Review

Nach der enttäuschend platten Fantasy-Christentum-Plotte, als die sich der erste Narnia-Film entpuppte, sollte für die zweite Runde etwas mehr Handfestes her, auch wenn die Einspielergebnisse den Bemühungen der Macher noch einigermaßen Recht gaben.
C.S. Lewis' zweites Narniabuch, "Prince Kaspian" birgt da schon mehr traditionellen Fantasystoff rund um einen Prinzen, der sein Königreich zurückerobern will, aber dafür zum Vermittler zwischen Mensch und Magie werden muß. Das ist kein absolut neuwertiger Stoff, aber immerhin solides Storyhandwerk, sollte man meinen. Allerdings hat es nach gefühlten 500 Schema-F-Fantasyfilmen in allen verfügbaren Medien so archaisches Storymaterial doch etwas schwerer, als man meinen sollte, denn nicht jede Vorlage altert angesichts des heutigen Geschmacks in Würde, das war schon beim Vorgänger mehr als deutlich.

Dennoch muß es sein: ein gutes Jahr nach den Ereignissen des ersten Teils werden die vier Pevensie-Geschwister aus den Wirren des zweiten Weltkriegs wieder in das Fantasyland Narnia transportiert, wo allerdings jetzt gute 1300 Jahre verstrichen sind. Das alte Königreich gibt es nicht mehr, der ehemalige Palast ist nur noch anhand einiger Trümmer erkennbar und die phantastischen Wesen sind kaum noch zu finden. Die werden inzwischen nämlich von den Eroberern des Landes aus der Ferne wie wild gejagt. Jaja, das ist so eine ganz tolle Allegorie über den Menschen, der sich im Besitzwahn die Erde untertan machen will.
Der alte Christus-Löwe Aslan ist lange verschwunden, stattdessen regieren jetzt Typen, die wie Conquistatoren aussehen und eindeutig zweideutig spanisch gezeichnet sind. Selbige sind auch noch im Machtrausch zerstritten, da geht wieder mal der böse Onkel um, der dem rechtmäßigen Erben den Thron geraubt hat, worauf der noch arg arrogante Jüngling im Wald bei den Dachsen landet und sich reihenweise in die Fettnäpfchen setzt.

Aber weil ja bei Lewis alles mehr oder weniger auf die Katalysatoren der Botschaft ankommt, haben wir ja unsere englischen Prinzen wieder im Land, die fortan dem jungen Mann mal so richtig zeigen, wo der Rebellenhammer hängt, wie man sich zu benehmen hat und was ein echter Prinz so zu leisten hat, damit es allen Untertanen gut geht. Also sammelt man die restlichen Fabelwesen ein, hängt sich einen nöligen Zwerg ins nahe Gefolge und recycelt die Ausgangsposition von "Krieg der Sterne". Klar, daß da Onkel und Neffe schließlich mal die Klingen kreuzen müssen, die altbekannten Armeen auf flachem Gründland gegeneinander aufmarschieren, Schlachtengetümmel folgt und die Kinder heiße Tränen über all die Opfer vergießen werden.

Ja, "Narnia" ist mit Prinz Kaspian einen Schritt älter geworden, genauso wie seine Figuren. Der Ton ist erwachsener, die Bilder sind düsterer, der Anspruch wesentlich realistischer. Das bedeutet aber auch, daß die Fabelwesen genauso ins zweite Glied abrücken wie die Pevensies eher Fremdkörper in der Handlung darstellen, die nur die Dinge etwas in Bewegung bringen, weil Kaspian die meiste Zeit ein unerfahrener und nicht sonderlich reifer Heißsporn ist.
Zumindest die jüngere Pevensie-Generation ist jedoch gereift, die kleine Lucy ist nicht mehr ganz so kindlich, hechelt allerdings immer noch ihrem Aslan hinterher, Edmund hat aus seinen naiven Fehlern gelernt und die Großen tun so, als wären sie schon ziemlich erwachsen, was natürlich amuröse Tendenzen zur Folge hat (wenn auch nur zarte).
Das macht jedoch noch lange keinen besseren Film, denn je mehr sich Narnia so der tradionellen Fantasy annähert, um so abgedroschener wirkt der ganze Aufbau. Nach einer Weile sehnt man sich wirklich mit Blick auf die Uhr nach der unvermeidlichen Entscheidungsschlacht, die beginnt, dann für einen großen Zweikampf unterbrochen wird, um dann tatsächlich noch eine Runde fortgesetzt zu werden. Nicht eben originell, aber es füllt die Laufzeit.

Wie so manches mehr dem Anspruch zur Reife (inhaltlich und kreativ) geschuldet ist: eine nächtliche Attacke auf die Burg samt gedungener Mordabsichten scheitert schon an der (viel zu düsteren) Absicht der Helden und stinkt erbärmlich nach "Helms Klamm" und vollkommen unnötig findet in dem Stoff auch noch eine Episode Platz, in der die Handlanger des Bösen letztendlich erfolglos versuchen, die weiße Hexe (wieder dargestellt in einem Cameo von Tilda Swinton) zu neuem Leben zu erwecken.
Wenn dann zum zweiten Male in Narnia die großen Armeen aufeinander losmarschieren und die Katapulte wieder bestückt werden, dann hat man das Gefühl, das hier weder eine originale Idee, noch das Schaffen eines wirklich namhaften Literaten verfilmt wurde, sondern eher gut abgehangene Fantasyklischees, aufgemotzt mit ein paar niedlichen Untierchen, die die Kleinen bei Laune und wach halten.

Natürlich, auch "Kaspian" ist bisweilen bunten, hat aber einen reiferen Touch und daher sind die dunklen Töne auch wesentlich realistischer und düsterer - somit wird auch bei weitem öfter gestorben, weil es in der thronvertretenden Herzogsfamilie nämlich zugeht wie bei Macbeth unterm Bett.
Letztendlich wird aber natürlich alles wieder gerade gerückt, auch wenn die unvermeidliche Rückkehr des Heilslöwen und seine Beweggründe für das lange Fernbleiben so unverständlich wie ärgerlich sind, weil er nämlich als omnipotente "plot device" am Ende mal locker aus dem Tatzengelenk die Dinge wieder richtig stellen kann und aus simplen Storyentwicklungsgründen zuvor auf inaktiv gestellt war.

Angenehm ist zu vermerken, daß die christlichen Motive, die dem ersten Teil stets und ständig unterlegt waren, hier etwas zurückgefahren wurden (und prompt brachen die Einspielergebnisse ein), doch dann bleibt als Skelett nur der hundertste Aufwasch mit bösem König und gutem Prinz, treuen Fabelwesen, Robin-Hood-Ersatz und der unvermeidlichen Belagerungsschlacht. C.S.Lewis wollte ja ursprünglich dem tolkienschen Ansatz etwas Wertvolles und Edukativ-Religiöses entgegensetzen, allerdings konnte er mit seinen Büchern nie wirklich und wahrhaftig gegen die Endzeitsaga seines Kollegen und dessen Weltenschöpfung anstinken.
Für Kinder waren die Bücher trotzdem ein Heidenspaß und ein Kreuzweg für so manche Kindheit, aber gute Botschaften verstecken sich nun mal am besten auch in guten Geschichten und dafür ist die Chose hier einfach zu geläufig, zu bekannt, zu überraschungsarm. Zumindest, um dafür bis zu 200 Millionen Dollar auszugeben. (4/10)

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