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"Die Welt ist krank, wenn der Starke den Schwachen quält."

370 Jahre vor Christus befindet sich das geteilte Land China in einem dauerhaften Krieg um die Vorherrschaft. Während einer Schlacht zwischen den befeindeten Königreichen Yan und Zhao wird der König der Yan Dynastie (Weihua Liu) hinterlistig durch seinen machtgierigen Neffen Wu Ba ermordet. Sein Plan sich selbst an dessen Stelle zu setzen schlägt allerdings fehl. General Muyong Xuehu (Donnie Yen) ordnet für die Thronfolge Prinzessin Yen Feier (Kelly Chen) an, die sich mangels militärischer Kentnisse erst einmal einer kämpferischen Ausbildung unterzieht. Ihre Widersacher sehen allerdings nicht tatenlos zu und planen einen Anschlag auf die Prinzessin. Durch diesen wird sie vergiftet und in einem abgelegenen Waldstück von Duan Lanquan (Leon Lai) gesund gepflegt. Da sie sich einige Tage keiner Anstrengung unterziehen darf, lernt sie das ruhige Leben im Wald kennen, während sich das Königreich Zhao erneut auf dem Vormarsch befindet und die Yan Dynastie zum handeln drängt.

Nach wie vor ist der Bereich der asiatischen Kampf- und Fantasy-Spektakel populär und weist mittlerweile zahlreiche Filme auf. Mit "Das Königreich der Yan" fügt sich ein weiterer Film in dieses Genre ein. Durch die Vielzahl ähnlicher Filme mit gleicher Thematik schleicht sich allerdings dauerhaft eine Wiederholungsgefahr ein. Und diese ist bei dem neuestem Werk des renommierten asiatischen Regisseurs Tony Ching Siu-Tung eindeutig ersichtlich.

Zugegeben, die Kulissen sind aufwendig und mit oppulenten Massenszenen sowie einem stimmungsvollen Soundtrack atmosphärisch untermalt. Diese Eigenschaften sind in den historischen Epen fest verankert und wohl kaum noch weg zu denken. Somit sind es vor allem die spektakulären Kampfszenen und eine wendungsreiche Geschichte, die über die Daseinsberechtigung eines weiteren Historien-Epos entscheiden.

Leider fällt die Handlung äußerst einfallslos aus. Auf Überaschungen oder clever konstruierte Sideplots wartet man vergeblich. Stattdessen erzählt "Das Königreich der Yan" seine Geschichte um ein gefährdetes Königreich, welches durch politische Intrigen und eine geschwächte Armee dem Verfall nahe ist, sehr strikt und linear. Die Bemühung durch eine Liebesgeschichte mehr Tiefe in die Handlung zu integrieren geht völlig schief. Zahm und harmlos fällt diese aus und bringt den Film beinahe zum stillstand.
Langatmig ist die Selbstfindungsgeschichte der Königstochter, die zudem übertrieben pathetische Töne mit sich führt und nicht immer ganz glaubhaft erscheint. Hier scheitert auch das Charakterdesign, das seine Figuren nur am Rande beleuchtet und den Zugang nur beschwerlich herstellt.
Obwohl der Plot langwierig vor sich hin plätschert und sich Zeit lässt, ist er sehr detailarm, gar lückenhaft ausgefallen. Einige Sequenzen werden schnell und in kompakter Form abgehandelt, wirken überhastet und lassen Handlungslücken offen. Eine genauere sowie ruhigere Erzählweise wäre hier um einiges schlüssiger gewesen. So fehlt leider ein wirklich mitreissender roter Faden.

Die actionbetonteren Szenen sind es, die den Film noch einigermaßen zusammen halten und auch sehenswert machen. Denn gerade im Produktionsdesign hat der Film durchaus seine Stärken und überzeugt vor allem mit einer detailverliebten Ausstattung.
Die Intensität der physischen Auseinandersetzungen ist besonders im großartigen Finale bemerkenswert. Das Spektrum der Schlachten ist durch bombastische Massenszenen, suizidale Alleingänge gegen eine Armee, oppulent choreographierte Zweikämpfe sowie taktische Kriegsführung weitreichend abgedeckt und bleibt weitgehend bodenständig.
Dass bei den chaotischen Massenkämpfen der auffällig schlechte, abrupte Schnitt zu tragen kommt, ist zwar nervig aber zu verschmerzen.

Zugpferd des Historienepos ist eindeutig Donnie Yen ("Die sieben Schwerter", "Hero") der schon des öfteren als unverwüstlicher, wilder Krieger glänzen konnte. Nicht ganz so glücklich ist die Wahl von Kelly Chen, der man die tapfere Krieger-Prinzessin nicht immer abnimmt. Spürbar ist bei ihr die Herkunft aus romantischen Komödien. Schönling Leon Lai ("Die sieben Schwerter") ist eher schmückendes Beiwerk und kann seiner Figur allein durch Drehbuchschwächen kaum Tiefe verleihen.
Zumindest gegen Ende geben die Darsteller durchweg richtig Gas.

"Das Königreich der Yan" überzeugt mit seinem Mix aus Historie, Melodram und Action nur bedingt. Zu viele Lücken bietet die Geschichte, zu wenig Tiefgang die Figuren. Gerade die Handlung wirkt blass, lustlos und vor allem zu unausgereift. Dafür glänzt der Film im Bereich der Action die detailliert und aufwendig inszeniert wurde, ohne etwas Neues zu bieten. Dieser Aspekt rettet das Epos gerade noch in den mittleren Bereich.

5 / 10

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