Das langweilige Leben des kleinen Buchhalters Wesley Gibson wird um einiges aufregender, als eine geheimnisvolle Schönheit namens Fox ihm eröffnet, dass er in Wahrheit der Sohn des größten Attentäters aller Zeiten ist und es seine Bestimmung ist, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Um das in ihm verborgene Potenzial freizusetzen, soll Wesley sich nun der "Bruderschaft" anschließen... einer Ansammlung von Profikillern unter der Leitung des weisen Sloan, die seit Jahrhunderten dafür sorgt, dass die Welt nicht im Chaos versinkt, indem bestimmte Individuen, die das Schicksal ausgewählt hat, schnell und unbürokratisch beseitigt werden. Die Namen der Personen, die zum Töten freigegeben sind, entnimmt Sloan dem Code, den ein uralter Webstuhl mittels der Anordnung der einzelnen Fäden in das Tuch webt, das dieser permanent auswirft (don’t ask!). Nachdem man Wesley im wahrsten Wortsinn in Form geprügelt und ihm sämtliche Tricks of the Trade draufgepackt hat (unter anderem die Technik des Um-die-Ecke-Schiessens!), verklickern ihm seine neuen Kollegen zu allem Überfluss auch noch, dass der Mörder seines Vaters, Ex-"Bruderschafts"-Mitglied Cross, es nun auch auf ihn abgesehen hat... Nachdem Timur Bekmambetov mit seinen russischen Blockbustern "Wächter der Nacht - Nochnoy Dozor" und "Wächter des Tages - Dnevnoy Dozor" sein Ticket für Hollywood gelöst hat, bleibt er seiner eingeschlagenen Linie weitestgehend treu und lässt mit dem Fantasy-Actioner "Wanted" erneut ein überstilisiertes Krawall-Spektakel auf das Publikum los, bei dem die präsentierten Bilder weitaus mehr zählen als die Geschichte. Als augenscheinlicher "Matrix"-Nachzieher nimmt das Ganze dank seiner ausgefeilten Visualität sogar einen der vorderen Plätze ein, dringt dabei selbst für Genre-Verhältnisse allerdings fast schon in ungeahnte Bereiche der Absurdität vor, wenn bei Verfolgungsjagden per Auto gepflegt auf sämtliche Gesetze der Physik geschissen wird oder sich die mit dem üblichen Bullet-Time-Gewichse aufgemotzten Gunplay-Einlagen ausnehmen wie der feuchte Traum eines Videospiel-Programmierers. Gerade die Shoot-Outs, bei denen man in Zeitlupe wunderbar die irrsinnigen Flugbahnen der einzelnen Projektile (zurück)verfolgen kann, sind so übertrieben jenseitig, dass sich beim Publikum prompt das Gefühl breit macht, als hätte man die Obergrenze des in diesem Bereich Machbaren nun endlich erreicht... wenn nicht gar schon überschritten. Da hatte das besagte Vorbild zumindest noch die Ausrede mit der virtuellen Realität in Petto, eine solche Alibi-Erklärung fehlt hier hingegen vollkommen. Wenn pünktlich zum Showdown dann auch noch die mit Miniatur-Sprengsätzen ausstaffierten Nagetiere in Massen auflaufen und mal eben ganze Stockwerke wegbomben, wähnt man sich in einer lupenreinen Parodie auf das gesamte Sujet solcher High-Tech-Action-Movies. Das Zuschauer-Interesse an den Charakteren ist hingegen nur oberflächlicher Natur und beschränkt sich bei der Jolie eh auf die sexy zur Schau gestellten, falschen Tätowierungen, mit denen man sie von Kopf bis Fuß verziert hat. Unzulänglichkeiten wie den dünnen Plot und das Fehlen jeglicher Logik zeigt der Streifen recht ungeniert her, kleistert das alles im gleichen Atemzug aber auch mit so viel dermaßen haarsträubender Action und krassen, bisweilen zynisch anmutenden Brutalitäten zu, dass einen das gar nicht so sehr stört. Zumindest muss man zugeben, dass "Wanted" dem Publikum einen echt himmelschreienden Trash mit reichlich Eye-Candy und Sex-Appeal ganz gut verkauft, und das sollte dann auch reichen, um dazu ’nen Six-Pack leer zu machen.
6/10