Review

Schwein gehabt…

„Vase de Noces“ erzählt die Geschichte eines jungen, namenlosen Bauern, der mit ein paar Tieren auf einem völlig verwahrlosten Hof lebt und eine Liebesbeziehung zu einer Sau pflegt. Als seine Geliebte drei Junge bekommt, nimmt er ihr diese weg und versucht ihnen Tischmanieren beizubringen. Dies schlägt fehl, woraufhin der Jungbauer die drei Ferkel tötet und wie Hingerichtete im Garten aufhängt. Als die Sau von der Ermordung ihrer Jungen Wind bekommt, ertränkt sie sich in der Jauchegrube. Daraufhin erhängt sich der Bauer.

Ich weiß nicht so recht, was ich von diesem Machwerk halten soll. Einerseits ist er durchaus künstlerisch anspruchsvoll gehalten, siehe das niederschmetternd triste Schwarzweiß, der Verzicht auf jegliche Dialoge. Andererseits muss das hier Dargestellte beinahe als brachialer Schwachsinn betitelt werden, der – oft gar auf recht plumpe Weise – die Grenzen des Erträglichen bzw. Erlaubten auslotet und mit Tabus spielt als wären sie Legosteine.

Beispiele dafür:
Der junge Bauer, der einzige Akteur neben den Tieren, läuft oft mit nichts anderem als selbst gebasteltem Schuhwerk aus Leinsäcken durch die Gegend.
Er spannt nicht den Karren vors Pferd, sondern seine schweinische Geliebte vor einen Pflug, um mit ihr als Zugtier das Feld umzuackern.
Enthauptete Hähne tanzen ihren letzten Zappeltanz, ihre Köpfe landen im Einmachglas.
Der Geschlechtsakt mit dem Schwein – ich gebe zu, der wird „relativ harmlos“ dargestellt: der Protagonist kniet halt hinter der Sau und lässt die Hüften kreisen. Geschlechtsteile sind dabei nicht zu sehen, also nix Pornographie.
Gegen Ende dreht der Bauer dann völlig ab. Er kocht sich aus seiner eigenen Scheiße ein Süppchen und lässt es sich schmecken. Divine lässt grüßen.

Leuten mit durchschnittlichem Glotzverhalten wird „Vase de Noces“ die Galle bis in den Rachenraum treiben. Bei Zuschauern, die mit extremen Filmen Erfahrung haben, fällt die Durchschlagskraft des „Films“ weitaus geringer aus, hat man doch bereits Filme wie „Nekromantik“, „Morum“, „Guinea Pig“ oder „Men Behind the Sun“ gesehen, die optisch durchaus mehrere Schritte weiter gehen. Auch würde ich meinen, dass Filme wie „Irreversible“, „Eraserhead“, „Mann beißt Hund“ oder „Requiem for a Dream“ – gäbe es ein Barometer für schlechtes Bauchgefühl – vom Feeling her einfach krasser ausfallen.
Vergessen darf man aber freilich nicht, dass „Vase de Noces“ aus dem Jahre 1974 stammt, zu der Zeit das Dargebotene mit Sicherheit noch unzumutbar krank und avantgardistisch rüberkam.

Hach, was soll ich bloß mit dir anfangen!? Das Thema Sodomie haben ja bereits mehrere Filme behandelt, siehe u.a. „La Béte“, „Tierische Liebe“ von Ulrich Seidl oder zuletzt die Semi-Doku „Zoo“ über den Kerl, der Sex mit einem Pferd vollführte und an den Folgen starb.
Haben wir es hier mit einer hypermodernen Version des Kindermärchens über die „Drei kleinen Schweinchen“ zu tun? Oder eine Neuinterpretation von George Orwells „Farm der Tiere“?
Weder noch. Der Streifen erfüllt seinen Zweck: er spaltet und schockiert. Wer mehr erwartet, evtl. gar etwas wie Inhalt oder Aussage, wird mit diesem Machwerk garantiert nicht glücklich.


Unterhaltungswert: (-)(-)(-)(-)(-)
Kuriositätswert: (+)(+)(+)(+)(-)


Fazit:
Anstößiger Schweinkram ohne Sinn und Verstand. Teils gelungen, teils buchstäblich zum Kotzen abartig. Schwer zu werten, ich für meinen Teil greif dann nächstes Mal aber doch wieder zu „120 Tage von Sodom“.

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