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Jetzt werden die Marvelcomicverfilmung endlich mal so richtig auf Linie gebracht.
Nach „Iron Man“ schon der zweite Film, der mittels einer angehängten Szene einen Gaststar aus einem anderen Comicblockbuster präsentiert, was auf die in der Ferne winkende „Avengers“-Verfilmung schon mal hindeutet, ansonsten scheint es bei „The Incredible Hulk“ um so eine Art Schadensbegrenzung gegangen zu sein.

Ang Lee lag mit seinem (eher unterschätzten) „Hulk“ wohl nicht ausreichend im Bereich des üblichen Firmenstyle (was auch daran lag, daß er sich erzählerisch im letzten Viertel verzettelte), so ist die Fortsetzung eigentlich eine Quasi-Korrektur.

Sicherheitshalber hat man gleich das ganze Line-Up ausgetauscht: statt Eric Bana, Jennifer Connelly, Ang Lee und Sam Elliot dann halt jetzt Edward Norton, Liv Tyler, William Hurt und den „Transporter“-Regisseur Louis Leterrier. Zurück zu den Wurzeln und den Comicursprüngen.

Mittels Vorspann wird dann auch die Vorgeschichte neu aufgerollt, das grundlegende Experiment mit der Verstrahlung Bruce Banners und seiner Verfolgung blieb drin, die Storyline um Nick Nolte hat man vorsorglich elimiert, back to the egg.
Und so erzählt der Film dann auch eine ganz einfache Geschichte, die so übersichtlich aufgebaut ist, daß man schon vorher weiß, daß man den Hulk genau dreimal zu Gesicht bekommen wird, am Anfang, in der Mitte und zum Showdown.

Bruce Banner also weiter auf der Suche nach einer Heilung auf der Flucht und der böse US-General und Daddy seiner Freundin auf seiner Spur, wozu er sich der Hilfe eines raffinierten Soldaten bedient, der nach einigen Fehlschlägen dann selbst per Serum zu einem Gegen-Hulk mutiert, der großen Bedrohung.
Und das wars auch schon: Banner flüchtet einmal, kehrt in die Staaten zurück, besucht die Freundin, verwandelt sich vor ihren Augen, flieht wieder, wird gefangen und muß dann doch die Stadt retten. Das wars.

Wenn das etwas mager klingt, dann stimmt das. „Incredible Hulk“ fehlt einfach der Look und der Charme einer wirklich erlesenen Produktion, er bietet storymäßig simplen TV-Standard, eben nur mit teureren Effekten.
Zwar paßt Edward Norton besser zu der nachdenklichen Banner-Rolle als Bana, aber sonst überzeugt hier nichts so ganz, auch wenn nichts total enttäuscht.

Tim Roth als Fiesling wäre ganz ordentlich, wenn seine Rolle raffinierter angelegt wäre; Hurt zeigt genau die Abziehbildhaftigkeit der Figur, die man bei „Iron Man“ vermied und Liv Tyler gibt sich zwar im Rahmen ihrer begrenzten Möglichkeiten Mühe, ist aber als Wissenschaftlerin irgendwie lachhaft.

Bleiben bei aller Simplizität wieder mal nur die FX und da hat sich einiges verbessert, der Hulk sieht etwas detaillierter und auch sympathischer aus und hat sogar ein paar Worte gelernt, insofern ist dem Comicbuch genüge getan, schließlich haben die Fans auf den Ausruf „Hulk Smash“ ja nur gewartet.
Auch das CGI-Duell mit „Abomination“ am Ende ist ein krachig-schönes Gekloppe, aber nun auch nicht so weltbewegend, wie es öfters verkauft worden ist. Spaß macht es auf jeden Fall, muß es aber auch, denn wegen der sonst arg biederen Story wären wir sonst nicht ins Kino gegangen.

So kann man praktisch von „alles auf Anfang“ reden und das ist auch solide gelungen mit einem begabten Actionregisseur, aber Leterrier ist und wird wohl wohl nie ein Visionär sein, der das Rad neu erfindet.
„The Incredible Hulk“ macht Spaß im Sommer oder an einem netten Abend, tut nicht weh, bleibt aber auch nicht lange hängen. Der große, grüne Unsichtbare in einer kommenden Reihe von megaplexerschütternden Marvel-Outputs. (6/10)

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