Review

Nach Jahrzehnten der Klimaerwärmung und der Umweltverschmutzung beginnen sich die Pflanzen, also Bäume, Sträucher und Gräser gegen den Menschen zur wehr zu setzen und sondern eine Substanz ab, die den menschlichen Selbsterhaltungstrieb unterdrückt. Infolge dessen beginnen an der Ostküste tausende Menschen Selbstmord zu begehen und mitten in dieser Wald-und-Wiesen-Apokalypse steckt ein Biologielehrer, gespielt von Mark Wahlberg, der zusammen mit seiner Frau und seiner kleinen Nichte um sein Überleben kämpft.

Die Inhaltsangabe legt die größte Schwachstelle des Films bereits offen, und zwar die Story, mit der M. Night Shyamalan jahrelang in Hollywood hausieren ging, bis er schließlich doch ein Studio gefunden hat, dass ihm rund 50 Millionen Dollar für seinen Öko-Thriller zur Verfügung stellte. Die Grundidee ist erst einmal gar nicht so schlecht. Viren eignen sich oftmals sehr gut für Katastrophen- und Mystery-Produktionen, da von ihnen eine realistische und tödliche Gefahr ausgeht und sie einen unsichtbaren und unkontrollierbaren Gegner darstellen, was beispielsweise in Wolfgang Petersens "Outbreak" seht gut funktionierte. Doch statt diesen Viren-Thriller mit einer soliden Story auf die Leinwand zu bringen beschließt Shyamalan einige weitere Ideen mit in sein Werk einzubauen. Ein Fehler! Denn statt Terroristen für die Bedrohung verantwortlich zu machen, sind es diesmal die Pflanzen, die sich gegen Klimawandel und Umweltverschmutzung zur Wehr setzten wollen. Bereits bei diesem desolaten und unrealistischen Plot scheitert die gesamte Produktion, da wären selbst die Aliens als Auslöser des Virus noch besser gewesen. Die Handlung, die schließlich um diesen Plot gestrickt wurde ist sogar noch schlimmer. Neben ein paar logischen Lücken, die einem beim Ansehen des Films förmlich ins Gesicht springen ist auch das offene Ende absolut unzureichend und unbefriedigend. Zudem ist die Story in groben Zügen vorhersehbar, so weiß man immer, wer als nächstes ins Gras beißen muss, da Shyamalan dann doch zu gradlinig auf sein Finale zusteuert. Neben dieser Apokalypse gibt es dann noch eine Nebenhandlung um Wahlberg und seine Frau, die sich ein bisschen auseinander gelebt haben und schließlich beim Weltuntergang wieder zusammenfinden. Dieser Handlungsstrang wirkt von vorn bis hinten aufgesetzt und ist alles in allem komplett überflüssig, aber in Relation zu dem restlichen Schwachsinn, den Shyamalan so auftischt ist es noch im Rahmen des Erträglichen, wobei vor allem hier, bei der Charakterkonstruktion keine einzige Stereotype ausgelassen wird. Vielschichtig ist der katastrophale Öko-Thriller natürlich nicht einmal im Ansatz. Neben der dürftigen Handlung nerven außerdem die unglaublich stupiden und zusammenhangslosen Dialoge und natürlich das dämliche Plädoyer gegen die Umweltverschmutzung und auch die Ausmaße dieser Katastrophe werden nicht sonderlich überzeugend und verstörend auf die Leinwand gebracht. Darüber hinaus ist die Story leider nicht komplex genug, um die Laufzeit von gerade einmal 90 Minuten zu füllen. Mir fällt spontan wirklich kein einziger Film mit einer schwächeren Story ein.

"Ich sehe tote Menschen, sie sind überall", sagte der völlig verstörte Haley Joel Osment zum Psychologen Bruce Willis und weltweit hielten die Menschen in den Kinos den Atem an. M. Night Shyamalan lieferte mit seiner ersten großen Hollywood-Produktion einen der besten Mystery-Thriller aller Zeiten, der sich in der Liste der besten Filme überhaupt noch vor "Titanic" und "Pulp Fiction" platzierte, Shyamalan mehrere Oscar-Nominierungen einbrachte und ein ganzes Genre revolutionierte. Es folgten der gelungene Mystery-Thriller "Unbreakable", die immer noch überdurchschnittlichen Filme "Signs - Zeichen" und "The Village" und dann schließlich das langweilige Mystery-Märchen "Das Mädchen aus dem Wasser". Spätestens nach letzterem dachte man doch, dass es nicht mehr schlechter geht, doch Shyamalan hat es tatsächlich gepackt und während er seinen Film bereits mit der Story zum Scheitern verurteilt, leistet er auch bei der Inszenierung dürftige Arbeit. Nachdem er bereits 5 Mystery-Produktionen in die Kinos gebracht hat, sollte man doch meinen, dass Shyamalan so allmählich in der Lage sein sollte, einen handwerklich soliden Film abzuliefern, aber nicht einmal das gelingt ihm. Shyamalan schafft es nicht einmal eine bedrohliche Atmosphäre aufzubauen und das, obwohl sich das Thema mit den allgegenwärtigen Pflanzen und den tödlichen Viren sehr gut dafür geeignet hätte. Die Filmmusik fällt kaum auf und will auch keine dichte Atmosphäre aufbauen und mit seinen Ton-Effekten gelingen Shyamalan lediglich 2 einigermaßen gezielte Schockmomente und das ist definitiv zu wenig. Die Hälfte der Szenen wirkt gestellt und statisch und damit kann er endgültig keinen Ansatz von Spannung aufbauen und da das Beziehungsdrama um Wahlberg und seine Angebetet ebenfalls nicht überraschen kann, ist der Film auch dramaturgisch ein Totalausfall. Mit Mark Wahlberg hatte Shyamalan wenigstens einen starken Darsteller, aber auch dessen Potential kann er nicht ausspielen. Bereits in der ersten Szene beginnen irgendwelche Menschen damit sich um die Ecke zu bringen und ohne Exposition wird man als Zuschauer einfach so in das Geschehen geworfen. Spätestens nach der ersten halben Stunde kommt einem als Zuschauer dann die traurige Gewissheit, dass das Öko-Filmchen nicht mehr die Kurve kriegen wird. Zum Ende hin, wenn die Handlung immer abenteuerlicher wird, vergeigt Shyamalan es dann endgültig und liefert damit den wohl schlechtesten Blockbuster des Jahres ab. Zudem verzichtet er auf Action-Szenen, die dem Geschehen wenigstens einen hohen Schauwert verschafft hätten und die lächerlichen Einstellungen, in denen irgendwelche Bäume, oder der bedrohlich wirkende Wind gezeigt werden wollen nicht so richtig zünden. Zu allem Überfluss sind bei der deutschen Kinofassung die meisten blutigen Szenen geschnitten. Da hätte man genauso gut einen Affen auf den Regiestuhl setzen oder Alfred Hitchcock exhumieren können, denn das, was Shyamalan da liefert ist eine Frechheit, das einzige Trostpflaster bleibt, dass er das Erzähltempo recht hoch hält und damit nicht allzu lang langweilt.

