Um es kurz und schmerzlos zu machen: der ganz große Wurf ist „Ghost Town“ einfach nicht.
Natürlich, man muß nicht immer extrem innovativ sein, manchmal genügt es auch einfach, ein bekanntes Garn neu zu spinnen, wie eben das von dem Menschenfeind, der plötzlich Geister sieht und sein Herz entdeckt, als er sich verliebt – und über die selbst dargebotene Hilfe wird er zu einem besseren Menschen, der auch geliebt werden kann.
So etwas in der Art gab es schon oft, auch in den großen Zeiten des „film blanc“, während und kurz nach dem zweiten Weltkrieg, als freundliche Geister und Jenseitserfahrungen oder Himmelfahrten eine Reihe von Filmklassikers befüllten.
„Ghost Town“ ist da ganz ähnlich: der Fiese wird zum Guten und alles wird gut. Da kann sich auch der Zuschauer gut fühlen, nur fragt man sich, warum ausgerechnet jetzt so eine Story wieder aufgewärmt wird, die man schon in TV-Filmen breitgetreten hat.
Der Grund liegt beim Hauptdarsteller: „Wen die Geister lieben“ ist nicht mehr und nicht weniger als ein Versuch den Top-Komödianten des britischen Fernsehens, Ricky Gervais, gefeierter Erschaffer von „The Office“ (bei uns : „Stromberg“) und „Extras“ auch in den Staaten beliebt zu machen.
Ein heroisches Unterfangen, denn Gervais ist grundsätzlich nicht unbedingt das, was der gemeine Zuschauer sofort als „lustig“ interpretieren würde. Er ist kein Gummigesicht, kein Possenreißer und er macht auch keinen Slapstick, es ist Charakterkomik, der Witz liegt im Verhalten und in den Situationen, in die er oder seine Figur geraten, der Biss transportiert sich meistens über die Dialoge – und Gervais hat auch gar keine andere Chance, ist er doch maximal robust bis kantig, mittleren Alters, nicht sonderlich attraktiv und damit zielgruppenresistent, aber ein perfekter Kandidat für Unsympathen.
Das war W.C.Fields auch, aber Gervais ist nicht poltrig, er scheint eher generell im Konflikt mit sich und seiner Umwelt zu stehen, ist sich selbst im Wege und bahnt sich seinen Weg mittels sarkastischer Pointen und Seitenhiebe, die jedoch so fein ausformuliert sind, daß seine Gegenüber diese Sottisen meistens gar nicht erst bemerken, bis es zu spät ist.
Für so jemanden (Simon Peggs Vorbild wird also gefolgt) muß ein Vehikel her, die alte Scrooge-Geschichte, die ein Lächeln über den sonst eher unattraktiven Everyman herbeizaubert.
Und da liegt die große Qualität dieses Films: Regisseur und Autor David Koepp hat Gervais ein Drehbuch auf den Leib geschneidert, das ihm mehr als paßt, angefüllt mit skurilen, aber nicht abstrusen Charakteren, gemischt aus zurückhaltendem, aber beißendem britschen und amerikanischem Humor, mit untergepflügten kulturellen Gegensätzen und schwelendem Witz, der sich von hinten anschleicht. Eine Reihe von Szenen mit geradezu kultverdächtigem Beinahedialogen wirkt frei improvisiert und tritt Situationen so breit wie möglich, um von der Abgedroschenheit der Story abzulenken. Solange hier frei flottierend rumgebastelt wird, macht der Film einfach nur Spaß.
Das funktioniert jedoch nicht über die volle Distanz: spätestens wenn der Misanthrop sich in einen Gutmensch verwandeln muß, verliert der Film an Volumen und wird mehr und mehr zum Rührstück, bei dem man den Biss schmerzlich vermißt und der dann nur noch ab und zu aufflackert.
Das liegt sicher auch daran, daß die Mit-Darsteller wenig dazu angetan sind, dem Hauptdarsteller paroli zu bieten. Greg Kinnear ist zwar mit seinen Hundeaugen ein passabler Kumpel, der wohl hauptsächlich als sympathische Antipode verpflichtet wurde, aber seine Art wirkt nie zündend gegen die pointierten Monologe des Briten, der einfach munter an ihm vorbei spielt. Und Tea Leoni wirkt als Gwen wie ein Resonanzkörper, ein Partner, den man anspielen kann, ohne daß er je richtig Profil entwickeln könnte.
So wartet man am Ende dann vergebens auf eine positive Überraschung, zwar endet alles rund, aber daran hat sowieso niemand gezweifelt – die Brillianz der ersten halben Stunde ist aber leider verflogen.
Dennoch ist der erste Auftritt des Briten als Hauptdarsteller mehr als gelungen, während er in „Stardust“ und „Nachts im Museum“ nur mühsam oder gar nicht in den sonstigen Plot eingebaut werden konnte oder man ihn als gewöhnlichen Funnyman verbriet.
Es wird gar nicht so einfach sein, diese „häßliche Type“ beim Publikum dauerhaft durchzusetzen und vielleicht ist das auch nicht das erstrebenswerteste Ziel für Gervais, schämen muß man sich für diesen altmodischen, aber sehr vergnüglichen Film aber auch nicht. Und daß das eher was für Fans von britischem Humor ist, sollte man herausheben. (7/10)