernde Mystik, den auch die fantasievollen Figuren, wie beispielsweise eine übergroße als Bus funktionierende Katze, versprühen.

Zugegeben: "Mein Nachbar Totoro" hat einen sehr individuellen, kindlichen Charme, der durchaus begeistern kann. Dies werden aber wohl am ehesten Kinder richtig genießen. Während die Zeichnungen in Ordnung und die Figuren überaus süß sind, versagt der Zeichentrickfilm im erzählerischen völlig. Ein Spannungsbogen ist quasi nicht vorhanden, Anspruch und Moral nur geringfügig und der Humor erweist sich eher als kindliche Situationskomik. Somit bleibt Erwachsenen bestenfalls der nostalgische Faktor erhalten.

4 / 10

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