Was will ich eigentlich mal werden?
Womit werde ich mal meine Brötchen verdienen?
Wer werde ich einmal sein, und wird es das sein wofür ich auch bestimmt bin?
Alles Fragen, die sich der vom Leben hin und her geschubste Wesley Gibson nie gestellt hat.
Sein Job als Buchhalter war wohl ein beliebiger Entschluss, und dem geht er auch ohne Motivation nach.
„Every day is exactly the same“
Dieser Song der Nine Inch Nails unterstreicht das von Wesley selbst als „erbärmlich“ bezeichnete Leben sehr gut; jeden Tag dieselbe Scheiße.
Die Arbeit macht keinen Spaß, ist mies bezahlt, die widerliche Chefin geht permanent auf den Sack, die Freundin stresst und wird darüber hinaus auch noch von seinem vermeintlich besten Freund gevögelt.
Kurz: Er hat die absolute Arschkarte fürs Leben gezogen.
Da helfen seine Anti-Stress Pillen recht wenig...
Doch wie es der Zufall will, ist er der Sohn einer verstoßenen Killer-Legende.
Die zugehörige Bruderschaft von Assassinen zerrt Wesley aus seinem bisherigen Leben, weiht ihn in seine wahre Identität ein, und bildet ihn schließlich zum Profi Killer aus.
Nun hat sein Leben einen Sinn, nun ist er das, wofür er bestimmt zu sein schien, er geht seinem Job mit Motivation nach, denn er ist in die Fußstapfen seines Vaters getreten, und nutzt diesen Weg auch, um dessen Tod zu rächen...
...doch am Ende ist natürlich wieder alles ganz anders als es den Anschein hatte.
Der Plottwist am Ende erscheint zwar nicht mehr ganz so überraschend, da er kurz vor Enthüllung vorhergesehen werden kann, aber wenigstens bemüht sich der Film um inhaltliche Überraschungen.
Die größte Überraschung im Film aber ist die überaus durchgeknallte, comichafte Inszenierung.
Ich hatte einen straighten Actioner mit einigen kleinen Übertreibungen erwartet, heraus kam aber eine Mischung aus Spiderman und Hard Boiled.
Das Script hat hier für die Actionszenen solch unrealistischen Unfug vorgesehen, dass der Griff zu CGI als die bequemste Lösung schien.
Aber es sieht auch wirklich gut aus.
Gegen Busse seitwärts rotierend krachende Sportwägen und eine Schlucht hinab hängende Zug-Wagons sind hier einige der Actionhöhe Punkte, aber auch die Gunfights, ganz besonders Wesley's Durchmarsch am Ende sind nicht zu verachten.
Hier wird ausgiebig Gebrauch von Slow Motion gemacht, erfreulich wenig dabei geschnitten, und immer wieder zoomt und schwenkt die Kamera hin und her, damit das Geschehen auch ja aus jedem Blickwinkel eingefangen wurde; eben ganz typisch Bullettime.
Die Inszenierung ist wirklich makellos, und die Idee an einigen Stellen die Zeit zurück zu spulen um den direkten Luftweg einer Sniper-Kugel einzufangen, macht diese Szenen um so denkwürdiger.
Und auch Hauptdarsteller James McAvoy bleibt in seiner Rolle als Wesley Gibson unvergesslich.
Den Peter Parker-ähnlichen Loosercharakter nimmt man ihm voll ab, ebenso aber auch seinen Wandel zum beinharten Waffennarren.
Großartig die Szenen, in denen er voller Genugtuung seinem Ex-Leben den Stinkefinger zeigt.
Hier ist es dann aber auch vorbei mit der Identifikation.
Denn sobald er versucht in die Fußstapfen seines Vaters zu treten, habe ich mich von Gibson distanziert, denn nicht länger ist er ein bemitleidenswerter Außenseiter, sondern ein Killer, der seine Aufträge von einem Webstuhl annimmt.
Die Idee mit dem Webstuhl, der absichtlich Webfehler verursacht, die tatsächlich einen binären Zahlencode ergeben, und daraus folgend ein Name entsteht, der Ziel eines Anschlages werden soll, ist zwar irgendwo originell, aber auch verdammt nochmal beknackt, und will in diesen sich ansonsten so ernst nehmenden Film nicht passen.
Zwar nicht komplett überflüssig, aber auch nicht zwingend notwendig erscheinend sind auch die, vor allem gegen Ende auftretenden perversen Gewaltorgien.
Hier und dort gibt es mal eine unangenehme Szene wie der Messerstoß in die Hand, oder der brennende Kopf (aber nur angedeutet), doch wenn Gibson am Ende mit einer .357er Magnum irgend einem Bad Guy ein Loch in den Schädel pustet, Selbiges nutzt, um den Lauf seiner Waffe dort hinein zustecken und dann fröhlich mit einer Leiche als Schutzschild weiter ballert, ist es einfach nur noch geschmacklos.
Überhaupt will der Film Gewalt als legitim proklamieren.
Das pseudo tiefgründige Gelaber von wegen „Töte einen und rette tausend“ ist so haarsträubend, dass man am liebsten das Drehbuch den Autoren um die Ohren hauen möchte.
Gut, nehmen wir den Film in Schutz und gestehen uns ein, dass das alles ja auch nur aus Sicht der „Profi Killer“ so geschildert wird.
Im besagten Falle von Fox, „gespielt“ von Angelina Jolie, die im Prinzip wieder nicht mehr tut, als gut auszusehen und selbstbewusst in die Kamera zu grinsen.
Jolie Kritiker können sich hier jedenfalls wieder austoben.
Und auch Schauspielass Morgan Freeman will hier nicht so recht gefallen.
So gut er als Schauspieler auch sein mag, aber in Bösewichtrollen sehe ich ihn einfach nicht gerne, dafür ist er viel zu sympathisch; seine letzte gute Rolle hatte er in „Danny the Dog“.
Nur Thomas Kretschmann kann da neben James McAvoy noch überzeugen, und das obwohl er die geringste Screentime aller Beteiligten hat.
Doch mit seiner Rolle und seinem Charisma füllt er jede Szene voll aus, und das ist dann auch gleichzeitig sein Problem. Man will von vornherein nicht ganz glauben, dass er der große Bad Guy ist...
Ansonsten wirklich sehr unterhaltsamer Film.
Gelangweilt habe ich mich zu keiner Sekunde, dafür versetzt man sich nämlich viel zu gut in Gibsons anfängliche Lage, und feiert auch bei seinem ersten Ausraster richtig mit.
Dann aber distanziert man sich von der Figur, und es bleibt ein actiontechnisch extrem comichaft und spektakulär inszenierter Film, mit fragwürdigem Pathos, einiges an Kollateralschaden, geschmacklosen Gewaltszenen, und einem nicht gerade einfallslosen Ende.