Review

"Nicht alles, was sie mir gesagt haben, war gelogen. Sie brachten mir bei zu töten, keinen Schmerz zu empfinden, und allem voran, dass es für jeden Job die perfekte Waffe gibt. Ich bin die perfekte Waffe."

Auf Regisseur Timur Bekmambetov's zwielichtig betrachteter "Wächter der Nacht" und "Wächter des Tages" Verfilmung, folgt nun die Adaption der Comic-Reihe "Wanted" und gleichzeitig das US-Debüt, mit einem wesentlich höheren Budget als noch in seinen vorab produzierten Filmen.

Wesley Gibson (James McAvoy) leidet unter Panikattacken, ist im Wissen, dass seine Freundin mit seinem besten Freund fremd geht und hat stets ein karges Konto. Kurz ausgedrückt ist er mit seinem Leben als Account Manager mehr als unzufrieden, zumal seine Vorgesetzte es selten auslässt ihn zu erniedrigen.
Als eines Tages die Auftragskillerin Fox (Angelina Jolie) an Gibson's Seite tritt, ihm erzählt, dass sein schon lange tot geglaubter Vater erst am Vortag erschossen wurde und dieser einer Bruderschaft aus Auftragskillern angehörte, tritt Gibson in die Fußstapfen seines Vaters. Unter der Leitung von Sloan (Morgan Freeman) beginnt er eine harte Ausbildung und stellt fest, dass er eine ganz besondere Begabung hat, die physikalische Gesetze außer Kraft setzten lässt.

Dass Bekmambetov eine Vorliebe für oppulente Bilder hat, sieht man bereits in seinen alten Werken. Auch bei dem gern genannten Spätsommerblockbuster 2008 geht es stylish zu. Ausgesprochen ästhetisch fliegen Kugeln in der als "Bullet Time" bezeichneten Zeitlupenaction durch die Luft, die vergleiche zu "Matrix" auslösen. Auch in weiteren prägnanten Szenen bremst Bekmambetov die Zeit aus und präsentiert ein detailreiches Partikelfeuerwerk durch sanft zerbrechendes, an Personen haften bleibendes Glas oder sich wie weiches Wachs verbiegende Metalle.
Dass es dabei weit weniger oft realistisch zur Sache geht liegt an waghalsigen Sprüngen über Hochhausdächer, in Kurven geschossenen Kugeln sowie Autos die mal schnell in die Luft abheben. Physikalische Gesetze werden gebrochen, umgangen oder einfach außer Kraft gesetzt. Dagegen ist jeglicher Bond-Film bodenständiger. Die Erklärung für diese außergesetzmäßigen Ereignisse mag zwar einerseits plausibel, andererseits ebenso lächerlich erklingen, je nach Betrachtungsweise.
In Anbetracht der Comic-Vorlage sind diese übernatürlichen Aktionen zu verschmerzen, vielleicht sogar zu erwarten. Dennoch hätte eine realistischere Adaption ebenso funktionieren können.

Neben der coolen Aufmachung und der effektreichen Action ist es noch der knallige Soundtrack von Danny Elfman der ebenso überzeugen kann. Vorwiegend laut und treibend unterlegt dieser harte Kopfschüsse und spektakuläre Explosionen.

Trotz dieser audiovisuellen Faktoren bleibt Wanted dennoch nur durchwachsen. Zu ermüdend und redundant ist das ganze Konzept der Morde, die immer nach demselben Schema von statten gehen, und auf Dauer ermüden.
Durchwachsen erscheinen auch die inhaltlich armselige Story sowie deren Figuren. Angelehnt an "Matrix" sowie "Star Wars" kommt "Wanted" wesentlich geistloser daher. Die Schicksalsthematik weist klaffende Lücken auf. Der Glaube der dahinter steckt ist mehr als heikel und diskutabel, wird aber nur angeschnitten und nie ausgiebig genug thematisiert um eine zurechnungsfähige Grundlage zu bieten. Resultierende Plottwists sind bereits im Vorfeld ersichtlich, verpuffen somit beim ausspielen wirkungslos, ohne wirklich zu überaschen. Der Comic-Thriller bietet im eigentlichen elementare Fragen, die allerdings durch den Action-Overkill gnadenlos erstickt werden.
Der mal alberne, mal zynische Humor mag noch ins Konzept passen, steht aber im Kontext zur kontroversen, unnötig harten Brutalität. Die in Zeitlupe ablaufenden Kopfschüsse, die gar nochmals rückwärtslaufend in allen Details zelebriert werden, geben von Beginn an eine stark propagierte Menschenverachtung zu Gute. Persönlich habe ich nichts gegen solch ein genüsslich stilisiertes Blut-Bankett, dass es aber weit weniger aufdringlich ebenso gut oder gar noch besser funktionert, sieht man an der Comic-Verfilmung "The Punisher".

Zweifelhaft ist dann noch das Charakterdesign. Neben schlichten und klischeebehafteten Figuren, ist es insbesonders die Hauptfigur Wesley Gibson, die nicht sonderlich glaubhaft wirkt. Laut "Wanted" verläuft der Weg von einem Weichei zu einem gefestigten Killer über ständige Misshandlungen in Form von Messerstichen und einer gebrochenen Nase. Ebenso charakterbildend und effektiv sind Zielübungen auf baumelnde Leichen. Dass man hierbei verroht ist offensichtlich, ob das erwähnte Feingefühl dann noch vorherrscht, eher fraglich.

Darsteller die auf ein solches Charakterdesign aufgesetzt werden habens eher schwer, oder leicht. Schwer in dem Sinne, viel aus ihrer Figur zu machen. Leicht in Form von wenig tun. Letzteres trifft auf diesen Cast zu. Während Angelina Jolie ("Lara Croft: Tomb Raider", "Mr. & Mrs. Smith") nichts weiter tut als reizvoll zu lächeln, schaut James McAvoy ("Penelope") vorwiegend nur spitzbübig aus der Wäsche. Morgan Freeman ("The Dark Knight", "Million Dollar Baby", "Gone Baby Gone") sowie Thomas Kretschmann ("King Kong", "Der Untergang", "Next") werden sinnlos verpulvert, da sie nicht sonderlich oft im Bild sind.
Einen Bezugspunkt zu Bekmambetov's "Wächter"-Filmen stellt Konstantin Khabenskiy dar, der das gleiche Schicksal wie beide letztgenannten teilt.

Viel Kritik muss sich die spektakulär aufgezogene Comic-Adaption gefallen lassen. Trotz audiovisuellem Genuß ist es inhaltliche Leere, die Stimmung und Atmosphäre blockiert. Die überzogene, unübersichtliche Action spricht sicher nicht jeden an, das unausgegorene Figurendesign und die zwar bekannten, aber sichtlich verpulverten Darsteller, sicherlich niemanden. Somit ist "Wanted" einzig sinnfreien Action-Puristen und Fans von Angelina Jolie zu empfehlen.

4 / 10

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