"Quarantäne" ist ein weiterer Film, der versucht, im Found Footage-Genre Fuß zu fassen, in dem die Reporterin Angela Vidal (Jennifer Carpenter) eine Berichterstattung über den Alltag der Feuerwehr in Los Angeles drehen will. Nach einer kurzen Einführung in die Aufenthalts-, Schlaf- und Freizeiträume müssen die Feuerwehrmänner auch schon zu ihrem ersten nächtlichen Einsatz: Eine in einem großen Mietshaus wohnende Frau stoßt laute Schreie aus, ängstliche Nachbarn machen sich Sorgen. Auch die Polizei ist schon vor Ort. Als man bemerkt, dass die Frau eine aggressive Form von Tollwut hat, die über Bisse und Blut übertragbar ist, ist es schon zu spät. Denn die Seuchenschutzbehörde hat das Haus bereits hermetisch abgeriegelt, so dass keiner der sich darin befindenden Personen mehr raus kommt.
Bewohner, Polizei, Feuerwehr und auch Reporterin Angela kämpfen daraufhin ums nackte Überleben...
Wem das alles sehr bekannt vor kommt, der dürfte wohl nicht ganz falsch mit seinem Gefühl liegen. Denn "Quarantäne" ist nichts anderes als das Remake von dem spanischen Mockumentary-Hit "[Rec]" (den ich bis heute immer noch nicht gesehen habe und daher keine Vergleiche ziehen kann), der nur ein Jahr (!) früher auf den Markt kam. Na, da waren die Amis dreist und flott zugleich.
Wie von diesem Genre gewohnt fängt alles gemütlich an, gepaart mit ein paar dreckigen Neandertaler-Witzen der Feuerwehrleute. Angela wird von ihrem Kameramann Scott (Steve Harris) begleitet, der dank seines Berufes vielleicht zwei Minuten Spielzeit bekommt und immer "hintendran" mitdiskutiert. Erfreulicherweise lässt man sich wie in manch anderen Produktionen nicht so viel Zeit und geht recht schnell ans Eingemachte. Den dicken Storyklops, dass gefühlte zehn Minuten später das Seuchenkommando anrückt und alles abschottet und wegballert, was sich nach außen wagt, muss man dennoch schlucken. Ich denke, die heranrasende Polizei sowie die Feuerwehrleute hätte man über Funkkontakt warnen können - zudem bekommt "die Hilfe von außen" durch ihr nahezu diabolisches Verhalten einen fast so bedrohlichen Anstrich wie die Infizierten selbst. Ob das so gewollt war?
Doch genau an den Punkt, bei dem die Hatz an Fahrt aufnimmt, beginnen die Probleme (für den Zuschauer). Die Ausgangslage ansich ist in Ordnung, auch die Tatsache, dass die Zombies, sorry, mit Tollwut infizierten Menschen äußerst aggressiv und rennend zu Werke gehen tun dem Film gut. Was dem Film nicht gut tut sind zum einen äußerst dumm agierende Protagonisten, die förmlich danach schreien, gebissen und somit infiziert zu werden. Wenn man doch weiß, dass ein Biss im Endeffekt tödlich endet, versuche ich doch alles, um Körperstellen zu verteidigen und schützen. Nein, lieber werden Infizierte weiter "ärztlich" versorgt, anstatt den Untoten direkt mit dem Ellbogen das Gesicht zu spalten, die dann natürlich in den rar gesähten Schockmomenten erwachen und sich ein menschliches Sniggers gönnen. Selten passiert mal ein Fauxpas, der auch uns passiert wäre. Was auch etwas übertrieben wirkt, ist dass die Reporterin ständig ihre Titten in die Kamera halten muss und somit knapp ein Drittel der für den Zuschauer sichtbaren Fläche wegnimmt. Mein Gott, wir sind hier nicht bei einem "Tomb Raider"-Spiel in der Third-Person-Perspektive.
Doch richtig weh tut dann erst die Kameraführung, die den ganzen Film runterzieht und im End- und Nacheffekt vernichtet. Natürlich gehört das Stil- bzw. Brechmittel Wackelkamera zu der Grütze dabei. Aber man sollte es nicht übertreiben. Und dies tut man leider bei "Quarantäne". Der Zuschauer bekommt neben Schaum vor´m Mund zwar noch das meiste mit, was da passiert, aber das tut den Augen dermaßen weh und zieht mein persönliches Aha-Erlebnis dermaßen in den Keller, dass ich nach dem Abspann nicht mehr von Unterhaltung, sondern Folterung an meinem eigenen Körper sprechen kann. Dass die "Terroristen" draußen dann noch den Strom kappen und zu der verwichsten Wackelkamera demzufolge Lichtquellen ein seltenes Gut im letzten Drittel darstellen, sorgt für eine abgefuckte Kombination aus Wackelkamera, Hetze, Dunkelheit und noch mehr Kotze vor meiner Couch.
Ruhepausen für die Augen werden mir nicht mehr gegönnt und auch der Schluss ist nicht überraschend, so dass man bei diesem Schinken davon sprechen kann, ihn zu ignorieren und lieber zum Original oder zu anderen Werken greifen sollte. Denn außer den Publisher macht der Streifen höchstens die Pharma-Industrie reich, die sich dumm und dämlich an Kopfweh-Tabletten damit verdienen dürfte.
3/10