Ein Kannibale kommt selten alleine
Jedes Jahrzehnt hatte im Filmgeschäft seinen Genreschwerpunkt zu verzeichnen. In den funkigen 70er lag der Fokus auf dem Exploitation sowie dem Blaxploitation und dem Bruceploitation Genre. Eine Flut von oftmals billiger Qualität prägender Movies überschwemmte regelrecht die (Bahnhofs) Kinos und Videotheken.
Die Quali pendelte von schrottig bishin zu brauchbar, wobei die Quantität die Qualität überflügelte. Die Italiener machten sich das Kannibalengenre zunutze und feierten vor allem in Europa Erfolge, was zugleich aber auch die Sittenwächter sowie Zensurbehörden auf den Plan lockte. Einen dieser Exploitationausflüge wagte 1978 auch Sergio Martino, der bis dato kaum ins Gewicht fiel, ausser 1973, als sein harter Giallo "Die Säge des Teufels" seine Runden drehte. Mit "Die weisse Göttin der Kannibalen" schuf er mitunder einen der härtesten Vertreter dieses Subgenre.
Die reiche Susan Stevenson und ihr Bruder suchen auf Neuguinea den kaltschnäuzigen Abenteurer Edward Foster auf, um ihren verschollenen Ehemann zu suchen; doch das Gebiet wurde für Zivilisten behördlich gesperrt. Trotzdem dringen sie in den Dschungel ein und geraten dabei in die Hände eines längst ausgestorben geglaubten Kannibalenstammes. Eine Flucht scheint beinahe schier unmöglich.
Im Gegensatz zu anderen landestypischen Vertretern,mischte Martino hier Abenteuerfilm mit dem Kannibalengenre, wobei ersterer den Hauptteil des Filmes ausmacht, zum Ende hin aber der gepriesene Kannibalismus das Steuer übernimmt und das in voller Pracht: Fleischbeschau gibt es reichlich von aussen wie innen. Zusätzlich wurde dem Film eine Sodomieszene beigefügt, die auch ihren bitteren Nachgeschmack abgeben dürfte. Auch leider enthalten, wie so artengleich, die berühmten Tiersnuffszenen, die Gang und gebe waren.
Spannend in Szene gesetzt, mit einem herausstechenden, jungen Stacy Keach (Mike Hammer) und Bondgirl Ursula Andress, die eine sexy Figur macht. Es gibt Wendungen, einen einprägenden Soundtrack der Gebrüder de Angelis, aka Oliver Onions, berühmt für ihre unzähligen musikalischen Beiträge in fast allen Spencer / Hill Filmen und nicht zuletzt die blutigen Fresseinlagen der klischeebehaftenden Kannibalen.
Also keine billig heruntergekurbelte 08 /15 Chose ohne Sinn und Verstand, sondern handwerklich solides Abenteuerkino, bei dem man allerdings einen stabilen Magen mitbringen sollte.
Ist die ab 18 Freigabe gerechtfertigt? Klares Ja; in der Uncut Version ist die Beschlagnahme auf jeden Fall gerechtfertigt! Extrem brutale Kannibalenkost, die den Zuschauer nicht verschonen will.