Review

Der Film ist sicher auch als Satire lesbar, das kaum erkennbare Aufsteigen des religiösen Mannes, der zuvor ein Schwein zu seiner Frau gemacht, sie geschwängert, seine Schweinskinder wegen schlechter Tischmanieren erhängt, damit seine Saufrau in den Selbstmord getrieben hat etc. sprich: Sünden am laufenden Band beging, gen Himmel in der finalen Einstellung spricht dafür.

Anders als den Film als Satire aufzunehmen, wären auch diverse friedlich-fröhliche Szenen der ersten Hälfte des schönen Bauernhoflebens bloß als peinlich und naiv zu bezeichnen. Durch diese streckenweise furchtbar nervenden, auch weil sich wiederholenden Abläufe muß man durch, bis der Film später seine ganze Kraft entwickeln wird.

Denn Vase de Noces ist eben noch mehr als mögliche Satire, er ist nichts weniger als ein radikales Abbild menschlicher Verwahrlosung sowie Regression, weiter noch als in die anale Phase, nämlich hin zu komplett animalischem Lebensstil. Fressen, ficken, scheißen, mehr is da nicht. Und trotzdem macht es den Herrn glücklich. Zunächst. Denn auf alles kann verzichtet werden an menschlichen, gesellschaftlichen Bedürfnissen bis auf - natürlich! - die Liebe! Und die bringt, wie in sovielen anderen Werken, die sich mit ihr beschäftigen, Eifersucht, Tod, Depression und Konsorten mit sich. Dazu auch Nachfahren, die sich jedoch nicht so benehmen, wie es der Herr Vater gerne hätte.

Am Ende bleibt dem enttäuschten und einsamen Bauern nur der Tod, frei gewählt. Doch hier kann man den Film fragen, warum folgt der Suizid, der zunächst schon intendiert war und im Rahmen dieser Wahnsinnsgeschichte formuliert, logisch schien, schlußendlich erst nach einigen Tagen wilder Kotexperimente? Dadurch wird die klassische Liebes- und Todestragödie durchbrochen, die Gefühlswelt des Charakters ad absurdum geführt, vielleicht ja doch nur, um plakativ zu schockieren (anstatt einen guten Film zu drehen)?
Doch so einfach ist es auch nicht, schließlich bleiben Zéno und Garny gerade in all diesen Szenen zu düster, zu beklemmend, um eine derartige Interpretation zu rechtfertigen.

Es bleibt ein Bastard von einem Film, der möglicherweise mehrere Ziele verfolgt hat. Gewiss wirkt er beklemmend und verstörend, aber die gesamte Geschichte wird stets auch ironisiert, insbesondere durch die Tonspur, die sich eben nicht nur auf Tierlaute beschränkt, wie es bei einem straighten Naturfilm sinnvoll gewesen wäre, sondern durch Engelschöre und groteske Sounds das extreme Treiben sarkastisch kommentiert. Gleichzeitig ist die Szene, in der Garny sich mit dem toten Schwein selbst begraben will, von einer unfassbaren Intensität, die laut schreit: das hier ist garantiert nicht nur böser Ekel-Spaß!!

Aufgrund der stilistischen Fragwürdigkeiten kein Meisterwerk, aber ein radikales Stück tabuloses, grenzerfahrungsauslotendes Kino.

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