Andreas Schnaas aus Hamburg gehört ebenfalls zu den alten Hasen in der deutschen Amateurfilmszene. Er ist glühender Verehrer von Fulcis Werken, aber sein absoluter Lieblingsfilm scheint der MAN-EATER von Joe D’Amato zu sein, von dem er ja dann auch ein Remake drehte. Außerdem ist er ein Fan von asiatischen Kampfsportarten, was besonders in VS3 deutlich wird. Ihm geht es in erster Linie offenbar nur um den Gore, alles andere drum herum ist nur Beiwerk, um das fertige Produkt als „Film“ bezeichnen zu können. Dementsprechend schludrig wirken viele seiner Filme dann auch und deshalb ist er auch so stark umstritten bzw. wird von vielen generell komplett abgelehnt. Man schaue nur einmal auf badmovies.de, die sich darauf spezialisiert zu haben scheinen, wahre Hasstiraden über Schnaas zu verfassen. Ich gestehe ihm immerhin zu, dass er mit VS2 & VS3 zwei einigermaßen amüsante Beiträge auf die Beine gestellt hat, aber der Rest… oh Mann… Also viel Talent besitzt der gute Mann nun wirklich nicht. Auch er war drüben in den USA, konnte aber bislang nichts Großes reißen.
VIOLENT SHIT
Ist für angeblich nur 3.000 DM gedreht worden, was aber höchstens die Form und nicht den Inhalt entschuldigen kann. Schnaas erfindet hier die Figur des Karl the Butcher, dem als Kind im Keller der Teufel erscheint und ihm befiehlt, seine eigene Mutter zu töten. Zumindest muss man es sich so selber zusammen reimen, denn in den ersten Minuten gelingt es Herrn Schnaas nicht einmal die einfachsten Zusammenhänge halbwegs verständlich zu schildern. Im Erwachsenenalter bricht Karl dann bei einer Fahrt durch einen Wald aus dem Transportwagen einer Irrenanstalt aus, humpelt fortan mit einem übertrieben großen Fleischerbeil durch die Botanik und murkst x-beliebige Waldarbeiter und Spaziergänger ab, bis er dann am Ende stirbt, weil er ein Kind zur Welt bringt (hä?!).
Das dürre Handlungsgerippe ist dann nur noch Vorwand für zahlreiche breit ausgewalzte Mordszenen, die alle ziemlich simpel getrickst sind, was durch den ständigen Einsatz digitaler Entfremdungen kaschiert werden soll. Andreas zeigt uns hier bereits eine seiner Vorlieben: Die Verstümmelung weiblicher Genitalien. Die kommen bei ihm nämlich noch später immer wieder vor. Die wenigen Dialoge sind kaum zu hören und ohnehin völlig trivial. Es gibt auch scheinbar nur ein einziges musikalisches Stück zur Untermalung, ein zugegebenermaßen recht unheimliches Synthesizergedudel, das aber auf Dauer nervt. Ich will gerne noch beide Augen bei der Bewertung zudrücken, da es sich um ein Erstlingswerk handelt, einen geradlinigen Slasher, ein paar der Morde ansatzweise ganz nett sind (elektrischer Heckentrimmer) und auch ein klein bisschen Stimmung bei manch düsteren Szenen im Wald aufkommt, aber dass auf diesem Film der Ruf von Schnaas als mutigen Goreundergroundfilmer basiert, ist schon ein starkes Stück. Verantwortlich dafür ist Chas Balun, literarischer Splatterpapst und einstiger Schreiberling von Fangoria und Deep Red, der von VS so beeindruckt war, das er den Streifen in den höchsten Tönen lobte („The goriest film ever made!“), bis der schließlich tatsächlich in den USA vermarktet werden konnte. Darum auch die englische „Synchro“ bei ZOMBIE 90 – wegen dem „Markt“ in Übersee. Au warte.
Wie gesagt: Bei der Bewertung will ich noch einmal sehr gnädig sein. Verdient hätte er eigentlich – aus technischer & inszenatorischer Sicht – gerade mal einen Punkt, selbst wenn man sein Alter berücksichtigt. Nicht umsonst sagen viele, der Titel sei Programm: Es handle sich bloß um einen gewaltigen Sch…
3 von 10.