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Die Handlung bei Painted Skin winkt aus alten Märchen, aus dem über Jahrhunderte und Generation verbreiteten Erdichtetsein über Liebe und Tod, Passion, Machtgewinnung und Wandlung, wo im goldenen Abendlicht Freude und Qual ebenso nah beieinander liegen wie Wahrheit und Ausschmückung. Ein Land des Träumens zwischen Lehre und Unterhaltung, der Beförderung der Poesie, in der das Mystische und Sibyllinische und seine Moral dahinter gerade durch die Fabulierkunst nur umso kenntlicher ausgebildet wird.

Als Adaption aus alten Quellen plaudernd wählt Regisseur Gordon Chan die allgemeinere Bedeutung von Pú Songlíngs Geistergeschichte "Hua Pi" aus dessen über 400 Erzählungen umfassenden "Strange Tales of Liao Zhai" Anthology. Die Möglichkeiten des Gestaltens einer Ausführung im strengen Sinn, als ästhetische Lagebestimmung übernatürlicher Themen, mit zeitlicher und räumlicher Begrenzung, in deren Mittelpunkt zahlenmäßig reduzierte Figuren mit weitgehend eindeutiger Gesinnung zueinander stehen. Als leicht überdreht erscheinendes Bulletin über Verlangen, Hingabe und Aufopferung als geheimnisvolles Kapital sowie dem Bedürfnis der Ehre und Unendlichkeit der Person statt der von Pú skizzierten alternativen Selbstidentität, seinen imperialen, kulturellen und fiktiven Darlegungen über Klassen- und Geschlechtsunterschiede:

Nach der erfolgreichen Niederschlagung einer sich herumtreibenden Banditenbande kehrt General Wang Sheng [ Aloys Chen ] zusammen mit seinen Mitstreitern Gao Xiang [ Jin Song ], Xiahou Xiang [ David Liang ] und den restlichen Mannen im Herbst in die Heimatstadt zurück. Dort erwartet ihn schon mit sehnsuchtsvoller Angst seine Ehefrau Peirong [ Vicky Zhao Wei ], deren ständiges Sorgen um den geliebten Gatten aber nicht verhindern kann, dass ihr ein besonderes Mitbringsel der gefahrvollen Reise gleich unangenehm ins Auge sticht. Wang Sheng hat während der letzten Attacke die scheinbar von den Räubern gefangen genommene Xiaowei [ Zhou Xun ] befreit, und als Hausgast auf Ewigkeit mitgebracht. Dass hinter der schönen Frau ein Fuchsdämon in gemalter Menschenhaut steckt, die zum Leben stetig menschliche Herzen benötigt und deswegen ihren Leibeigenen Killer [ Qi Yuwu ] des Nachts auf Menschenjagd schickt, findet allerdings erst Peirongs Exfreund, der frühere General Pang Yong [ Donnie Yen ] samt der Satyrjägerin Xia-bing [ Betty Sun ] heraus. Doch da ist es längst zu spät...

Autor Pú, 1640-1715, auch bekannt als Yishi shi, Historiker des Merkwürdigen, formulierte in seinen Aufzeichnungen, die auch die Vorlage für z.b. A Touch of Zen, The Enchanting Shadow, In Love with a Ghost in Lushan und A Chinese Ghost Story beinhalten, fast universal-empfangene Glaubensbekenntnisse über die moralische Schwäche chinesischer Männer und ihrer Anhänglichkeit und Abhängigkeit zu in der Sitte, der Begabung und im Bewusstsein stärkeren Frauen. Er verband die Texte, in denen sich die reale Welt der Qing-Dynastie mit der übersinnlichen überlappt und eine eigene seltsame Einheit bildet, mit der konfuzianischen Loyalität. Dem Handeln nach eigener Einschätzung statt dem blinden Gehorsam gegenüber höherrangig Gestellten.

