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Steckenpferd und damit auch hervorstrahlendes Signet von Regisseur Jingle Ma, gleichzeitig seine Stärke und seine Schwäche ist die Wissenschaft vom radikal Ästhetischen. Als unübersehbar prangender Werbespruch eine Konstruktion des Wahren, des Reinen, des Harmonischen und des Symmetrischen in rigoros formalen Begriffen, die allein den Willen zum Sehen und Genießen verkörpern. Ma, ehemaliger hochprofilierter director of photography, ergeht sich in seinen autark überwachten Werken nahezu vollständig der anschaulichen Erfassung, der Vollkommenheit der sinnlichen Empfindung, der Kunst der Wahrnehmung statt der Kunst der Erkenntnis; eine bildende statt eine praktische Tätigkeit. Ein Hohlweg aus der Marketing-Abteilung.

Fern der Dialektik von Widersprüchen entsteht in seinen "Mikroskopie für Anfänger" Arbeiten eine eingedämmte Welt der schlichten Ur-Schönheit, eine hermetisch und hermeneutisch vollends abgeriegelte Phänomenologie, in der die Attraktivität immer im Vordergrund steht und getreu seinem nicht nur visuellen Denken auch bloß Schwarz und Weiß und Hell und Dunkel regieren. Eine leichte Übersichtlichkeit, eine zwangsisolierte Welt der Klarheit, der Höflichkeitsfloskeln, der Makellosigkeit, der schon krankhaften Hygiene, in der klinische Reinlichkeit absolute Priorität hat. Ma zelebriert, seiner Meinung nach, die Venus und die Helena, alle Herrlichkeit auf Erden, in Wahrheit aber eine unfruchtbar öde Raumvorstellung, mit ebenso kargen Bewegungs- und Lageempfindungen.

Paradoxerweise leidet die nach strengen Regeln wirkende Gestaltungskraft mehr und mehr an Abnutzungserscheinungen, an dem Rost der einsetzenden Gewöhnung oder gar Argwöhnung der stetig keimfrei sterilen Quarantäne. Ma hatte schnelle Früherfolge, konnte mit seinem erfahrenen Auge sowohl die luftige Romantic Comedy als auch die nach internationalen Weihen schielende Action Fantasy [ Hot War, Tokyo Raiders + Fortsetzung, Silver Hawk ] in entsprechend einschmeichelnden Produktionswerten bebildern und das perfekt aseptische Tiefkühlprodukt im Reimschema abliefern. Ein spekulatives Ideal von Liebreiz und Verlockung, dass sich im Wohlgefallen schmuckloser Reizfülle erregt; täuschend wohlschmeckend, aber ohne Nährwert. Auch Playboy Cops, nach einer Pause der Entspannung anvisiert, funktioniert nur nach dem theoretischen Sensualismus von Unterhaltung und Erholung und der Geschmackslehre von Appeal und Beauté, ein gestalthaftes Frage-Antwort-Geschehen in reichlich diffusen Konturen, dass sich allein über massenhafte Statussymbole im erlesenen Ebenmaß definiert:

Michael Mak Ho-man [ Shawn Yue ] ist Polizist, weil er es sich leisten kann. Vom schwerreichen Vater [ Danny Lee ] verhätschelt und verzogen ist er es gewohnt, mit Geld nicht nur alles zu kaufen, sondern damit auch alles regeln zu können. Auf der Dienststelle vom Vorgesetzen Wong [ Vincent Kok ] als Goldesel geduldet und ansonsten trotz [unkonventioneller] Erfolge in der Verbrechensbekämpfung missachtet, führt er am Ende des Tages ein einsames Leben; vor allem seitdem Freundin Lisa [ Linda Chung ] die Beziehung beendet und zu Exfreund Lincoln Lam [ Aloys Chen ] zurückgekehrt ist. Als dieser, ebenfalls mit Materiellem gesegnet, nach dem Mord an seinem Bruder Hilfe bei den Ermittlungen benötigt, willigt der gerade vom Dienst suspendierte Mak widerstrebend ein, kann er sich doch so in der Nähe von Lisa aufhalten. Die erste Spur führt die beiden wandelnden Besitztümer zu einem Zeugen [ Wong You-Nam ], der sie auf das am Hinterkopf eines der Täter gesichtete mysteriöse Tattoo aufmerksam macht. Ein Skorpion. Man wendet sich an Scorpion Yong [ Xiong Xin-Xin ], Besitzer eines Kampfsportstudios.

Der Titel gibt die Handlung vor – aufgedonnert affektiert, aber gleichzeitig im wesenlosen Schein so dünn und zerbrechlich wie eine Petrischale –, die wiederum das leichtfüßige Setting einschließt, welches geradezu mustergültig prädestiniert für das Abfeiern untadeliger Stattlichkeit und eigentümlicher Bedeutungslosigkeit ist. Der Grundriß ist gelöstes buddy picture, die seichte Hymme an die wachsende Freundschaft komplett gegensätzlicher Individualisten, einer von Grund auf jeweils die Kehrseite des Anderen, die sich über das gleiche Ziel und die zwingend erforderliche Zusammenarbeit zusammenraufen müssen. Nach Außen hin eineiige Zwillinge eitler Akkuratesse liegen die Unterschiede dabei im Verborgenen; die unmaßgebliche Erzählführung erwählt die Dienst- und die Beziehungsauffassung der zufrieden gockelnden Männer als Schleifpunkt ihrer Charakterisierung.

