Knabbereien aus Australien
In der Wildnis von Tasmanien forscht die Zoologin Nina nach Spuren des tasmanischen Tigers. Vorrangig will sie jedoch den Schock über den Tod ihrer Schwester überwinden, welche vor 8 Jahren in der besagten Gegend ertrank. Ihr Freund Matt und dessen polternder Kumpel Jack samt Bettgespielin Rebecca begleiten sie auf der Expedition und müssen einen Horror-Trip durchstehen, der die geschichtsträchtige und Legenden bildende Vergangenheit der ehemaligen Strafkolonie wieder blutig aufleben lässt.
Nun lässt die Filmbeschreibung uns alte Horror-Hasen nach der Rezeption vieler bekannter Backwood-Slasher nicht aus den Sohlen kippen. Dennoch weiß der Film trotz einfach strukturierter Geschichte (siehe: Timber Falls) auf der Leinwand zu fesseln. Jody Dwyers prachtvoll bebilderter Schlachtfilm mixt alle Zutaten zu einem perfekten Horrorbrei der etliche Schau-, Schock- und Ekeleffekte zu bieten hat – aber nie in die tiefsten Niederungen des Terror- und Folterfilms à la "Hostel" abgleitet. Ein sorgfältig dramaturgischer Aufbau fehlt ebenso wenig wie gut ausgearbeitete Charaktere. Für den Fear-Faktor wird die Legende des im 19. Jhd. hingerichtete Kannibalen Alexander Pearce (The Pieman) herangezogen und in Symbiose mit dem ausgerotteten Tasmanischen Tiger verwoben. Knurren, Knacken, Kauen und Sterben heißt ab sofort die Devise.
Die kostengünstige Produktion kann auf ein hervorragend gewähltes Natur-Setting zurückgreifen. Die malerisch grüne Landschaft von Tasmanien wird durch Kälte und Regen zu einer wahrhaft ungemütlichen und tödlichen Odyssee für die Expeditionsteilnehmer. Kamera und Schnitt verdienen höchstes Lob, da Sie durch harmonisches Zusammenspiel immer wieder nette Schock-Effekte generieren.
Bei den Hauptdarstellern konnte man auf genreerprobte Mimen zurückgreifen: Leigh Whannell (Saw) und Nathan Phillips (Wolf Creek) bleiben dem Terror-Genre treu. Während Whannell gemäß Drehbuch als Weichei agieren muss, was mit der Zeit ermüdet, darf Phillips als Sidekick mächtig aufdrehen – das betrifft auch seinen Aussie-Slang. Melanie Vallejo und Sally McDonald bleiben blass und ärgern oft durch allseits bekannte, dumme und nicht nachvollziehbare Handlungen. Hier fehlt eindeutig ein respektables Final-Girl.
In der Rubrik Blood&Guts darf sich diesmal Justin Dix (Storm Warning) versuchen. Obwohl das Kunstblut ausgiebig verströmt und auf Latex genüsslich gekaut wird, ist der Härtegrad, gemessen an den heutigen Horror-Flicks, als mittelprächtig anzusehen. Oftmals werden Ekel-Szenen durch geschickte Montage oder Beleuchtung abgemildert. Auf den Einsatz von CGI-Blutfontänen wurde verzichtet – zumindest soweit ich es aus filmästhetischen Gesichtspunkten beurteilen kann. Aber vielleicht ist die australische Software einfach besser als die der Hollywood-Kollegen. Größtes Manko des Make-Up-Departments stellt die Darstellung des übermenschlichen Endgegners dar. Kommt dieser doch wie ein verluderter und grimmig dreinblickender Weihnachtsmann daher. Manchmal sollte einfach weniger mehr sein.
Als wahrhaft selbstbewusst kann das Logo des tasmanischen Fremdenverkehrsamts in den Endcredits angesehen werden: "Explore The Possibilities" … bei solchen Einheimischen lieber doch nicht.
Fazit: Klein, fein und blutig obendrein – so soll es sein. Ein Horror-Trip von den Kollegen am anderen Ende der Welt der einen regulären deutschen Kinostart verdient hätte.
Dafür gibt es 8 von 10 gut abgehangene Touristen-Spieße mit einer Flasche JB und einer Portion Vegemite.