Die gute Nachricht vorneweg: "Der rosarote Panther 2" ist besser als sein Vorgänger.
Ein bißchen!
Nicht viel.
Im Jahr 2006 klang das ja alles noch ganz vielversprechend: ein großer Komiker wie Steve Martin tritt das Erbe von Peter Sellers an, eine gewisse Riege an Stars (Kevin Kline, Jean Reno, Emily Mortimer, Beyonce Knowles) tritt in Nebenrollen als Gaststars auf und Slapstick wäre garantiert, auch wenn weit und breit kein "Kato" auszumachen war.
Nicht zu sehr anbiedern, den eigenen modernen Stil finden, das war der Plan.
Und er ging schmählich in die Hose.
Martin mußte sich skriptgemäß in endlosen Sexwitzchen und enorm bemühtem, aber unwitzigen, weil unkreativen Slapstick ergehen, erzählte Blödsinn und bewies bei aller durchgehenden Debilität plötzlich noch immer temporär meisterhafte Detektivarbeit, während er in der deutschen Sychnro auf einem wadenhohen französischen Kunstakzent durch einen Film stakste, in dem unerklärlicherweise nur die französischen Darsteller hochdeutsch redeten.
Drei Jahre später hat man also zu dem veritablen Kassenerfolg eine Fortsetzung gebastelt, die das Prädikat "Flickwerk" erst so richtig verdient: wirklich gebessert hat sich kaum etwas. Immerhin, Jean Reno spricht jetzt (irritierenderweise) auch mit einem französischen Akzent, wenn auch nicht so zentnerschwer wie der von Martin. Was die multikulturelle Angelegenheit, die Harald Zwarts Film geworden ist, nicht unbedingt schlüssiger macht.
Werfen wir also einen Blick ins Kontor: Martin als Amerikaner spielt und spricht also einen Franzosen (oder was sich der Durchschnittsami darunter vorstellt); Reno spricht einen gemäßigten Franzosen; für den Amerikaner Kline (in der klassischen Dreyfuss-Rolle) ist der Brite John Cleese gekommen. Aber weil sich in der Fortsetzung eine internationale Polizeielitetruppe tummeln soll, mischen wir die Kulturen einfach noch etwas weiter durch: der Kubaner Andy Garcia spielt also einen Italiener, der Spanier Alfred Molina einen Briten und die Inderin Aishwarya Rai zum Ausgleich eine Spanierin, während - unpassend oder nicht - der Japaner von einem Japaner gespielt wird.
Dementsprechend geschmackssicher und konsequenten bietet sich der Restfilm nun also dem Publikum an: der berühmte Diamant, der rosarote Panther, droht mal wieder gestohlen zu werden (von dem Meisterverbrecher "Tornado") und die Elitetruppe hat zwar jede Menge Fachwissen, reibt sich jedoch gleichzeitig in kleinlichen Animositäten darüber, wer der Beste unter ihnen ist, auf. Das bedeutet in der Folge der Ermittlungen natürlich Beweisvernichtung durch den überheblich-debilen Clouseau in ganz großem Stil, was nur dadurch neutralisiert wird, daß wiederum ohne nähere Begründung der Vollidiot zu fachidiotischen Aussetzern neigt, während die Meistercops sich in Ausnahmefällen extrem dämlich vor Sektkühler, Sahnetorten oder Servierwagen zu schmeißen haben, um sich auf unterstem Niveau zu blamieren.
Wenn dieser Kleinkrieg nicht gerade tobt, führt Martin seine verbalen Scharmützel rund um die Aussprache (der einzige funktionierende Gag des Originals, rund um die Aussprache des Wortes "Hamburger" kommt auch hier wieder zum Einsatz) weiter und nervt in einem weiteren unwichtigen Erzählstrang die arme Lily Tomlin zu Tode, die versucht, aus ihm den männlichen Chauvinismus samt des übermächtigen Sexismus zu vertreiben, was natürlich zu keiner Sekunde klappt. Nebenbei gibt es noch ein paar Kämpfchen um die mäuschenhafte Miss Mortimer (die von Garcia angegraben wird), weil sie auf die schöne Miss Rai eifersüchtig ist.
Das alles ändert aber nichts daran, daß diese wild gewordene Ideencollage noch lange keinen brauchbaren Film ergibt, sondern eben nur eine chaotische Szenenfolge, die immer dann am besten ist, wenn Zwart nicht mit Megaphon verkündet, daß es jetzt lustig werden wird, weil Martin auf eine unschuldige Zimmereinrichtung losgeht, vorzugsweise mit Ansage und ohne größere Einfälle als den Willen zur Zerstörung.
Tatsächlich fällt in ein paar Momenten tatsächlich so etwas wie Witz ab, etwa in einem verbalen Deduktionsduell zwischen Martin und Molina (Clouseau hat hier mal wieder einen kreativ-lichten Moment), bei Tomlins Mimik oder in einer Sequenz mit Jeremy Irons, der des Diebstahls verdächtigt wird, während das Eliteteam bemüht ist, ihn nicht merken zu lassen, daß Martin auf den Überwachungskameras sein halbes Haus in Schutt und Asche legt.
Kurz gesagt: "Pink Panther 2" ist grell und blöd und verschwendet seine bemühten Mitspieler zugunsten eines wieder imbezilen Falls, der vor allem eins beleidigt: das Andenken Blake Edwards, zugunsten des auf ganzer Linie gescheiterten Versuchs, so etwas wie moderne, rasante Komödie zu machen oder der Slapsticktradition einen Kreativkick zu verpassen.
Mag sein, daß die Beteiligten ihren Spaß beim Dreh hatten, ich halte es bis auf kurze Lichtblicke eher mit den Franzosen, die diese depperte Kulturschande mit Ignoranz und Fernbleiben aus den Kinos straften. Mr. Sellers, wir vermissen Sie! (3/10)