Ohne konkrete Zeitangabe [die Anekdote wurde von den Produzenten aufgrund eines "zu kleinlichen Kulturgeschmacks" und der versuchten Einschmeichelung an japanische Seh-Bedürfnisse von der Qing- in die Han-Dynastie versetzt] und in parabolischer Offenheit wird in der Legierung aus supernatural thriller, Historiendrama und epischer Tragödie im kleinen Kreise ein Gemeinwesen herrschender Unorthodoxie gekennzeichnet; trotz genauerer Raumbeschreibung auch weniger in einer historischen, statt vielmehr einer ins Ätherische entrückten Traumatmosphäre eigenwilliger Kosmosophie. Die Erschließung der neuen Felder von Gedanken mithilfe beständig wiederholender Prachtliebe in bronzenen, braunen und grauen Hintergründen mit schwarzen Akzentuierungen, in der die eher triviale und gleichzeitig ein wenig aufgetragene Geschichte in einem martialisch abgeschiedenen Wüstenei seinen Anfang nimmt und in einer ebenso isolierten luxuriösen Phantomoase sein potenziell verhängnisvolles Ende nimmt.

Die Verlässlichkeit auch unter veränderten Bedingungen, die Beeinflussung innerer Charakterzüge und die Auswirkungen auf das äußerliche Verhalten machen diese Verfilmung jedoch anders als die mehr auf den bloßen visuellen Effekt abzielende hyped-up style Interpretation von King Hu im Jahre 1993 trotz mancher vorhandener Schwächen zu mehr als nur einem auf das Formale degeneriertem Selbstzweck. In bemüht scharwenzelnder Konzentration auf das unter den schmerzhaften Umständen von Eifersucht, Verlustangst und Seelenschmerz dennoch gedämpft Emotionale gelingt es Chan zumeist über stumme Blicke, wenigstens anfänglich, die zunehmende Einsamkeit bis hin zur sensitiven Entmündigung in greifbarer Form verständlich zu machen. Wichtig sind vor allem auch für das Zusammenleben der Eheleute, die in der hiesigen Verfilmung die mit entscheidende Rolle spielen und dessen Beziehung trotz aller Entwicklung drumherum immer primär im Vordergrund steht, die Übereinstimmung von Worten und Taten, der Respekt und die Fürsorge und das Sicherstellen des Vertrauens als nichteinhaltbarer Idealzustand, im Widerstreit zwischen Glauben und Aberglauben und dem, was man hört, sieht und fühlt. Die letzten Endes unbekümmerte und so seicht kauzige Theatralik erinnert etwas an den ebenfalls diesjährig an den Start gegangenen An Empress and the Warriors, je nach Ansichtssache auf angenehme Weise oder eher nicht.

Gerade die Dialoge der 15 Millionen USD multinational co-production sind nicht gerade von linguistischer Schönheit, aber dienen immerhin der rhetorischen over the top Unterstützung von sowohl weiblichen Tränen als auch der maskulin romantischen Heldenform, in der Männer als Beschützer aller Hilflosen auf die tödliche Hetzjagd nach dem eindringenden Fremden gehen.
Die nachhaltigen Gewaltattacken des auf Beute befindlichen Dämons haben nicht nur die Menschen des Nachts von den Strassen, sondern auch den Magistrat und damit die verwaltende Obrigkeit und die Religion in Form des Taoisten aus der Stadt vertrieben. Trotz permanent patrouillierender Wachmannschaften geht die Angst vor dem Unbekannten um und machen sich bei Wang und seiner Frau Alb- und Wunschvisionen als Geschöpfe der Einbildungskraft breit.

Die mordlüsternde Spukgestalt stellt neben einigen realen kämpferischen Auseinandersetzungen gerade zu Beginn natürlich auch die Nemesis von und die Ausrede für die Anwesenheit vom eher amüsierten und amüsanten Donnie Yen dar, der in der sonstigen Beziehungsrealisation schon aufgrund seiner Natur und der Rolle als Exfreund erneut immer ein wenig außen vorsteht, in den leichtgewichtigen Schwertgetümmeln, Luftschlachten und Dachfluchten aber eh die beste Figur macht. Yen ist auch der Einzige, der von der im Mai 2007 anberaumten Produktionsplanung für Chinas Zweiterfolgreichsten Film des Jahres und Hongkongs [absurderweise] offiziell eingereichten Beitrag für den Academy Award übergeblieben ist. Die damals noch gesetzten Fan Bing-Bing und Daniel Wu wurden im Laufe der Vorbereitung bis zu den Dreharbeiten Dezember 2007 ebenso ausgetauscht wie die zwischenzeitlich veranschlagten Regisseure Andy Chin [der mittlerweile mitsamt Danny Go als Co-Director funktioniert] und Wilson Yip, sowie Action Choreograph Ching Siu-Tung.

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