"Die Menschen die hier festsitzen, mich eingeschlossen, fragen sich immer wieder, warum."
Reporterin Angela (Jennifer Carpenter) und Kameramann Scott drehen auf einer Feuerwehrwache in Los Angeles eine Dokumentation. Während sie gespannt auf einen Einsatz der Männer warten, interviewen sie Jake (Jay Hernandez) der ihnen bereitwillig Auskunft über das Leben in der Wache gibt.
Am Abend trifft der für das zweiköpfige Dokumentationsteam erhoffte Notruf ein. Die beiden begleiten die Feuerwehrmänner vor Ort. Statt eines Feuers berichten die Einwohner eines Mietshauses von schreien aus einem Apartment. Zwei Polizeibeamte sind bereits im Einsatz und stürmen die Wohnung. Die dort wohnende, ältere Dame scheint zuerst verwirrt, fällt dann aber einen der Polizeibeamten an und verletzt ihn schwer durch einen Biss in den Hals. Noch bevor die Beteiligten Hilfe rufen können ist plötzlich der Ausgang verschlossen. Das Gebäude wird vom Militär bewacht und unter Quarantäne gestellt.
Reporter, Feuerwehrwache, Dokumentation, Mietshaus, Biss in den Hals, Quarantäne... gabs das nicht schonmal? Aber klar, und das ist noch garnicht so lange her. Gerade mal ein Jahr zuvor sorgte der spanische Horrorfilm "[REC]" für Furore durch schlichte, aber sehr innovative und schockierende Atmosphäre. "Quarantäne" ist nicht nur ein Remake. Der Film geht soweit, beinahe identischen Inhalt zu präsentieren. Dies schlägt sich nicht nur auf die Handlung nieder, sondern auch auf massig Szenen die 1:1 übernommen wurden.
Wofür ein Film der im Grunde kurze Zeit zuvor bereits schonmal zu sehen war? Dazu muss man erstmal die Hintergründe verstehen.
Im Gegensatz zu uns Europäern ist "[REC]" an den Amerikanern vorbei gelaufen. Bereits zu Produktionszeiten des Originals wurden die Produzenten von "Quarantäne" auf das spanische Werk aufmerksam. Kaum nachdem es im Kasten war, liefen bereits die Arbeiten für das Remake. Man hatte vor, der westlichen Welt eine optisch polierte Form des Horrorfilms zu präsentieren.
Insbesondere hier sind die wenigen Unterschiede auffällig. Während "[REC]" einen rauen Look bietet, scheint in "Quarantäne" die Aufnahmequalitäten der Handkamera wesentlich professioneller zu sein. Dies vermag zwar den Eindruck der Pseudo-Dokumentation nicht mehr klar zu verbreiten, fängt aber die dramaturgischen Hänger besser auf.
"Quarantäne" ist ein überraschend gut gelungenes Remake, was durch ein paar sinnvolle Änderungen und Erweiterungen im kinogerechten Stil für einen besseren Gesamteindruck sorgt. Man merkt direkt, dass die Amerikaner etwas mehr Pepp in das Geschehen einbringen wollen. So wurde die Einführung auf gerade mal 10 Minuten herunter gekürzt.
Die Einführung der Charaktere hatte schon bei "[REC]" nicht funktionieren wollen, hier wurde sie auf ein Minimum an Daseinsberechtigung komprimiert. Als Ausgleich gehts wesentlich flotter zum eigentlichen Thema über. Dem Überleben einiger Personen in einem Mietshaus, welches durch Virus verseuchte Menschen zu einem rasanten Horrortrip wird. Angenehm ist dabei der Ausfall von nervig übertriebenem Geschreie der Figuren.
Durch den angewandten Handkamerastil in "[REC]" erfährt der Zuschauer auch in "Quarantäne" das Geschehen sehr nah. Die Bilder werden gut und glaubhaft eingefangen. An einigen Stellen ist das Ganze vielleicht etwas zu glatt geraten, dies tut der stimmigen Atmosphäre aber keinen Abbruch. Nur im Finale kommt es durch extremes Gewackel der Kamera zu unübersichtlichen Szenen.
Die Handlung hat wie schon das Original schlichte, klischeebeladene Figuren und eine immense Spannung. Gerade bei letzterem erkennt man die Nacharbeit an, denn viele kleine Details führen zu einem intensiveren Erlebnis als bei "[REC]". "Quarantäne" ist ereignisreicher und trotzdem nicht überladen. Wo die Vorlage bis in den mittleren Teil zwar Interesse weckte aber ein eher mäßiges Tempo vorlegte, drückt das Remake von Beginn an das Gaspedal durch.
Obwohl viele Schreckeffekte vorhersehbar scheinen und die Glaubwürdigkeit stellenweise auf der Strecke bleibt, können die verstörenden Ereignisse langzeitlich für eine wahnsinnig dichte Horroratmosphäre sorgen. Zu Hilfe eilen da explizite Details, wie zertretene Ratten, heraus ragende Knochen und klaffende Bisswunden. Komisch ist bei der drastischen Darstellung die herunter geschraubte Freigabe auf FSK 16.
Die Darsteller kann man ohne weiteres als zweckmäßig umschreiben, nicht mehr und auch nicht weniger. Die immer präsente Jennifer Carpenter ("Der Exorzismus der Emily Rose") ist überzeugend, ebenso Jay Hernandez ("Hostel", "World Trade Center"). Die Verunsicherung der Figuren ist durch ihre Gestik und Mimik gut abzulesen.
"Quarantäne" behebt durch Feinschliff viele kleine Mängel von "[REC]" und hebt das gleiche Konzept durch einen höheren Aufwand und mehr Effekte auf Hochglanz-Kino-Niveau. Die verstörende, beklemmende Atmosphäre bleibt erhalten, ebenso massig Ungereimtheiten. Wer flotteres, amerikanisches Niveau bevorzugt greift zum Remake, wers langsamer angehen lassen mag zum Original.
8 / 10