"Wanted" mit Angelina Jolie, Morgan Freeman und Thomas Kretschmann hochkarätig in den Neben-, und mit James McAvoy als zurückhaltender und sanftmütiger Antiheld glaubwürdig in der Hauptrolle besetzt, ist eine lose auf Motiven der Comicserie WANTED von Mark Millar basierende Verfilmung und in den ersten 30 Minuten ein klarer Fall für die Menschenrechtsorganisation AMNESTY INTERNATIONAL!
Was Regisseur Timor Bekmambetov seinem Publikum zumutet ist Folter mit einer lauten High-Speed-Adrenalin-Actionorgie und dem ultimativen audio-visuellen Overkill mit schnellen, schwindelerregenden Stakkato-Schnittfolgen und blutigen CGI-Shoot-Outs.
Bereits nach ohrenbetäubenden zehn Minuten erreichte mein Blutdruck lebensgefährliche Werte und ich erwischte mich dabei mit einem Auge auf das Zählwerk des DVD-Players zu schielen und abzuzählen, wie lange ich diese schmerzhafte Tortur noch über mich ergehen lassen müsste.
Ich war masochistisch genug die - gemessen am aktuellen Overdrive-Hype - hektisch geschnittenen Actionsequenzen weiter auf mich einwirken zu lassen und mich kopfschüttelnd an spektakulären Stunts zu ergötzen, die jeglichen Gesetzen der Physik, der Ballistik und der Schwerkraft widersprachen.
"Wanted" fühlt sich so an und sieht so aus wie eine Mischung aus "Crank" und "The Gamer". Doch während ich bei letzterem Beispiel nach zehn hirnverbrannten Minuten müde und kraftlos den Ausschaltknopf aktivierte um meinen Verstand vor dem Super-GAU zu bewahren, blieb ich bei "Wanted" trotz später Stunde standhaft und ließ das absurde Machwerk bis zur letzten Minute auf mich einwirken.
Hätte Regisseur Bekmambetov im weiteren Verlauf nicht einen Gang runtergeschaltet und die Drehbuchautoren Brandt, Haas und Morgan ihre dünne Story um eine geheime Bruderschaft nicht klarer und durchschaubarer skizziert, hätte ich dieser Actionorgie keine Chance gegeben.
"Wanted" bleibt auch nach den ersten 30 Minuten ein nonstop Feuerwerk an übertriebenen Actionsequenzen, pyrotechnischen Firlefanz und absurden, teilweise wahnwitzigen Gadgats und einem hohen Maß an Brutalität - aber auch mit einem gewissen Unterhaltungswert und einer interssanten Story, die trotz einfachster Struktur noch einige überraschende Wendungen parat hält.
Der Humor und auch der Inszenierungsstil sind Geschmackssache und "Wanted" ist und bleibt ein Film, den ich mir höchstens unter Drogen- oder Alkoholeinfluß ein zweites Mal geben würde. Aber für den Augenblick bot Bekmambetovs Film *endkrasses* Entertainment ohne Sinn und Verstand, bei dem am Ende zwei Fragen offen blieben:
Wie kann ein Regisseur eine Augenweide wie Angelina Jolie so unerotisch in Szene setzen und haben es Oscar-Preisträger wie Morgan Freeman wirklich nötig, bei einem Film mitzuwirken, bei dem man sich als Zuschauer so fühlt, als hätte man einen schlechten Trip eingeworfen?