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Willkommen in den weltberühmten Cheatum Studios, der Low-Budget-(Alp)Traumfabrik, die nicht müde wird, einen bescheuerten B-Kracher nach dem anderen herunterzukurbeln und auf den längst übersättigten Markt zu werfen. Obwohl das Billigstudio kurz vorm Kollaps steht, versucht sich der neue Inhaber Kelvin Cheatum (Standup Comedian Kevan Moezzi alias K-von) an Realitätsverweigerung und wurschtelt Drehtag für Drehtag munter weiter. Mehrere Filme sind parallel in der Mache, darunter auch die x-te Fortsetzung der Puppen-Reihe Tiny Terror. Mit dabei sind dieses Mal, unter anderem, die Baby-Puppe "Shit for Brains" (Nomen est omen!) und der "Haunted Dildo" ("Rise, Haunted Dildo! Rise!")! Der heutige Tag ist jedoch etwas besonderes, kommt doch der schwerkranke, an den Rollstuhl gefesselte Tommy (Joseph Porter, Mega Piranha) mitsamt seiner hübschen Begleitung Heather (Kelsey Sanders) zu Besuch. Eine Tour durch die heiligen Hallen des Studios ist für den Über-Fan ein wahrgewordener Traum. Als ob es nicht schon genug wäre, daß sich Kelvin mit akuter Geldknappheit, überlasteten Schauspielerinnen, heißhungrigen Cougars, nicht funktionierenden Spezialeffekten und gekränkten Stars herumschlagen muß, schaut auch noch der bösartige Gingerdead Man (gesprochen von John Vulich) vorbei. Bald schon ist die Hölle los...

Charles Bands The Gingerdead Man (2005) war ja eine ziemliche Totgeburt. Umso erstaunlicher ist es, daß es einer gewissen "Silvia St. Croix" mit dem Sequel gelang, den kleinen, schon streng riechenden Kadaver erfolgreich zu reanimieren. Und nicht nur das. Sie bläst feurig-frischen Wind ins unoriginelle Szenario und injiziert dem grenzdebilen Plot genau das, was er so dringend benötigt: Witz, Tempo, (Selbst-)Ironie, Kreativität und Überdrehtheit (also all das, was der Vorgänger vermissen ließ). Und als Draufgabe gibt's einen hübsch abgedrehten Twist. Schon der rasant-charmante Vorspann, wo Aimee Lynn Chadwick ein launiges Run Run Run auf die Tonspur trällert (eine Cover-Version von Joan Jetts Bad Reputation mit neuem Text), während die Kamera über verschiedene Fake-Poster von Filmen der Cheatum Studios gleitet und zoomt, gibt die Richtung vor. Gingerdead Man 2: Passion of the Crust macht Spaß, und das nicht zu knapp. Vorausgesetzt natürlich, man kann mit dem zugegebenermaßen recht bizarren Humor etwas anfangen. Erfreulicherweise ist sich Full Moon-Zampano Charles Band nicht zu schade ist, sich selbst und sein Imperium ganz dolle auf die Schippe nehmen zu lassen (was ihn mir sehr sympathisch macht). Cheatum Studios ("cheat 'em", get it?) ist mit seinen bekloppten Puppenfilmen ganz offensichtlich eine Parodie von Full Moon Pictures, wobei ich aber hoffe, daß es dort nicht so wahnwitzig zugeht wie in Cheatums kleinem Horrorladen. Denn dort regiert bereits das pure Chaos, bevor der Gingerdead Man - der eigentlich nur eine Nebenrolle spielt - überhaupt damit beginnt, die Blutwurst kreisen zu lassen (FX by John Carl Buechler).

Aufgrund der völligen Durchgeknalltheit des Geschehens, inklusive manch politisch unkorrekter Entgleisung, kann man Gingerdead Man 2 ohne weiteres als Tromaesque bezeichnen. Zwar geht es nie so blutig-derbe zur Sache wie bei den Eigenproduktionen der New Yorker Trash-Schmiede, und die Titten der Darstellerinnen bleiben ebenfalls stets verhüllt, aber abgesehen davon hält der Streifen einem Vergleich durchaus stand. "Troma light" trifft's vielleicht ganz gut. Der Schauplatz B-Movie-Studio bietet natürlich eine Steilvorlage für diverse Cameo-Auftritte, welche "St. Croix" (ich möchte zu gerne wissen, wer sich hinter diesem Pseudonym verbirgt!) auch souverän verwertet. Haltet also Ausschau nach Regisseuren bzw. FX-Künstlern wie David DeCoteau (Puppet Master III), John Carl Buechler (From Beyond), Adam Green (Hatchet), John Vulich (Castle Freak), Kenneth J. Hall (The Clown at Midnight) und Greg Nicotero (das N von KNB). Ebenfalls mit dabei ist Michelle Bauer (The Tomb, Beverly Hills Vamp) als so aggressive wie notgeile Cougar Polly Bunderhoof, die beim wilden Sexakt mit einem jungen Schauspieler vom Gingerdead Man blutig niedergemetzelt wird. Bevor er zur Tat schreitet, wedelt sich der voyeuristisch veranlagte Lebkuchenmann jedoch einen von der Palme. Am Ende nagelt man ihn ans Kreuz. Ob ihn das umbringt? Natürlich nicht! Sonst hätte man ja Gingerdead Man 3: Saturday Night Cleaver (2011) nicht nachschieben können. Ein guter Film ist Gingerdead Man 2 beileibe nicht, aber mich hat dieser abgefahrene Mix aus Spoof, Camp und Trash siebzig Minuten lang blendend unterhalten. Und mehr kann man von einem Film dieser Art nun wirklich nicht verlangen.

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