So, hier bietet uns Erfolgsregisseur Takashi Miike wieder mal einen Sushi-Sicko der Extraklasse. Mit allerlei derben Effekten und total ausgeflippten Charakteren bietet sich hier einer der härtesten Filme der letzten Jahre, der auch berüchtigte Vorgängerwerke wie „Fudoh – The new Generation“ oder „Dead or Alive“ gänzlich alt aussehen lässt. Dabei kann der Film sogar mit einer überlegten Handlung und tiefgründigen Charakterzeichnungen überzeugen.
Zur Handlung:
Ein Yakuzaboss ist mit einer Riesensumme Geld untergetaucht. Das Aufdecken der zwielichtigen Geschichte und die extrem rücksichtslosen Ermittlungsmethoden des Bandenführers Kakihara (ein Freak und Masochist erster Güte, mit komplett ausklappbarem Unterkiefer und allerlei Hang zur Selbstverstümmelung) entfachen brutale kriege unter den Familien. Dies wird von einem listigen Drahtzieher dazu genutzt, um seinen Killer Ichi ins Rennen zu schicken. Ich ist nicht mehr als ein harmloser, herum geschubster junger Mann, der per Gehirnwäsche zum Psychowrack umgepolt wurde und auf das Einflüstern seines Meisters zur knallharten Killermaschine wider Willen wird. Ihm wird eingeredet, er hätte in der Schule bei einer Vergewaltigung mitgewirkt und dass er seine Schuld nur durch das Morden von Verbrechern abtun kann. Kakihara bekommt schnell mit, dass Ichi für die grausamen Morde verantwortlich ist und freut sich seinerseits auf die Begegnung mit Ichi, damit er ihm sexuelle Wünsche erfüllen kann – doch es kommt anders, als Kakihara es plant...
Jau. So etwas kann nur auf Miikes Mist wachsen. Der Film ist mit Sicherheit eine echte Rarität und für Liebhaber des extremen Japan-Kinos eine Wonne. Es werden haufenweise Leute gefoltert und geschlachtet, Blut, Körperteile und Gedärme fliegen massenweise durch die Gegend und jeder neue, blitzartige und vollkommen unvermittelte Gewaltausbruch des Killers lässt einem das Blut in den Adern gefrieren. Mit Sicherheit der härteste Miike und auch sonst neben Früchtchen wie „Men behind the Sun“ oder „Cannibal Holocaust“ einer der krassesten Streifen, die je über meinen Bildschirm geflimmert sind. Sollten sich definitiv nur Leute antun, die extrem in die Länge gezogene, richtig eklige Verstümmelungen und ähnliche Gräueltaten abkönnen.
Neben all der Gewalt ist auch Ichi the Killer jedoch ein aussagekräftiges Werk, was verstörend in seiner Machart und aus einer fernen Kultur kommend mit Sicherheit nur schwer zu interpretieren ist, wenn überhaupt. Die Figur des Ichi wird betont gespalten gezeigt – zum einen der unbesiegbare Killer, ein furioser Wirbelwind, der mit Klingen bewährten Schuhen und akrobatischen Martial Arts Moves seine Gegner verstümmelt - in seinem Charakterbild jedoch ein hilfloser, psychisch gebrochener, weinerlicher Junge, der sich hinter Videospielen verkriecht und keinerlei kommunikativen Beziehungen hat und haben kann. Ein selbst missbrauchter Mensch, reines Opfer eines manipulativen Flüsterers, der die Kraft von seelischer Pein kennt und auszunutzen weiß. Und auch sonst nimmt sich Miike wieder alle Zeit der Welt, allerhand flippige, mitunter auch witzige Charaktere ins Spiel zu bringen, alle mit ihren Macken und Eigenarten (und davon gibt es reichlich!), um sie dann früher oder später ihrem Schicksal zum Fraß vorzuwerfen. So zieht sich insgesamt ein düsteres Psychogramm wie ein leitfaden durch den Film, an dem die unzähligen Gewaltorgien aufgehängt sind und die in einer logischen wirkenden, aber nicht voraussehbaren Szene enden, die ich an dieser Stelle aber nicht spoilern möchte. Untermalt wird das atmosphärische Werk durch eine bizarre Soundkulisse.
Ich konnte mich nicht mit allem im Film gezeigten Zeugs so wirklich anfreunden, Deswegen meine Punktzahl 8/10. Interessierten empfehle ich die österreichische Raptor DVD, ist uncut und mit überraschend guter deutscher Synchronisation.