Review

Medium Rare

„When Alice Broke The Mirror“ läutete Fulcis finale Regie- und Lebensphase ein - und er ist einer seiner unappetitlichsten und bösartigsten Filme. Das muss man bei einer solchen Filmographie auch erstmal schaffen bzw. kann man der ungewöhnlichen Horrorsatire eigentlich nur zu Gute halten. Fast näher an John Waters als an seinen italienischen Genrekollegen. Ein abartiger, perverser und scheußlich-guter „Slasher“. Mit einem wirklich gemeinen Augenzwinkern. Zum Großteil noch viel unangenehmer als Fulcis indizierte Zombieepen. Irgendwo zwischen „Maniac“, „Buio Omega“ und „Multiple Maniacs“. Erzählt wird von einem Psychopathen, Spielsuchti, Gigolo & Frauenmörder, dessen neuestes, reiches Opfer allerdings von seinem Hang zum Morden Bescheid weiß…

Schlechter Geschmack aus tiefster Seele?

Frauenverachtend. Menschenverachtend. Gute Filme verachtend. Klassische Erzählungen verachtend. Aber macht das „When Alice Broke The Mirror“ auch zum verachtenswerten Film? Mitnichten! Er lässt tief in das Seelenleben von Fulci zu dieser Zeit blicken. Nicht immer mit positiven oder hoffnungsvollen Erkenntnissen. Aber „When Alice Broke The Mirror“ zeigt auch sein Genie, seine Unbarmherzigkeit, seine Radikalität, seine Stärke selbst in traurigsten, persönlichen Tälern. Totgeweihte drehen länger. Ein Serienmörderpsychogramm, das sich in Gedärmen und schmelzendem Fleisch suhlt. Dreckig, düster, druckvoll. Nicht schön, aber wertvoll. Nicht gut, aber mutig. Nicht clever, aber intensiv. Fulci hatte schon immer Eier. Hier hatte er aber nahezu nichts mehr zu verlieren. Bereits auf TV-Niveau angekommen. Ohne Kompromisse und Gefangene. Für Gorehunde ein Fest. Für Fulci-Fans ein Fest. Für Analysen ein Fest. „When Alice Broke The Mirror“ scheißt darauf, ob Scherben Glück bringen - er nimmt diese und schlitzt mit ihnen alle Pulsadern in der näheren Umgebung auf! 

Fazit: einer der bittereren und ekligeren Fulcis… und diese Aussage muss man sich auf der Zunge zergehen lassen wie unser mörderischer Protagonist seine nahezu rohen (Menschen-)Steaks. Fulci macht's blutig und tiefschwarz. Ein Schwein und ganz fein. Nur hintenraus geht ihm etwas die Luft und der Splatter aus. Doch selbst da bleibt's interessant und… speziell. 

Details
Ähnliche Filme