Die Kritik beruht auf der ungeschnittenen DVD-Fassung vom Label XT in der auf 1000 Exemplare limitierten großen Hartbox!
Regisseur Sergio Martino, verantwortlich für unzählige Gialli wie "Der Killer von Wien" oder "Torso", beweist auch mit "Die weisse Göttin der Kannibalen" sein vielseitges Talent als Filmemacher.
Sein in der Blütezeit des Kannibalenfilms entstandener Streifen ist trotz seines reißerischen Titels weniger Kannibalen- als vielmehr ein farbenprächtiger Abenteuerfilm mit wunderbaren Landschaftsaufnahmen. Erst in der letzten halben Stunde serviert Martino seinem Publikum die zahlreichen Unappetitlichkeiten, die Werke wie "Lebendig gefressen" oder "Die Rache der Kannibalen" ausmachen.
Die Handlung des Streifens ist so dünn und ebenso bekannt wie die der bereits genannten Werke, dient aber weniger als Alibi für endlose Ausweidungen und Fressszenarien, sondern bildet das Gerüst für einen spannenden Abenteuerfilm, der seine Hauptdarsteller durch die unerforschten Gebiete Neu-Guineas führt und sie einer Vielzahl von Gefahren aussetzt, wobei tödliche Raubtierfallen genauso zum Einsatz kommen wie riesige Würgeschlangen, giftige Spinnen oder gefrässige Riesenkrokodile.
Im Gegensatz zu anderen Produktionen wird das Darsteller-Ensemble von drei hochkarätigen und bekannten Schauspielern angeführt: Ursula Andress, Stacy Keach und Claudio Cassinelli. Vor allem Ex-Bondgirl Andress ist in ihrer freizügigen Rolle nicht nur hübsches Beiwerk, sie überzeugt ebenso durch ihr Schauspiel wie ihre beiden männlichen Kollegen, die während der Dreharbeiten jede Menge Strapazen zu bewältigen hatten. Sergio Martino verlangte seinen Darstellern einiges ab, was sein Werk qualitativ und auch darstellerisch von anderen Produktionen unterscheidet. Ebenso sorgt der vielseitige Score von Guido und Maurizio De Angelis sowohl für unheimliche Stimmungen als auch für das nötige Urwald-Feeling.
Die Kritik beruht auf der ungeschnittenen DVD-Fassung, die durch einige Szenen (Sex zwischen Kannibalen, Selbstbefriedigung eines Kannibalenmädchens und eine weitere Sexszene zwischen einem Kannibalen und einem Hausschwein) erweitert wurde. Diese drei Szenen wirken sehr befremdlich und passen überhaupt nicht zum Rest des Films, der somit einen bitteren Beigeschmack bekommt.
Auch im letzten Drittel des Films, jenem Teil des Werks, in dem die Protagonisten auf die menschenfressenden Eingeborenen stoßen, flacht "Die weisse Göttin" etwas ab und reiht ein Klischee an das andere, wobei auch hier die Kannibalen mit ihren zotteligen Haaren und ihrer albernen Bemalung teilweise für unfreiwilligen Humor sorgen.
Unterm Strich bleibt jedoch ein sorgfältig inszenierter Film, der zwar nicht annähernd die Spannung und Dramatik von Martinos Gialli erreicht, aber um Längen besser ist als der ein jahr später entstandene Film "Der Fluss der Mörderkrokodile" und im Genre des Kannibalenfilms zu einem der besten seiner Art gezählt werden darf.
7 von 10 Punkte!