Ein junger Farmer lebt alleine auf seinem Bauernhof mit seinen Tieren, mit denen er seine gesamte Zeit verbringt, ohne auch nur einen einzigen menschlichen Freund zu haben. Sein Liebling ist eine Sau, mit der er herumtollt, isst und den ganzen Tag Spaß hat. Diese Zuneigung geht so weit, dass er sogar Geschlechtsverkehr mit seiner Angebeteten hat, und wie es der Zufall so will, wird sie von ihm trächtig, und gebährt ihm 3 süße Ferkelchen, die er auch sofort ins Herz schließt. Er versucht sie als Menschen zu erziehen, doch als ihm dies nicht gelingt, verliert er die Nerven und erhängt die drei Ferkel. Als die Mutter-Sau dies sieht ist sie untröstlich und begeht Suizid. Völlig am Boden zerstört zeiht auch der Bauer, der mittlerweile aus Einsamkeit zum Verzehr von Kot über gegangen ist, auch seine Konsequenzen aus dieser scheinbar ausweglosen Lage.
Endlich habe ich nun auch diese wirklich liebevoll entworfene und gelungene Veröffentlichung dieses umstrittenen Films. Zur DVD selbst wurde ja schon genug gesagt, also meine Meinung zum Film:
VdN ist ein Film, den man wirklich mit keinem anderen vergleichen kann. Das ist eigentlich nichts schlechtes, dies kann man ja auch über solche Filme wie Eraserhead (KULT), Subconscious Cruelty (Meisterwerk) oder Begotten (in meinen Augen kompletter Schund) sagen. Vase de Noces ist besser und einfacher zugänglich als Begotten, denn es werden viele verschiedene Szenen gezeigt, die, obwohl sie teilweise unnötig und/oder relativ uninteressant sind, die Langeweile verhindern, und auch die Hintergrundmusik weiß zu gefallen. Ganz großer Pluspunkt ist die oberflächlich gesehen perverse Story um den Bauern, der seine Sau schwängert, die Ferkel versucht aufzuziehen, scheitert, und aufgrund des Selbstmordes seiner Sau auch Selbstmord begeht, die jedoch genug Platz für Deutungen hat: wie verkraftet der Mensch Isolation? Was ist der Unterschied zwischen Mensch und Tier, falls es überhaupt einen
gibt? Brauch der Mensch zwingend andere Menschen um glücklich zu sein?
Ist die körperliche Liebe zwischen einem Mann und seinem Schwein verwerflich?
Fragen, die sich normale Menschen eigentlich nicht stellen, die aber trotzdem ganz interessant sind, zumindest wenn man sich gerne über sowas den Kopf zerbricht. Die zuvor schon angesprochene Hintergrundmusik sollen wohl die Gefühlslage des Protagonisten, der nicht ein einziges Wort spricht, und am Ende ekligerweise sogar Fäkalien verzehrt und erbricht (vielleicht eine Herabwürdigung an sich selbst aufgrund der begangenen Schandtaten ?), ausdrücken, genauso wie die Bilder in der verlassenen Farm. Dies ist dem Regiesseur sehr gut gelungen, gar keine Frage.
Desweiteren hat mir der hilflose Versuch gefallen, den der Farmer unternimmt, die Schweinchen als Menschen zu erziehen. Das Scheitern,
sowie alles, was danach folgt, macht den am Anfang glücklichen und befreiten Sodomisten zu einer tragischen Figur, deren Untergang wirklich fast schon ergreifend und traurig in Szene gesetzt wird.
Dennoch habe ich irgendwie eine gespaltene Meinung über diesen Film.
Zunächst einmal stört mich der Tiersnuff ein wenig (ja, die leidige Diskussion, kennen wir ja alle vom Cannibal Holocaust, aber die Ferkel haben mir schon Leid getan, desweiteren unterhält der Film nicht im filmischen Sinne, sondern regt vielmehr zum Nachdenken an, was ok ist, aber die Lust auf ein zweites Mal anschauen ist eigentlich bei Null. Trotz seines Inhaltes, der ihn ja zu einem absoluten Randprodukt macht, wirkt der Film nie wirklich schockierend oder ekelerregend, gemessen an solchen Ekel-Filmen wie ReGOREgitated Sacrifice, er ist sehr eigen, vor allem was seine intensive, psychologische Wirkung angeht, und auf gewisse Weise weder gut noch schlecht, sondern "nur" interessant und irgendwie intelligent, obwohl er sich plump anhört.
Summa summarum kein Film, sondern ein verstörend anmutendes Kunstwerk, dass man weder Splatterfans (kein Splatter), Kunstliebhabern (zu
seltsam und ekelhaft) noch irgend einer anderen Gruppe empfehlen kann, da dieser Film wirklich den Betrachter in Frage stellt, vor allem in ethischer Hinsicht. Obwohl ich den Film stellenweise kritisiert habe, werde ich eine relativ hohe Wertung abgeben, da ich diesen Mindfuck durchaus schätze, und mir ein nonkonformer, schwieriger Film, der jedoch neue Facetten erforscht, als ein spannender Popcorn Movie ala Saw, der zwar oberflächlich gesehen ein besserer Film ist, doch im Endeffekt nichts neues und keinen geistigen Anspruch bietet. Also vergebe ich 8,6/10 Pkt jedoch als Kunstwerk betrachtet, und nicht direkt als "Spielfilm"