Die weiße Göttin der Kannibalen
Oftmals angepriesen als ein absoluter Höhepunkt des Kannibalenfilms entpuppt sich Sergio Martinos „Weiße Göttin“ als Abenteuerfilm mit einigen exploitativen Elementen. Weder kann der Film so unterhalten wie zum Beispiel „Cannibal Ferox“ noch wird die Qualität von „Cannibal Holocaust“ erreicht. Für Freunde des Kannibalenfilms bietet der Film eine viel zu amerikanische Story die sich mit Banalitäten aufhält und auch keine echte Euro-Trash-Atmosphäre.
Mit Ursula Andress und Stacy Keach hat man zwei abgehalfterte Hollywood-Stars am Start, doch deren Mitarbeit wirkt sich kaum positiv aus: In der italienischen Filmindustrie waren alte US-Größen mit Geldproblemen sehr beliebt und wurden oft als Zugpferde für (oft minderwertige) kleine Produktionen gebraucht. Leider wirken Andress und Keach hier total gelangweilt und demotiviert, ich hätte lieber B-Stars wie David Warbeck in der Besetzungsliste gesehen.
Wie für das Subgenre typisch baut Martino hier einige explizite Tier-Snuff Szenen ein und am Ende sogar eine kurze (und nicht explizite) Sodomieszene. Weiterhin versucht der Regisseur seinem Machwerk einen seriösen Anstrich zu verpassen, was aber auf der ganzen Linie scheitert. Dramaturgisch versagt der Film auf ganzer Linie, wodurch die lahme erste Stunde zur Qual wird. Wären da nicht ein paar kurze Gore-Effekte, würde wohl auch der letzte vor Langeweile einschlafen. Besonders durch die bemüht ernste Machart kann man rassistische Untertöne nicht verdecken was aber bei einer derartigen Produktion keine Rolle spielen dürfte, schließlich handelt es sich hier um kommerzielles Unterhaltungskino.
Im Letzten Drittel kommt noch etwas sleaziger Charme auf, das konventionelle Ende enttäuscht dann aber wieder auf ganzer Linie. Auch die psychologischen Elemente können nicht überzeugen, so fährt der vielbeschäftigte Regisseur Martino auch seinen Beitrag zum Kannibalenfilm-Subgenre in den Dreck. Da hat mir der späte Italo-Western „Mannaja“ viel besser gefallen, auf der anderen Seite fabrizierte der Mann aber auch schlimmeren Müll als „Die weiße Göttin“, so z.B. den unsäglichen Trashfilm „Insel der neuen Monster“.
Fazit: Nicht Martinos bester und nicht sein schlechtester. Auch im Kannibalen-Genre gibt es bessere Filme (z.B. „Eaten Alive“) aber auch viel üblere Beiträge (z.B. Jess Francos „Die Blonde Göttin der Kannibalen“). So dümpelt dieser Film im Fahrwasser eines längst vergangenen Genres herum – was kann man bei einer derartigen Belanglosigkeit noch weiter schreiben?
04 / 10 = Purster Durchschnitt, nur für Fans und Komplettisten.