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George Lucas mag ein noch so tüchtiger Geschäftsmann sein, offensichtlich hat er seinen kindlichen Blick auf das Medium Film nicht verloren. Anders ist kaum zu erklären, warum Lucas dem Regie-handwerk fast gänzlich den Rücken kehrte, um sich voll auf die technische Entwicklung zu konzentrieren. Mit beinahe 20 Milliarden Dollar, die "Star Wars" alleine durch Merchandising erwirtschaftete ist er bekanntlich der geistige Vater eines popkulturellen Phänomens, dessen Anhängerschaft geradezu danach giert, weiter ausgenommen zu werden. So ist auch "The Clone Wars" nichts weiter als eins von unzähligen Merchandising-Produkten, in das nicht mehr Kreativität geflossen sein dürfte als in eine Darth-Vader-Sprechfigur oder einen Radiergummi, den das Antlitz Han Solos ziert. Schon der Trailer kündigte ein künstlerisches Fiasko und vor allem einen Animationsfilm, der schon optisch seinen Zeitgenossen nicht das Wasser reichen kann.

Während sich die alte Star-Wars-Trilogie durch tricktechnische Raffinessen auszeichnete und die Prequel-Trilogie in ausladenden CGI-Orgien höchsten Niveaus schwelgte, so überrascht die ideenlose Optik gleich doppelt. Lange Zeit hat es gedauert bis das erste computergenerierte Animationswerk von Lucasfilm in die Kinos kam, umso schmerzlicher erscheint die offensichtliche Lieblosigkeit dieses Produktes. Seien es die einfachen Hintergründe, die viel zu steifen Bewegungsabläufe oder das mangelhafte Charakterdesign - einen dermaßen hässlichen Film hätte wohl auch der größte Skeptiker kaum erwartet. George Lucas bittet seine getreue Anhängerschaft also ein weiteres Mal zur Kasse und statt seine berühmte Sage endlich zu Ende zu bringen ergeht sich "Clone Wars" in purster Ausbeutung nichtiger Zwischenplots ohne jegliche Bedeutung für das Universum. Kann im Prinzip direkt in den Giftschrank, hinter die Ewoks-Filme und neben das Holiday-Special.

Vom naiven Charme der Filme ist nichts geblieben in dieser bierernsten Kriegspropaganda für die Kleinsten: Krieg als Abenteuer, das man schadlos mit einem coolen Spruch auf den Lippen durchwandert. An Zynismus kaum zu übertreffen sind die martialischen Kriegsszenen, in denen die nichtige Handlung restlos versinkt zugunsten einer dicken Portion pathetischer Opferbereitschaftsverklärung. Die schablonenhaft gezeichneten Hauptfiguren selbst, deren weiteres Schicksal ohnehin bekannt ist, erfahren keine nennenswerte Entwicklung und geraten so trotz der tollkühnen Aktionen niemals auch nur für einen Moment in echte Bedrohung. Grobschlächtig reiht Dave Filoni ("Avatar") Schießerei an Explosion, ohne erkennbare Bezugnahme auf die Ästhetik der Lucas-Filme.

Denkt man an die imposanten Klangwelten, für die John Williams bei den Originalen zuständig war, so kann man nur den Kopf schütteln angesichts der austauschbaren Vertonung, die weder über eindrucksvolle Melodiebögen verfügt noch irgendwelche eigenen Akzente setzen kann. Da die Musik schon immer ein zentraler Punkt war und entscheidend zum popkulturellen Status der Filme beitrug geht auch die letzte Magie verloren. In Anbetracht der flachen Handlung passt sich der Score aber nur an das Gesamtwerk an und wirkt sich nicht annähernd so verheerend aus wie die mangelnde Figurenanimation. Ohne Sorgfalt bleibt diese noch hinter "Final Fantasy" zurück, gleicht mehr einem Konsolenspiel als einem Film - als Pilot für eine unterdurchschnittliche Serie, die man nun mit ziemlicher Sicherheit von "Clone Wars" erwarten darf, in gewisser Weise noch angemsessen, ein solches Produkt ins Kino zu bringen zeugt sowohl von vermessener Selbstüberschätzung als auch von grenzelnloser Geldgeilheit.

1,5 / 10

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