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Also, der Trailer hat wirklich neugierig gemacht. Ein Film über Jean-Claude Van Damme mit Jean-Claude Van Damme? Was mag das sein? Was passiert, wenn man aus einem Action-Star einen ganz normalen Typ mit Familien- und Finanz-Problemen macht? Ein bisschen biografisch, ein bisschen übertrieben, ein bisschen augenzwinkernde Selbstironie - das könnte wirklich ein unterhaltsamer Film werden.

Ist er dann auch tatsächlich geworden, obwohl JCVD viel von seinem Potential verschenkt. Das liegt aber keineswegs an Van Damme, die hier m.E. die beste schauspielerische Leistung seiner Karriere gibt. Allerdings muss ich zugeben, seine letzten Filme gar nicht zu kennen. Ich unterstelle einfach mal, dass alles nach Double Team in etwa auf diesem Niveau geblieben ist. Aber wer weiß...

Ich war Teenager, als ich Jean-Claude Van Damme zum ersten mal als Bösewicht in Karate Tiger gesehen habe. Ungefähr 25 mal, denn damals schaute man sich Filme jede Woche wieder an, weil die Auswahl gering war und man halt das ansah, was der große Bruder da hatte. Bloodsport war dann ein Jahr lang mein Lieblingsfilm, und in der Folgezeit schaute man alle Filme mit Jean-Claude Van Damme - genauso wie alles von Schwarzenegger, Stallone oder Seagal. Man war jung und hatte das Geld...

Irgendwann hieß es dann aber, Filme mit Jean-Claude Van Damme sind blöd. Und ebenso die Streifen von Seagal, Stallone und Schwarzenegger. Na gut, die von Arnie hat man trotzdem noch geschaut, weil es teure Blockbuster waren. Aber Jean-Claude Van Damme galt plötzlich als Karateka non grata - aber ich glaube nicht, dass das unbedingt am Schauspieler lag. Ich selbst interessierte mich nicht mehr so für Martial Arts-Actionfilme, ich wurde müde, immer dieselben Darsteller durch sämtliche Krisengebiete der Welt prügeln zu sehen. Aber für Teenager dieser Zeit waren es vielleicht auch Lieblingsfilme.

Und da bringt der Typ doch die Courage auf, sich selbst als abgetakelten Action-Held zu mimen. Kantig, menschlich, selbstironisch und unfreilillig komisch - JCVD schöpft das Potential der Idee gut aus. Leider bleiben fast sämtliche Nebenfiguren blass und unerklärt, schon die übliche Grunddämlichkeit der französischen, pardon, diesmal belgischen Polizei, nervt ziemlich schnell, und die Geiseln, die Jean-Claude Van Damme in der Post nimmt (!) bleiben gesichtslos und stumm. Hier verspielt der Film eindeutig viel an Tiefe und Emotion.

Aber dann diese brillanten Einzelszenen: die lange Action-Einstiegssequenz als gelungene Parodie auf sich selbst, die verschiedenen Einstellungen derselben Szene vor der Post. Der furiose "falsche" Schluss. Und natürlich Jean-Claude Van Dammes ergreifender Monolog mitten im Film. Ich musste mir fast eine Träne verdrücken...

JCVD ist kein Action-Film aber ein Jean-Claude Van Damme-Film. Vielleicht der erste und einzige überhaupt. Vor allem Enddreißiger wie ich, die mit den Filmen groß geworden sind und immer etwas wehmütig auf Jean-Claude Van Dammes absteigende Karriere geschielt haben, sollten sich den Film mal ansehen. Man erkennt den Mensch hinter dem Mann, die Möglichkeiten, die vertan wurden, oder vielleicht noch kommen mögen.

Auf jeden Fall ein Film, der im Gedächtnis bleibt.

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