"Wenn die Biene von der Erde verschwindet hat der Mensch nur noch 4 Jahre zu leben."
M. Night Shyamalan ("The Village - Das Dorf", "Signs - Zeichen", "Unbreakable - Unzerbrechlich") vor allem bekannt durch den genial pointierten Film "The Sixth Sense" versucht mit "The Happening" seinen angekratzten Ruf zu erneuern und greift Stilmittel seiner früheren Filme auf.
In den an der Ostküste gelegenen Großstädten der USA häufen sich unerklärliche, durch Selbstmord ausgelöste Todesfälle. Der Biologielehrer Elliot Moore (Mark Wahlberg) wird mitten in seinem Unterricht aufgefordert die Stunde zu beenden, da die Behörden von einem terroristischen Angriff mit Giftgas ausgehen. Viele Menschen sind bereits in Panik ausgebrochen und flüchten aus den größeren Städten. Auch Elliot und seine Frau Alma Moore (Zooey Deschanel) packen ihre Sachen und fliehen mit Julian (John Leguizamo) sowie dessen siebenjähriger Tochter Jess (Ashlyn Sanchez) mit dem Zug aufs Land. Doch die Seuche hat bereits ihr näheres Umfeld erreicht was eine dauerhafte Flucht unmöglich macht.
Der Suspense Öko-Thriller beginnt erstaunlich mysteriös und derb mit dem Massensterben in einem Park und einer Baustelle, auf der sich Menschen zu hunderten von den Häusern stürzen. Danach gehts gemächlicher mit den Hauptcharakteren und deren dauerhafte Flucht weiter. Gemächlich, da sich nur in den seltensten Fällen die angesetzte Spannung durch Suspense Horror ausbreitet. Die gewählten Schauplätze sind nur gegen Ende beklemmend und angsteinflößend gewählt, und ausgerechnet dann werden die Möglichkeiten nicht mehr völlig ausgespielt.
Die Ansätze für eine unheimliche Atmosphäre sind vorhanden, denn die mit mysteriösen Klängen unterlegten Bilder passen zueinander. Es ist allerdings schwer vor etwas Angst zu haben, dass man visuell nur durch die Bewegung von Wiesen sieht, die sich zumal auch noch unnatürlich verhalten.
Plakativ wirken die Arten des angewandten Selbstmordes. Zu Beginn stößt sich ein Mädchen eine Haarnadel in den Hals, später lässt sich ein Zoowärter von Löwen beide Arme abreißen, ein weiterer legt sich unter einen laufenden Rasenmäher. Diese vereinzelten, drastischen Bilder wollen sich scheinbar nacheinander überbieten was auch gelungen und erschreckend dargestellt ist, sich aber in den sonstigen Ablauf nicht einfügen kann. Hier wäre ausnahmsweise mal weniger mehr gewesen, denn Angst und Schrecken soll sich bei Suspense Horror im Kopf und nicht direkt auf dem Bildschirm durch rohe Gewaltanwendung visualisieren. Dummerweise sind diese Gore-Szenen so gut gelungen, dass man sich mehr von diesen wünscht und durch deren geringe Anzahl zwangsweise enttäuscht wird.
Zwiegespalten lässt sich die Erzählweise betrachten. Sehr erzwungen konstruiert wirken die Ereignisse denen sich die Charaktere stellen. Diese reichen von überzeugend spannend bis lächerlich gestellt. Desweiteren entstehen Anschlussfehler durch ungenaue Schnitte. Und ausgerechnet im letzten Drittel fällt die Spannungskurve so weit ab, dass man sich eigentlich nur noch eine plausible Auflösung und den Abspann wünscht.
Nur wenig Zeit wurde den Figuren selbst gelassen. Viele Figuren werden nach ihrem auftreten als "Kanonenfutter" direkt verpulvert, was den Zugang zu diesen sowieso verwehrt. Aber trotz massig Leerlauf fällt das Charakterdesign und deren Entwicklung mickrig aus, dadurch wirken diese erstaunlich blass.
Die Handlung um den ökologischen Albtraum bewegt sich nur schleppend vorwärts, gleiches betrifft das integrierte Familiendrama, was sich nur am Rande abspielt und wohl nur einem zusätzlichen Happy End dienlich sein soll. Apropos: Das Finale selbst schwächelt und lässt den Zuschauer unzufrieden mit einem leicht offenen Ende zurück. Eine Auflösung wird aber tatsächlich geboten, wenn man das Argument der unerklärlichen Naturphänomene hinzu zählt.
Schauspielerisch kann ausgerechnet Zooey Deschanel ("Per Anhalter durch die Galaxis") durch zwei sehr unterhaltsame Szenen glänzen, in denen sie gelangweilt auf einem Bett / Sofa sitzt und nervös den Raum betrachtet. Witzigerweise ist diese eher durch Rollen im Komödiengenre bekannt, was sie in genau diesen beiden Szenen auch ausspielt. Enttäuschend sind Mark Wahlberg ("Shooter", "Departed") sowie John Leguizamo ("Land of the Dead", "Moulin Rouge", "Romeo + Julia") die beide ständig mit den gleichen monotonen Gesichtszügen in die Kamera starren.
"The Happening" bietet interessante Ansätze über die Umweltproblematik und eine sehr angriffslustige Art der Natur, die bisher so noch nicht auf der Leinwand zu sehen war. Leider war Shyamalan nicht in der Lage diese Grundsätze in eine spannungsgeladene und wendungsreiche Geschichte zu verpacken und somit an seine einstigen Erfolge anzuknüpfen. Ebenso sind eindeutig Parallelen zu seinem produzierten Film "Signs" zu erkennen, der aber besonders zum Schluss wesentlich beängstigender wirkte. Vielleicht hätte es geholfen die Bedrohung mehr in den Vordergrund zu setzen und einfallsreicher zu visualisieren. Knappe...
5 / 10