"Vase de Noces" ist ein vollkommen einzigartiger Film für den es keinerlei Vergleiche gibt. Mit nur wenigen Mitteln schaffen Regisseur und Darsteller (es gibt nur einen Schauspieler im Film) ein einzigartiges Kunstwerk fernab jeglicher Normen und Konventionen.
Der düstere Film ist komplett in schwarz-weiß gedreht und verzichtet ganz auf Sprache, es gibt auch keine inneren Monologe des Protagonisten zu hören. Man verlässt sich komplett auf die Wirkung der Bilder und diese wird auch nicht verfehlt. Besonders das bleischwere Ende fängt die bizzare Tragik dieses Werkes voll und ganz ein. Zwar gibt es kaum drastische Details zu sehen, aber alleine die Thematik um Sodomie und Koprophagie dürfte nicht viele Zuschauer ansprechen.
Rein filmisch gesehen ist “Vase de Noces“ anspruchsvoll und schwer zu konsumieren. Die spärliche Handlung wird zähflüssig erzählt und verharrt teilweise in der minutenlangen Darstellung von Belanglosigkeiten. Die raue und ungeschliffene Machart qualifizieren den Film aber als wahre Independent-Perle mit offensichtlichen filmischen Qualitäten: Dabei ist besonders die schauspielerische Leistung zu beachten die für einen Laien sehr intensiv ist.
Die allgegenwärtige Symbolik in den Bildern wirkt zu keinem Zeitpunkt fehl am Platz und die konsequent voran schreitende innere Zerrüttung des Hauptcharakters kommt glaubwürdig rüber.
Der Score besteht im Prinzip aus einer disharmonischen Soundcollage und den ständig präsenten Geräuschen der verschiedenen Tiere. Die Optik ist recht verwackelt und eintönig, es gibt nur wenig Schauplätze und auch nur sehr grobe Schnitte. Doch die amateurhafte und holprige Inszenierung passt perfekt zum Thema: entgleist und gestört, ohne sich den Konventionen eines normalen Filmes anzupassen entstand hier bereits im Jahre 1974 ein rohes Stück experimenteller Kunst, welches heute noch genau so polarisieren und schockieren kann wie früher.
Einem Mainstreampublikum war der Film natürlich immer unbekannt, er ist es und wird es wohl auch immer bleiben.
Es sei denn es entscheidet sich tatsächlich einmal ein Label den Film raus zu kramen. Auf die Reaktionen darauf wäre ich auf jeden Fall sehr gespannt...
8,5 / 10
Fazit: Trotz oder gerade wegen der extremen Seltenheit ein absoluter Geheimtipp für aufgeschlossene Cineasten. Ein Fall für die DVD-Reihe "Kino Kontrovers" und nicht für Fans unterhaltsamer Exploitation.