Nachdem Mark Wahlberg als Rapper und Model in Erscheinung getreten war versuchte er sich als Darsteller und kam als Sunny-Boy vor allem bei den weiblichen Zuschauern sehr gut an und stieg zu einem gefragten Darsteller auf. In den letzten Jahren versuchte er sich aber auch an Charakterrollen und zeigte zuletzt in "Unbesiegbar" und vor allem in "Departed", dass er einiges auf dem Kasten hat und gehört mittlerweile zur ersten Garde Hollywoods. Um so mehr stellt sich die Frage, welcher Teufel ihn geritten hat, bei diesem Schundfilm mitzuspielen. Seine Leistung ist alles in allem solide, aber bei weitem nicht so gut, wie sie sein könnte. Egal, ob er sich gerade mit einer grenzdebilen alten Dame unterhält, ob er gerade vorm Wind flüchtet, oder ob er von seiner Frau erfährt, dass sie ein Kind erwarten, Wahlberg runzelt die Stirn und setzt einen pessimistischen Blick auf, aber bei dem Drehbuch und der Regie kann man auch als Darsteller eigentlich nur den Kopf schütteln. Ansonsten ist er vor allem in den wenigen, im Ansatz spannenden Momenten überzeugend und passt mit seiner sympathischen Art sehr gut in die Rolle. Zooey Deschanel spielt ebenfalls mittelmäßig, leistet in den Szenen, die wohl dramatisch werden sollten ganz gute Arbeit, guckt mit ihren großen und tiefen Augen aber ein bisschen zu oft verträumt und ausdruckslos in die Kamera. Einzig und allein die gerade einmal 11-jährige Ashlyn Sanchez kann voll und ganz überzeugen und stellt mit ihrer sympathischen und unbeschwerten Art einmal mehr unter Beweis, dass sie zu den aussichtsreichsten Talenten Hollywoods gehört. Der restliche Cast besteht zum Großteil aus Laien, die nicht einmal ansatzweise überzeugen können.

Objektiv betrachtet hätte Shyamalans Horror-Mystery-Katastrophen-wie-auch-immer-Ökothriller damit voll und ganz einen von 10 Punkten verdient, aber stellenweise ist der Film dann wirklich so lächerlich und primitiv, dass er schon wieder ungewollt amüsant ist. Trash-Fans könnten also durchaus Gefallen an diesem Schund finden, denn wenn sich Wahlberg mit einer Blume unterhält und beinahe schon enttäuscht zur Kenntnis nimmt, dass sie aus Plastik ist, die Akteure die ganze Zeit über irgendwelche Bäume aus den Augenwinkeln beäugen und erwachsene Menschen vom Wind davonlaufen wird es teilweise wirklich lustig. Und auch die Sequenzen, in denen Shyamalan einfach mal aus komplett aus dem Zusammenhang ein paar Bäume einblendet haben durchaus einen gewissen Reiz und außerdem ist "The Happening" ein geeignetes Beispiel dafür, wie man einen Film auf gar keinen Fall machen sollte. Ich bin der festen Überzeugung, dass, wenn beispielsweise Quentin Tarantino diesen Film mit etwas mehr Blut und Gedärmen und einem bisschen schwarzen Humor verfilmt hätte, sich alle Kritiker und Fans vor Lob überschlagen hätten, doch das Problem ist, dass es Shyamalan mit diesem Film ernst meint.

Fazit:
Mit einer unrealistischen und lächerlichen Handlung, die kaum schlechter und flacher sein könnte, erbärmlichen Dialogen, einer langweiligen, teilweise trashigen und ungewollt amüsanten Inszenierung, Darstellern, die weit unter ihren Möglichkeiten bleiben und dutzenden lachhaften Szenen ist "The Happening" der wohl schlechteste Blockbuster 2008 und unterbietet sogar noch den desolaten "10.000 B.C.". Damit ist M. Night Shyamalans Öko-Thriller höchstens etwas für Trash-Fans oder für den Parteitag der Grünen.

29%

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