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Jean-Claude van Damme scheint entgültig die Schnauze voll zu haben, von diversen Billigproduktionen. In "JCVD" kotzt er sich so richtig aus über Regisseure, diverse Produzenten, seinen Agenten und über sein Leben, dass von Problemen geprägt war. Auf jeden Fall ist der Belgier Jemand, der sich seine Karriere selbst erarbeitete. Er hatte damals keinen Agenten, sondern musste hausieren gehen. Bei Menahem Golan wurde er beim ersten Gespräch vor die Türe gesetzt, bevor er doch die Rolle in "Bloodsport" bekam. Dies war sein Durchbruch und er konnte sich einige Jahre in der Branche halten. Doch irgendwann geht es bergab, was Van Damm auch seiner Drogen und Alkoholsucht zu verdanken hatte. Hier beweist er wirklich Mut, denn er selbst kommt ziemlich schlecht weg. Aber es ist auf jeden Fall der richtige Weg, um beim Publikum kräftig Sympathien zu sammeln.

Nur warum musste man einen völlig unerfahrenen Regisseur und Drehbuchautor an die Sache heranlassen. Mabrouk El Mechri erzählt diese Story viel zu umständlich, das Drehbuch hätte lieber Van Damme persönlich schreiben sollen. Leider verläuft das Geschehen auf verschiedenen Zeitebenen und einige Szenen sieht man mehrmals, nur von einer anderen Person erlebt. Auch hätten ruhig einige Dialoge mehr über seine Filme drin sein können, das Thema John Woo wird zu kurz angeschnitten. Auch über seinen schwierigen Start in die Filmbranche wird kein Wort erwähnt. Ein wenig schade, denn Van Damme hat schon einiges erlebt und da wäre durchaus mehr Potential dagewesen und vor allem mehr Themen, über die man hätte diskutieren können.

Jean-Claude Van Damme steckt mächtig in der Klemme. Er ist dabei das Sorgerecht für seine Tochter zu verlieren, eine wichtige Rolle hat ihm Steven Seagal weggeschnappt, auch ist er pleite. Doch es kommt noch dicker. In seiner Heimatstadt Brüssel wird Jean-Claude in einen Banküberfall verwickelt. Für die Polizei sieht es so aus, als hätte Jean-Claude die Bank überfallen und Geiseln genommen. Die Bank ist bald von der Polizei umstellt und die drei Diebe scheinen immer mehr die Kontrolle zu verlieren.

"JCVD" beginnt wirklich toll, als wir Jean-Claude bei einer langen Actionsequenz beobachten dürfen. Minutenlang ohne Schnitt, muss sich der Belgier durch ein Kriegsgebiet kämpfen. Mit Waffen und auch im Nahkampf muss er sich beweisen. Es sieht alles gut aus, bis eine Pappkulisse umfällt. Jean-Claude ist völlig ausser Atem, er ist ja nicht mehr der Jüngste, doch mit dem unmotivierten Regisseur hat er kein Glück. Traurig geht es weiter mit dem Kampf um das Sorgerecht, den Jean-Claude verliert. In seiner Heimat will sie Jean-Claude erholen, doch das Pech verfolgt ihn. Er gerät in einen Banküberfall und muss für die Täter auch noch die Verhandlungen führen. Einer der Diebe ist ein großer Fan des Belgiers. Die Polizei ist schnell angerückt, doch auch Fans und Gaffer zieht der Überfall an. Schließlich ist ja ihr Idol in der Bank.

Leider dümpelt das Geschehen in vielen Szenen nur vor sich hin. Die Bemühungen von Commissaire Bruges (Francois Damiens) und seinen Mannen interessieren kaum, werden aber ausführlichst abgearbeitet. Man wartet immer darauf, dass Jean-Claude etwas unternimmt, die Täter vielleicht ausser Gefecht setzt, doch wir befinden uns hier in der Realität. Jean-Claude hat Angst wie die anderen Geiseln auch und kann gegen die Geiselnehmer nichts machen. So hat er zwischendurch Zeit für ein kleines Resumee, mit dem er gewollt den Zuschauer direkt anspricht.

Jean-Claude Van Damme ringt sich hier eine tolle Leistung ab, fast noch besser als in "Until Death". Sehr sympatisch und ehrlich verkörpert er sich selbst, einen Menschen der für seinen Ruhm kämpfen musste und für den es nicht nur Höhen gab. Man kann es auch als Abrechnung mit der Filmwelt bezeichnen, besonders als Kollege Seagal ihm eine Rolle wegschnappt, nur weil er seinen Zopf abschneidet. Es gibt viele Schatten in der Filmwelt, darin befand sich "Jean-Claude schon öfters. Toll finde ich, dass er offen und ehrlich zu seiner Alkohol und Drogensucht steht, die er vor ein paar Jahren überwand.

Überaus mutige Darstellung einer Actionikone. Eigentlich kann der Belgier dadurch nur gewinnen, denn mit der Wahrheit fährt man meist am besten. Sympathisch ist "JCVD" allemal, jedoch hätte ich auf dem Regiestuhl gerne Jemand anderes gesehen. Die Inszenierung könnte ein wenig besser sein, besonders das hin und her auf verschiedenen Zeitebenen hätte man vermeiden sollen. Aber "JCVD" kann sich schon sehen lassen, um zu erkennen, wer wirklich hinter den "Muscles from Brussels" steckt.

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