Review

Geradezu ein Highlight: endlich einen Takashi Miike-Film gefunden, den ich spontan mochte - vermutlich, weil ich bis zum Abspann gar nicht darauf geachtet habe, von wem dieser exzessive Schulbandenfilmkracher überhaupt kommt.
Allerdings hätte ich auch andernfalls wenig anders entschieden, denn der sonst so populäre abstruse Mischmasch aus kreativen Brutalitäten und bizarren Absonderlichkeiten wurde in diesem Fall enorm zurückgefahren.

Im Wesentlichen ist es wie ein nostalgischer Rückblick auf die seligen 80er Jahre, als die Klassen von sonstwann im besten Rebellen-Punk-Stil mal ordentlich den Putz von der Wand hauten oder noch weiter zurück, das Establishment schockten.
Davon ist hier natürlich weit und breit nichts zu sehen, die angekündigte schlimmste Schule des Landes funktioniert hier nicht mehr als gängige Lehranstalt, sondern als halbzerstörtes Übungsgelände für kommenden Gangster- und Triadennachwuchs. Der soll sich, wenn er will und wenn er kann, hier durchsetzen und nach oben kämpfen, möglichst an die Spitze einer Gang, einer Klasse oder eines Jahrgangs, um dann zu versuchen, die ganze Schule anzuführen.
Das ist natürlich noch nie passiert, also serviert Miike uns gleich mehr als ein halbes Dutzend Gruppen, Grüppchen und Charaktere, die miteinander oder gegeneinander kämpfen, intrigieren oder sich Hinterhalte legen. Über all dem schwebt natürlich die gewisse "Rebel with(out) a caus"-Mentalität: der eine kloppt gegen den übermächtigen Schatten des Vaters an, der Andere ist ein kleines Rädchen in den Triaden, der Dritte wird für psychopathisch gehalten, wieder ein Weiterer leidet an einem Gehirnaneurisma und einige stehen im Schatten und warten wie Geier darauf, wer wohl auf der Gewinnerseite steht, um dann zuzuschlagen.

Miike behandelt das Thema überraschend ambivalent, niemand wird bevorzugt oder gesondert gut gezeichnet, als erweist sich als langsamer, zäher und schwieriger Konzentrationsprozess mit zahlreichen Rückschlägen, bis denn am Ende zwei Schularmeen im prasselnden Regen aufeinander losgehen können. Eine andere Alternative als das Kämpfen und die Rangfolgen bzw. den Platz im Leben scheint es nicht zu geben, ein hübsch kritische Metapher zum modernen Leben, die noch dazu unterstrichen wird durch die Existenz eines schweigsamen Kapuzenträgers, der nicht mehr als die Verkörperung der Tatsache ist, daß es immer einen geben wird, der am Ende doch besser, stärker und schneller als der Meister selbst sein wird, ein Sinnbild der Sterblichkeit an sich.

Unpassende Ausflüge fallen größtenteils flach, eine der wenigen Ausnahmen ist vielleicht das Untergebenenbowling, daß fröhlich an "Takeshis Castle" erinnert, ansonsten wird es immer nur dann leicht albern, wenn das Thema auf die Mädels kommt, denn so knochentrocken und kristallhart die Fighter auch sind, beim schwachen Geschlecht wissen sie meistens nicht, was sie tun sollen, auch wenn die selbst kaum über dem obligaten Schoolgirl-Kicherniveau gelagert sind.

Das Interesse beschränkt sich natürlich im Wesentlichen auf die Rangkämpfe und die kommen mit gesunder Härte daher, nicht übertrieben, keine extremen Luftwirbeleien, sondern im besten "Fight Club"-Style, harte und erschöpfende Schläge auf den wunden Punkt, ohne große akustische Untermalung, dafür aber mit enormer Selbstaufgabe. Dementsprechend zerschrotet sehen die meisten Darsteller über weite Strecken auch aus, erholen sich aber nach gegebener Zeit immer, um dann zur nächsten Fressenpolitur zu schreiten.
Etwas anstrengend ist es für den Zuschauer sicherlich, das gute Dutzend größerer Sprechrollen alle unter einen Hut zu bringen, bzw. zu Beginn ihre Position in der Rangfolge überhaupt einzuschätzen (von den Namen ganz zu schweigen), aber langsam kristallisiert sich das Gesamtbild heraus und man kann die lächerlichen J-Rock-Frisuren dann auch immer besser auseinander halten.

Insgesamt ein überraschend positiv geschlossener Film, der sich nicht billigen Übertreibungen (abgesehen von der Ausgangsposition an sich natürlich) hingibt, sondern knochentrocken und mit einem Tröpfchen Melancholie die jugendlichen Aggressionen abarbeitet, ohne daß sich überall Leichen stapeln müssen. Ob die Botschaft dahinter nun sonderlich erstrebenswert ist, ist eine andere Sache, aber immerhin machen hier alle Lernprozesse durch und unterhaltsam das alles auch noch. Meine Oberstufe war dann aber doch friedlicher. (7/10)

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