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So, so, ein riesiger uralter Webstuhl weissagt eine Todesliste voraus, Pistolenkugeln können (locker aus dem Arm geschüttelt) ellipsenartige Kurven fliegen und manche Helden überleben problemlos einen Sturz in geschätzte 600 Meter Tiefe.
Comic-Verfilmungen dürfen das. Sie müssen keinen Sinn ergeben, aber cool ausschauen und zumindest den Anspruch erfüllt „Wanted“, sogar in jeder Hinsicht.

Der total desinteressierte Account-Manager Wesley (James McAvoy) mutiert innerhalb der geheimen Bruderschaft, bestehend aus perfekt ausgebildeten Killern, vom gelangweilten Buchhalter zur versierten Tötungsmaschine. Mit einem Ziel: Den Aussteiger zu eliminieren, der seinen Vater tötete…

…bereits da klaffen in Sachen Plausibilität und Nachvollziehbarkeit großen Lücken.
Woher die plötzliche Affinität zum Vater, den Wes sein Leben lang nicht vermisste?
Warum gibt man sich nach einer mörderischen Hatz durch die Stadt nicht mit einem prall gefüllten Konto zufrieden und was ist das überhaupt für ein Regenerierungs-Bad, das alle erdenklichen Wunden innerhalb kürzester Zeit komplett verschwinden lässt?

Der Fragen-Katalog ließe sich noch schier endlos anreichern und es gäbe noch mehr zu bemängeln, als dass die Hauptfigur trotz Off-Kommentare zu durchschaubar bleibt, Angelina Jolie an der Seite des Helden zwar noch ihren verführerischen Gesichtsausdruck drauf hat, aber dennoch wie eine seelenlose, erschreckend abgemagerte Akrobatik-Kämpferin anmutet und Morgan Freeman als Boss der Bruderschaft nicht mit der gewohnten Synchro ausgestattet wurde.
Alles Aspekte, die weitgehend unter den Tisch fallen, denn wer sich auf „Wanted“ einlässt, sollte grundlegend keine tiefgehende Story mit Feingefühl erwarten.

Vorherrschend gibt es Schwarzweiß-Malerei fürs kindliche Gemüt und radikale Action, die sämtliche Gesetze der Schwerkraft außer Kraft setzt, - da mag man sich gar nicht mehr so sehr auf die kaum vorhandene Story konzentrieren, wenn abermals die Flugbahn einer Patronenhülse in Zeitlupe verfolgt wird, bis sie (das kommt durchaus vor), in die Stirn des Opfers eindringt und mit einer Blutfontäne aus dem Hinterkopf wieder hervortritt.
Skurrile Schauwerte, wohin das Auge reicht und wenn es auch „nur“ eine alte Burg in Prag ist, die uns als Teil von Chicago verkauft wird.
Zum Mitfiebern, und um Sympathien zu verteilen, langt es, Wesleys beschwerlichen Weg innerhalb der Bruderschaft zu verfolgen, mit wiederkehrenden Schlägen zur Abhärtung, Training mit einem Messer-Spezialisten und Turnen auf dem Dach eines Zuges, um ihm anschließend alles Gute für den Showdown zu wünschen.

„Wanted“ setzt auf Hochglanz-Action mit perfektem Timing. Da kann sich auch mal ein Fahrzeug überschlagen und innerhalb zweier Millisekunden der tödliche Schuss abgefeuert werden, - das anvisierte Opfer wird definitiv zielgenau getroffen, seien die realen Chancen auch noch so gering. Ein Schmunzeln bleibt infolgedessen nicht aus, da mache Szenen einfach nur grotesk anmuten.
Und eben solche Momente werten dieses eigentlich hirnlose Spektakel gehörig auf.

Irre Verfolgungsjagden, blutige Schießereien und ein (fast unfreiwilliger) Held, - für flockige Unterhaltung reicht das allemal, sofern man bereit ist, diverse Unzulänglichkeiten hinzunehmen und Sinn für Moral und Ethik an der Kino-Garderobe abzugeben.
Denn innerhalb dieser Comic-Welt sind zweifelhafte Botschaften, sowie bombige Ratten verzeihbar, zumindest solange, wie man aufgrund beeindruckender Action nicht plötzlich anfängt nachzudenken.
7 von 10

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