Review

<!--StartFragment -->Restaurant. 
                 Gourmet. 
                                 Heimfahrt. 
                                                  Verkehrsunfall. 
                                                                   Gebetsstunde. 
                                                                                    Verschwinden.

Vier Monate später.

<!--StartFragment -->Mysteriöse, da nur mit in Ansätzen vorhandenen Antworten und vielen Fragen voraus und danach gespickte Bilder tischt Delicacies...Poison nicht nur zu Beginn seiner toxischen Dreiecksgeschichte auf. Ein Beziehungswirrwarr von zwei Frauen und einem Mann, dass schon von Beginn an weg unter keinem guten Stern stand, niemals die Voraussetzung für ein glückliches Ende hatte und auch niemals danach aussah, als ob irgendwann aus dem Gegebenen ein Zustand der Willensbefriedigung erlangt werden könnte. Verletzung und Verlust bereits in den ersten Momenten des ruhigen, gedämpft wirkenden Filmes, verkehrsarm gelegen, auf seine drei Personen konzentriert und die Umgebung weitgehend vor dieser erstarrten Abdichtung isoliert. Jeder der Figuren ist auf sich und nur den Gegenüber und mehr nicht fixiert. Ein getrenntes Nebeneinander, dass nur einen kleinen, einen leisen Anstoß braucht, um sich ein jeweils neues Rollenmuster auszugestalten, und nur eines Teils bedarf, um zum Ganzen zu gelangen.

Durch die Abgeschiedenheit in eine Scheinwelt fingierter Identitäten, dortiger Eskapaden aus einer trist wirkenden Realität hinaus und dem Davonstehlen der Wirklichkeit verschafft Regisseur und Co-Autor Zhao Tianyu seiner zwischen Drama und Thriller verwobenen Konzeption das Gefühl einer verspielten Anmut innerhalb einer ebenso schleichenden Gefahr. Das Böse lauert hier im Genuss, in der Verlockung, im Grundbedürfnis selber, und kommt von Menschen aus, die einem nicht nur mehr als Alle Andere nahe stehen, sondern denen man soweit vertraut, dass man sich mit der Heimtücke sogar freiwillig und ohne einen Gedanken in die Vertrauenswürdigkeit versorgen lässt. Die metamorphotische Macht der Liebe, der Menschen Höhle und die Wunde in ihr:

Stewardess Coco [ Jiang Yi-yan ] ist mehr oder minder glücklich mit ihrem gut situierten Freund Chen Jiaqiao [ Francis Ng ]. Der etwas ältere Mann taucht zwar immer mal wieder ab und auf, und legt auch rapide Verhaltenswechsel an den Tag, scheint die ganze Herzensangelegenheit mit ihr trotz seiner Unbestimmtheit in der Lebensführung dennoch ernst zu meinen und hat ihr zuletzt gar ein Apartment geschenkt. Dort bekommt sie eines Tages, nach einem erneuten Streit und seiner abermaligen Abwesenheit zufällig Besuch einer im Haus nach einem Nachbarn suchenden Frau, der ehemaligen Kochshow-Moderatorin Gu Xiaofan [ Yu Nan ], die ihr nicht nur für den Moment der Trauer Beistand leistet, sondern sich auch schnell zu einer guten Freundin entwickelt, die die junge Frau vor allem mit allerlei köstlichen Rezepten versorgt. Getreu der Devise, dass Liebe bei den Männern durch den Magen geht, bewirtet Coco ihren prompt zutraulichen Liebhaber mit allerlei appetitanregenden Annehmlichkeiten. Doch dann häufen sich seine körperlichen Beschwerden, werden die Haare spärlich und das Immunsystem schwächer. Die Ärzte sind ratlos.

Am Ausgang dieser zwar pikant aussehenden und auch aromatisch wohlschmeckenden, aber auf Dauer nicht sättigenden Diät hat keiner der drei Beteiligten mehr ein Rätsel vor dem Anderen offen, sondern sich vielmehr im wiederholten Satz bestätigt, dass die Erörterungen über die menschlichen Affekte und Handlungen nur den Zauber ihrer Geheimnisse entehrt. Nichts ist mehr so, wie es einmal gewesen ist, und Schuld daran trägt auch Jeder der Drei, da von Allen von Ihnen jeweils Vereinnahmungsversuche ausgingen, die über ihre Möglichkeiten hinaus eilten. Jiaqiao wollte mehr, als ihm zusteht. Xiaofan mehr, als sie halten kann. Coco ist nicht stabil genug, um mit vernünftiger Überlegung zu handeln, ihr fehlt die Selbstbeherrschung, sie dient Anderen mit Willfährigkeit. Aus dem Ideal, in das Martyrium, in die Askese.

Lob und Billigung und besonderen Reiz in einer stillschweigend dünkenden Regie findet die wie imaginativ dargestellte Inszenierung dieser verderblichen Ménage à trois, die im völlig unerregten Dasein dennoch die eindringliche Formung von Faszination / Distanz und Vernunft / sinnlicher Leidenschaft gleichermaßen hervorrufen kann. Die prägungslose, schwankende, tastende Aufführung ist mit der dramaturgischen Pflicht in Einklang und von eher anästhetischer Schönheit, viel Weiß, eine äußere Vollständigkeit mit diplomatisch verstreuter Prosa. Optisch eine höchstmögliche Klarheit, die die Nachdauer psychischer Vorgänge umso beständiger macht. Denn trotz flüchtiger Identifikation mit Jeder der Involvierten und einer gewissen täglichen Routine von erst Kochkunst und dann Krankenhausbesuch wird die Spannung am Fortgang vor allem mit der Entzauberung dieser Gewöhnung, dem Entgegensetzen in einen Albtraum abseits reiner Vernunftbegriffe und den Eingangssätzen hervorgerufen. Die nicht bloß in der Anonymität der Großstadt in sich selber verschlossene, sondern dadurch auch ausweglose Geschichte individueller Bewusstseins- und Willensvorgänge wird kapitelartig mit einer knappen Überschrift versehen, "The Set-up", "Disclosed Facts", "The Trap" etc., die das eigentliche Geschehen theoretisch bereits vorweg-, den Zuschauer so allerdings auch komplizenhaft in Zugzwang nehmen und die Wahrnehmung für die noch folgenden Unzulänglichkeiten und Beschränkungen verschärfen.

Denn so richtig gar gekocht ist die Geschichte trotz präziser, zeitweise vom innerlichen und äußerlichen Verfall der Menschen her auch erschreckender Bilder nicht; auch wenn man in dieser Parabel auf das "in Guten und in Schlechten Zeiten" und "Bis das der Tod uns scheidet" verschiedene Themen wie das unabdingbare Älterwerden, Verlust der Potenz, die Auflösung vom Gefühl der Männlichkeit als scheinbar gottgegebenen Mythos in Anbetracht eines speziellen Matriarchats und die genderspezifische Umkehrung von Subsistenz und Widerstand einbringen möchte. Zu dem auf den ersten Blick vergleichbar angelegten Exodus von Edmond Pang fehlen Regiedebütant Zhao, Autor von Lost, Indulgence, vor allem die beißende Anzüglichkeit und Schärfe der feministischen Gesellschaftstheorie zugleich, der scharfzüngige Hohn, die Sogwirkung, die doppelte Zeichnung in Schlagschatten. Man bleibt ein Theater des Lebens, mit dem Geschmack der Erschöpfung. Gefangen im eigenen Heim, wie die Maus im Laufrad.

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