Review
von Leimbacher-Mario
[Rep]
„[Rec]“ ist ein Found Footage-Klassiker - nicht nur in Europa, nicht nur in modern. Doch da die Amis noch viel ungerner Untertitel lesen als wir Deutsche, deren Synchroarbeit nie auf unser Level kommen musste und genug finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, macht man dort in und um Hollywood oft von europäischen (Horror)Hits ganz einfach direkt die eigene Version. „Quarantäne“ heißt deren Ableger, aus Madrid wurde L.A., doch ansonsten hält man sich sklavisch nah an sein grandioses Vorbild. TV-Crew, Feuerwehr, abgeriegelten Haus, tollwütige Menschen darin. Fertig. Dass führt natürlich für sich allein stehend, als einsamer Film, zu einem soliden Schreckgespenst - doch jeder der das Original kennt und schätzt, braucht dieses unnötige Remake wie einen eingewachsenen Fußnagel...
Selten hat mich die Frage mehr als hier beschäftigt: soll ich den Film an sich bewerten, ohne mein Vorwissen oder seine nicht vorhandene Kreativität? Dann würde er wohl eine 6,5/10, vielleicht sogar mehr bekommen. Da er spannend, hart und höllisch effizient ist. Oder soll ich Filmgeschichte und Vorbild mit einfließen lassen? Dann müsste man die Wertung wohl auf 3,5/10 heruntersetzen. Ich habe mich für eine Mischung entschieden, jeder kann diese ja für sich persönlich anpassen bzw. überlegen, wie wichtig ihm Eigenständigkeit und Mut sind. Copy&Paste sehen viele nämlich fast als Cheaten an, was ich verstehen kann. „Quarantäne“ ist an sich solide, Jennifer Carpenter spielt schön hysterisch, die letzten 10 Minuten sind auch hier wohl mit das Gruseligste, was man sich allein um 0 Uhr antun kann und es ist und bleibt ein Panikfest. Und dennoch ist, trotz der fast schon 1:1-Umsetzung, das Original auch in Details noch besser. Die Kamera wirkt im US-Remake unnötigerweise hektischer, alles wirkt weniger authentisch und eher künstlich, es wirkt einfach weder neu noch notwendig. Und aus der multikulturelleren Zusammensetzung der Hausbewohner wird auch sträflich wenig bis gar nichts gemacht. Wegen dem aktuellen Virus-Thema einmalig geguckt und nachgeholt - in Zukunft werde ich dennoch immer zum Original greifen. Oder zu einer von dessen Fortsetzungen, die auch noch allesamt fordernder und interessanter sind, als dieser lahme Cashgrab, wenn man es böse und streng auslegt. Kann „Quarantäne 2“ mehr? Oder ist er zumindest sein eigenes Biest?!
Fazit: unkreativer, wenn auch noch immer recht intensiver Ami-Aufguss des spanischen Wackelkamera-Hits. Im direkten Vergleich deutlich unterlegen, alles andere als nötig - und dennoch creepy und kurzweilig. Für Nichtkenner des Originals erst recht. Aber die gibt es hoffentlich kaum noch. Ich persönlich kann die fehlenden Ideen, den nicht vorhersehen eigenen Charakter und die unauffindbare Seele nie ganz ausblenden.