Es ist ja inzwischen eine vergebliche Hoffnung, im großbudgetierten Einerlei des amerikanischen Blockbusterkino während der Sommermonate etwas Innovatives oder gott bewahre etwas Subtiles anzutreffen, die Effektprodukte sollen das Publikum gefälligst überfahren, um den nötigen Cash reinzufahren und obwohl selbst die abgeschmacktesten Besucher im Unterbewußtsein langsam kapiert haben, daß der Käse sich jährlich wiederholt, wird immer weitergepilgert.
Dann muß man schon Beifall klatschen, wenn sich wenigstens optisch etwas tut und nicht nur familienkompatibles Kino geboten wird – auf Logik und Wahrscheinlichkeit verzichten wir ja insgeheim schon seit Jahren.
Und ein Film wie „Wanted“ verzichtet dann auch gleich völlig auf diese beiden Elemente und widmet sich fröhlichem Eskapismus, dezent verhüllt gewaltverherrlichend, menschenverachtend und knackebunt.
Dazu hat die US-Industrie wieder mal einen hoffnungsvollen Regisseur aus dem Ausland geholt (für einen Hit verheizt man ja gern mal vier Hoffnungsträger aus aller Welt), den russischen Starregisseur Timur Bekmambetov, der mit „Wächter der Nacht“ und „Wächter des Tages“ in östlichen Gefilden bereits zwei optisch herausragende, aber sonst arg durchwachsene Blockbuster abgeliefert hatte.
Der hat nun mit „Wanted“ sich eines Comics angenommen, in der ein unwichtiger Twen-Nobody in absoluter Nerdhoffnungslosigkeit feststellen muß, daß er der Sprößling einer epochenalten Assassinenvereinigung ist und deren Talente geerbt hat, die hauptsächlich darin bestehen, so viel Adrenalin auszuschütten, daß man wie ein Kolibri reagieren kann (Zeitablauf verzögert für uns arme Zuseher) und Kugeln in Kurven abfeuern zu können, was bei den zahlreichen Mordanschlägen ganz hilfreich ist, aber zuvorderst erst einmal schnieke aussieht.
Aus dem Biedermann wird ein Profikiller, der seine Aufträge (das muß man sich auf der Zunge zergehen lassen) von einem Schicksalsteppich geliefert bekommt, der in Form von Maschenlage die künftigen Ziele als Binärcode abliefert. (Und natürlich denkt man sich beim DVD-Genuss sofort, auf einer Todesliste zu hocken... ). Dann gibt’s da natürlich noch einen gefährlichen Abtrünnigen, der die Gruppenmitglieder dezimiert und einen knackigen Plot-Twist, den der geneigte Kinofan natürlich schon früh erahnt, aber darum geht’s auch hier nicht.
Es geht um Autoverfolgungsjagden mit opulent-brachialen Schußwechseln, jede Menge Schrott, Stunts ohne Netz und doppelten Boden und auf das Scheißen auf jede mögliche physikalische Gesetzmäßigkeit, was bei den „Kugeln in Kurven“ anfängt und beim Sturz eines Eisenbahnwaggons in eine endlos tiefe Schlucht aufhört, bei der die Helden natürlich maximal Gesichtsschrammen erleiden.
Gewinnen konnte „Wanted“ nur durch schicke Bilder und jede Menge Adrenalin und tatsächlich: es sieht bisweilen sündhaft gut aus, was hier präsentiert wird, immer was los und Leichen im Minutentakt. Dazu bekommt unser „local hero“ natürlich eine Ausbildung, die sich gewaschen hat (er wird hauptsächlich an-massakriert und wieder zusammengeflickt, das albernste Training aller Zeiten), sagt seinen bisherigen Lebensversauern ein drastisches Lebewohl und überwindet schlußendlich alle moralischen Grenzen.
Bedenklich dabei ist, daß Gewalt hier scheinbar die einzig mögliche (und nicht diskutable Lösung ist) und sich James McAvoys Wandlung vom Loser zum unbesiegbaren Killer mit einer Freude am menschenverachtenden Detail geschieht, so daß wieder einer der Filme sein dürfte, die als Blaupause dienen, wenn ein scheinbarer Niemand einen Grund für einen Amoklauf sucht.
Neben ihn hat man mit Angelina Jolie und Morgan Freeman zwei gestandene Mimen gestellt, die dem Film dann die nötige Dosis Erotik (oder gleich Sex?) und Seriösität verleihen sollen, aber das ist so offensichtlich konstruiert, das es in den Gelenken quietscht.
Nichts ist hier sicher, Opfer werden knallhart kalkuliert in Kauf genommen und einfach beiseite geschoben, Schuld und Moral sind austauschbar, dafür ist der Film einfach zu funktionell und konstruiert. Ballern, springen, sprengen, das ist der Sinn des Lebens.
Wer also auf all die realistischen Attribute verzichten kann und eine Runde nette FX und Mündungsfeuer mag, ist hier insofern richtig, als das auf political correctness und den typischen Humor verzichtet wird.
Wer das nicht schafft, hat sicher den Haßfilm des Jahres auf der Hand, aber wer zur Differenzierung fähig ist, kann den Affront nach Filmen wie „City-Cobra“, „Matrix“ oder „Commando“ sicher verschmerzen. Aber vorsicht: hält nicht lange vor. (6/10)