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WANTED



Krawallkino wie es im Prinzip nur aus Amerika, eventuell noch aus Frankreich, kommen kann. Oberflächlich, kurzweilig, politisch unkorrekt, sexy, unlogisch, je nach Anspruch nervig und langweilig, ausufernd, laut, überstilisiert und inhaltlich absolut bekloppt. Ein wirklicher Bastard von einem Popcornfilm eben, den man keine Sekunde ernst nehmen kann und darf. Okay, auch aus Asien kann man mit solcher Filmkost rechnen.

Allein die Story ist eine Frechheit und sollte sogar B-Movieabhängige Idealisten ein Fragezeichen über den Kopf wachsen lassen, denn die anfänglich noch nachvollziehbare Plotentwicklung -Loser wird zur Kampfmaschine ausgebildet um den Killer seines Vaters zu stellen- verliert sich in einem bodenlosen „Bruderschafts-Run-And-Kill“-Marathon. Vollkommen bescheuert, unnötig und bei dem Stab (Freeman, Jolie, Kretschmann, McAvoy usw.) und dem "heiligen Binärcodehäkelnden Webstuhl" einfach nur lächerlich.

Nach eigener Aussage, hatte Angelina Jolie einfach mal wieder Bock darauf etwas kaputt zumachen und ganz im Stile ihres Blockbustererfolges "Mr. & Mrs. Smith" einfach eine laszive Killerin zu spielen. Zumindest dies ist ihr bravourös gelungen, denn sonst bleibt ihre Figur gewohnt oberflächlich und taugt höchstens für so manche Männerfantasie. Morgan Freeman spielt seine Figur Sloan gewohnt solide und überrascht lediglich als Opfer im Finale vom Finale. James McAvoy darf sich als kleiner Sadist outen, denn nachdem er seinem langweiligen Leben den Rücken gekehrt hat und zum Superkiller mutiert -schließlich war diese Gabe schon immer in seinem Inneren verborgen- tötet er Menschen um dies anschließend zu hinterfragen und um dann weiter zu töten. Zugegeben die Drehbuchautoren, 4 an der Zahl, haben sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert und der geneigte Actionfan wird dieses Missgeschick auch verschmerzen, doch Regisseur Timur Bekmambetow (Wächter der Nacht / des Tages) konnte dem Ganzen doch einen, eventuell ja auch seinen, Stempel aufdrücken. Er kreierte eine optische Granate, welche Größenwahn und Naivität gekonnt kombiniert. Zumindest diesbezüglich untermauert er das in ihn gesetzte Vertrauen der Produzenten, als diese den Russen nach Hollywood holten. Selten wurde Action so Artworklastig auf Zelluloid gebannt und dabei auch noch maßlos übertrieben wie hier. Der Comiccharakter wurde also problemlos zum Medium Film emuliert. Zwar sind der Einsatz von CGI und Blue Screen unübersehbar, doch fügt sich dieser saubere Style in die zu perfekte Optik, schnörkellos ein. Bleibt dabei aber definitiv Geschmackssache.

„WANTED“ hat seine bleibenden Momente, zelebriert zutiefst Actionkino und bietet vor allem im Finale bleibende, stellenweise ultrabrutale Action, welche gleichzeitig auch wie ein deplatzierter Kontrast, im Bezug auf Gesamtprodukt und Machart, wirkt. Zu allererst für große Jungen gedacht, darf sich der Film als kurzweiliges Popcornkino outen, so wie es derzeit möglich und wohl auch gewünscht ist.


Fazit: Bleibt hinter einer oberflächlichen Fassade nicht mehr als ein nett verpacktes, und trotzdem über weite Strecken, geschmackloses, Bonbon. Auf gute Action reduzierte, austauschbare, Filmkost, bei welcher für mich persönlich die Enttäuschung überwiegt.


Einmal ansehen sollte trotzdem gewagt werden, vor allem wenn man dem Genre nicht abgeneigt ist.


5/10

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