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Nicht wenige hielten die Buchvorlage für unverfilmbar und mancheiner will in Fernando Meirelles' Adaption den filmischen Beweis dieser Behauptung sehen. Doch wer auf dystopische Szenarios steht sollte einen Blick auf riskieren. „Blindness“ fesselt durch seine fatalistische Situation der plötzlichen Erblindung der Menschheit. Mit weißen Über- und Ausblendungen wird auf visueller Ebene die milchige bedrohliche Lage atmosphärisch dicht eingefangen und die apokalyptischen Bilder einer erblindeten Welt tun ihr übriges.

Im Mikrokosmos des Quarantänelagers wird der soziale Niedergang mit Verrohung der Sitten und egoistischem Überlebenstriebs sowie sinnlose Raffgier auf der einen, und der verzweifelte Versuch des positiven sozialen Gegenentwurfes auf der anderen Seite vorgeführt. Von den Wachen sich selbst überlassen bietet diese Situation der verschiedenen Lager die ewigen archaischen Grundmuster des Lebens: Kampf um Nahrung, Machtstreben und -missbrauch, Verhandlungen, Krieg. Während außerhalb die Welt zusammenbricht, rottet sich im Lager eine buntgemischte Gruppe zusammen, die mit Julianne Moores Figur als einzig Sehende einen unschätzbaren Vorteil hat, und bildet fortan eine Insel der Menschlichkeit inmitten des chaotischen Irrsinns infolge des kollektiven Augenlichtverlustes.

Nach dem Schock verlangsamt sich das Leben. Die Sinne müssen neu justiert werden und der Umgang mit der Situation entscheidet über Leben und Tod, Neuanfang oder Verderben.

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