Beide sind in Lisa verliebt, aber während Mak sie nötiger braucht kann Lam ganz uneigennützig auf sie verzichten, solang sie ohne ein besseres Leben als mit ihm führt. Dasselbe wird als Richtschnur für ihre Tätigkeit als Polizist genommen, hier Egoismus, dort Solidarität, vielleicht auch ein wenig Altruismus. Hier Beruf, und dort Berufung. Reibereien im überlappenden Dienst-/Privatleben sind entsprechend vorprogrammiert, dem Subgenre nach einstudiert, nach gängigem Musterplan eingeläutet. Die Geschichte als ein loses Band von Binsenweisheiten aus dem Poesiealbum, Platitüden wie "Geld allein macht nicht glücklich" und "Lieber arm und gesund als reich und krank", die doch tatsächlich jeweils zum Skripteinsatz kommen. Die luftige Trivialität ist samt rhythmisch vorwärts treibender Schnittverwendung erstaunlich transparent aufgebaut, burschikos salopp, die wenigen Clous gen Ende bereits mit einem Blick in die unterernährte Darstellerriege identifizierbar. Darüber hinaus bewegt man sich erst lange nur ständig im Kreis, wobei bei jeder Umdrehung diesselbe Station ein zweites, drittes oder gar viertes Mal abgeklappert wird und sich die etwaigen Veränderungen und Fortschritte nur aus dem trial-and-error Verfahren ergeben.

Der Teufel steckt dabei im Detail, in durchaus erfrischenden Begleitumständen, die aber nicht weiter unter die Lupe genommen werden und dadurch nur weitgehend unnütze Einzelposten im baldigen Gefühlsallerlei bleiben. So sind die Wechselreden zwischen den beiden Reibach-Platzhirschen relativ einseitig gehalten, ein besserer Hahnenkampf; Lam als passionierter Gutmensch teilt nur passiv aus und dann auch nur, weil er den anfangs erbitterten Anfeindungen von Mak eben kaum Kontra gibt, sondern sie gelangweilt abgeklärt bis überlegen süffisant an die Wand der Ignoranz prallen lässt. Er hat überhaupt nichts an seinem Gegenüber auszusetzen und betrachtet ihn auch im leidigen Beziehungsdreieck nicht einmal annähernd als direkte Konkurrenz, oder sonstwie als Feind. Die darhergebrachten Witze sind entsprechend rar gesät, erstaunlich, wenn man bedenkt, dass das Projekt vor dem Anwuchs auf fünf Autoren ursprünglich als blanker Schalk angelegt war, dieser nun aber nur ganz wenige Male durchblitzt; dass und auch die Chemie zwischen den Uneins Geschalteten haben vergleichbar angesiedelte Vertreter wie Young Policemen in Love oder Sunshine Cops weitaus vorteilhafter zu ihrem sympathisch-charismatischen Gunsten geregelt.

Ausgehebelt ist im Rahmen kalter Entdramatisierung, Entpsychologisierung und Entpersonalisierung auch das alte Geleit von "Verbrechen lohnt sich nicht", sowie das sonst übliche Leid von etwaiger Bestechlichkeit, Unredlichkeit oder anderweitiger Misswirtschaft im Polizeiapparat. Da beide Ordnungshüter von Haus aus außerordentlich gut betucht sind, müssen sich Umgebung samt einschließlich Krimineller eher unwürdig oder gleich gänzlich benachteiligt und – im hiesigen Kriminalfall – sogar erst vom finanziellen Überschuss und den Privilegien der Eliten angespornt fühlen.

Feindkontakte gibt es folgerichtig viele, mit echten und mit falschen Gangstern, mit Verdächtigen, mit Provozierenden, auf der Straße im Nebenbei oder auf dem Klo bei der Austrittpause – [ hier natürlich auch eine Anstalt, die wohl gerade mit feierlichem Empfang eingeweiht wurde und man deswegen noch geradezu vom Fußboden speisen kann ] –. Nur leider kommt es in den zahlenmäßig durchaus aufgestaffelten Kämpfen und trotz der Aufsicht des bewährten Martial Art Designer Stephen Tung nie zu einer wirklichen Berührung, zu einem konkreten Austausch von Angriff und Abwehr und Aktion und Reaktion. Die ausdruckslose Regsamkeit, die bürokratische Steifheit, die Unfähigkeit einer einheitlichen, einer festen und gleichzeitig liquiden Koordination von Bewegungen führt auf die konsequent abgehackte Montage samt übertriebener Schnittfrequenz zurück; ein abgespalten wirkendes Aufeinanderfolgen und Übereinanderlegen unorganischer Bilder im manipulierenden cheat cut. Zu krampfhaft filmisch konstruiert oder gleich theatral präsentiert, zu konzentriert abstrakt, gebieterisch streng, wie die Standbilder einer Schutzimpfung. Auch die Schusswaffen werden nur posierend gezückt statt abgefeuert. Ruhmreiche Ausnahme im unverstellt widerständigen Finale, dass durch den plötzlich offenen Schlagabtausch samt Blutzoll und eingesetzter Kettensäge zwar noch lange nicht gut ist, aber zumindest Absoluten Seltenheitswert und die trockene Wirkung der Kontraste besitzt. Da war Ma einschließlich der privat angeheuerten Putzkolonne wohl mal auf Urlaub.

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